socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Gerhard W. Lauth u.a. (Hrsg.): Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen

Cover Gerhard W. Lauth u.a. (Hrsg.): Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen. Praxishandbuch. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2008. 2., vollst. überarbeitete Auflage. 832 Seiten. ISBN 978-3-621-27543-9. D: 68,00 EUR, A: 70,00 EUR, CH: 115,00 sFr.

+ 1 CD-ROM.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-621-27823-2 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Die Herausgeber

  • Prof. Dr. Gerhard W. Lauth ist Inhaber des Lehrstuhls Psychologie und Psychotherapie an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln,
  • Prof. Dr. Friedrich Linderkamp arbeitet am Institut für Sonderpädagogik, Prävention und Rehabilitation der Universität Oldenburg,
  • Prof. Dr. Silvia Schneider, Lehrstuhl am Institut für Psychologie der Universität Basel, tritt neu in der Herausgebergremium ein aufgrund des Todes von
  • Prof. Dr. Udo B. Brack (†), der Professor am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humbold-Universität in Berlin war.

Thema und Entstehungshintergrund

Die häufigsten Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter, ihre Diagnose und ihre Behandlung sollen in diesem Praxishandbuch erschöpfend und doch übersichtlich vorgestellt werden. Zusätzlich werden Trainingsansätze für übergreifende Kompetenzen (z.B. Problemlösen) und spezielle therapeutische Methoden (z.B. Rollenspiel) beschrieben. Zusätzlich wird das Buch durch Erläuterungen der rechtlichen Rahmenbedingungen, sowie ein Kapitel zum wichtigen Thema Qualitätssicherung und Evaluation abgerundet.

Aufbau und Inhalt

Der Aufbau des Buches gliedert sich in sechs Abschnitte:

  1. Einführung
  2. Therapie in einzelnen Störungsbereichen
  3. Verhaltenstherapie in Einrichtungen und auf Stationen
  4. Training/Ausbildung von übergreifenden Kompetenzen
  5. Therapeutische Methoden und Einzelverfahren
  6. Qualitätssicherung/Evaluation

1. Einführung

In der knapp 40-seitigen Einführung wird neben einer allgemeinen Einführung in die Verhaltenstherapie mit Kindern und  Jugendlichen (G. W. Lauth, F. Linderkamp, S. Schneider & U. B. Brack) auf die rechtlichen Bedingungen in der Bundesrepublik Deutschland (G. Pulverich & J. Frederichs) sowie die Abrechnung von Leistungen (J. Könning) eingegangen.

2. Therapie in einzelnen Störungsbereichen

Dieser Abschnitt nimmt mit knapp 500 Seiten den größten Raum des Buchs ein. Hier werden nach einer kurzen Einführung in die Hintergründe psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter (G. W. Lauth, F. Linderkamp & S. Schneider) die häufigsten Störungsbilder vorgestellt:

  • Exzessives Schreien (M. Bolten)
  • Fütter- und Essstörungen bei kleinen und behinderten Kindern (H. Süss-Burghart)
  • Intelligenzminderung/Intellektuelle Behinderung (G. Weber & U. B. Brack)
  • Selbstverletzendes Verhalten (J. Rojahn & P. Bienstein)
  • Frühkindlicher Autismus (H. Dirlich-Wilhelm & L. Schreibman)
  • Allgemeine Lernstörungen (G. W. Lauth)
  • (Reaktive) Bindungsstörungen im Kindesalter (P. Zimmermann)
  • Störungen mit Trennungsangst (K. Sarimski)
  • Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen/Störungen der motorischen Fertigkeiten (H. Krombholz)
  • Sprachentwicklungsstörungen (F. Linderkamp & U. B. Brack)
  • Stottern (H. J. Kern & B. Schlup)
  • Störungen der Ausscheidung (H. Süss-Burghart)
  • Phobien (S. Schneider & T. In-Albon)
  • Soziale Ängste, Schüchternheit und Selbstwertprobleme (A. Sterzenbach & S. Schneider)
  • Elektiver Mutismus (U. B. Brack & C. Ardonetto)
  • Depression (W. Ihle & L. Blöschl)
  • Tic-Störungen (M. Döpfner)
  • Zwangsstörungen (M. Döpfner)
  • Posttraumatische Belastungsstörung (R. Steil & S. Schneider)
  • Schlafstörungen (U. B. Brack, A. Sterzenbach & B. Schlup)
  • Lese- und Rechtschreibschwäche (H. Dürr)
  • Rechenschwäche (A. Warnke, P. Küspert & E. Plume)
  • Schulverweigerung (J. Bellingrath)
  • Hyperkinetische Störungen (G. W. Lauth & P. F. Schlottke)
  • Oppositionelles Trotzverhalten (B. Heubeck & G. W. Lauth)
  • Störungen des Sozialverhaltens (J. Hartung)
  • Bullying (H. Scheithauer & T. Hayer)
  • Atopische Dermatitis (G. Niebel)
  • Chronische Kopfschmerzen (H. Saile)
  • Asthma bronchiale (H. Neumann)
  • Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindesalter (H. A.G. Bosinski)
  • Alkoholabhängigkeit und Drogenkonsum (D. Sonntag & C. Bauer)
  • Suizidalität (S. Schaller & A. Schmidtke)
  • Delinquenz (M. Geretshauser & G. W. Lauth)
  • Anorexia nervosa (S. Munsch)
  • Bulimia nervosa (C. Jacobi & I. Beintner)
  • Adipositas (D. Sonntag & C. Kröhl)
  • Schizophrene Erkrankungen in der Adoleszenz (M. Schmid)
  • Manie und bipolare Störungen (T. D. Meyer)
  • Borderline-Störung

Sämtliche Störungsbilder werden nach demselben Schema vorgestellt: Einer kurzen Einführung in das Krankheitsbild mittels Fallbeispiel folgen

  • die diagnostischen Kriterien nach ICD-10,
  • die Epidemiologie und Altersrelevanz,
  • die gängige Diagnostik,
  • das Bedingungsmodell,
  • die daraus resultierende Therapieplanung, sowie abschließend
  • Wirksamkeit und die Wirksamkeitsbedingungen der Therapie.

Abschließend wird zu jedem Störungsbild grundlegende und vertiefende Literatur sowie Arbeitsmaterialien genannt.  

3. Verhaltenstherapie in Einrichtungen und auf Stationen

Im dritten Teil des Buches wird die Umsetzung der Verhaltenstherapie in stationären klinischen Einrichtungen (H. Vogel), in niedergelassenen Praxen (G. W. Lauth, F. Linderkamp, S. Schneider & U. B. Brack), in pädagogischen Institutionen (J. Bellingrath) und in Beratungsstellen (M. Borg-Laufs & U. B. Brack) vorgestellt. Auch hier wird einleitend ein Fallbeispiel genannt. Anschließend folgen

  1. eine Kurzbeschreibung der Methode und ihres Hintergrundes,
  2. die jeweilige Indikation,
  3. eine detaillierte Beschreibung des Vorgehens und abschließend auch hier
  4. die Wirksamkeit und die Wirksamkeitsbedingungen der Therapie.

4. Training/Ausbildung von übergreifenden Kompetenzen

Folgende Trainings übergreifender Kompetenzen werden nach demselben Muster des dritten Kapitels vorgestellt:

    Intellektuelle Förderung (Denken) (K. J. Klauer & G. W. Lauth)
  • Problemlösung (G. W. Lauth)
  • Soziale Kompetenzen (F. Linderkamp)
  • Stressbewältigung (J. Klein-Heßling & A. Lohaus)
  • Zielsetzung und Motivation (W. Kowalczyk)
  • Operationsvorbereitung/Bewältigung akuter Schmerzen (S. Mühlig)
  • Umgang mit chronischen Krankheiten (C. Hermann)
  • Familieninteraktion und –kommunikation (H. Saile)

5. Therapeutische Methoden und Einzelverfahren

Die vorgestellten Methoden umfassen:

  • Kontingenzmanagement (F. Linderkamp & U. B. Brack)
  • Rollenspiel (F. Linderkamp)
  • Selbstkontrollverfahren, kognitives Modelllernen und Selbstinstruktionstraining (G. W. Lauth)
  • Therapeutische Hausaufgaben und Verhaltensverträge (J. Bellingrath & U. B. Brack)
  • Entspannungstraining (H. Saile)
  • Systematische Desensibilisierung und Reizkonfrontation (S. Schneider)
  • Bezugspersonen als Kotherapeuten (F. Linderkamp & U. B. Brack)
  • Biofeedbackverfahren (G. Sartory & B. Müller)
  • Neuropsychologische Therapieverfahren (C. Jacobs & F. Petermann)

Auch hier wird nach bewährtem Schema vorgegangen.

6. Qualitätssicherung/Evaluation

Abgerundet wird das Buch mit den Unterkapiteln zu den wichtigen Themen Erfolgs- und Qualitätskriterien (A. Beelmann) und Kontrolle der Wirksamkeit und des Trainingsverlaufs (H. J. Kern & H. Julius).

7. CD-Rom

Des Weiteren wurde der Neuauflage eine CD-Rom mit Aufklärungsmaterialien für die Angehörigen beigefügt.

Diskussion

Aufgrund des Umfangs des Buchs und der Anzahl an vorgestellten Störungsbildern muss das Buch zwangsläufig oberflächlich bleiben. Ziel kann hier nicht sein, einen umfassenden Einblick in spezifische Therapien ausgewählter Störungsbilder zu liefern, vielmehr erlaubt es einen schnellen Überblick (pro Störungsbild ca. 10 Seiten) über das indizierte Vorgehen nach erstem klinischen Eindruck.

Der Aufbau des Buches ist logisch. Die Störungsbilder werden nach klinischen Symptomen und nicht nach ICD-10 oder DSM-IV Kategorisierung vorgestellt. Hierdurch wird deutlich, dass es sich, wie im Untertitel bezeichnet um ein wahres Praxisbuch handelt.

Die Verwendung von Fallbeispielen ist zu begrüßen. In diesem Fall machen sie jedoch nur wenig Sinn, da sie eher als "Teaser" eingesetzt werden – sie sollen Appetit machen. Die Umsetzung und der Verlauf der Therapie werden dann jedoch nicht weiterverfolgt. Hier sei dann ergänzend auf das hervorragende Fallbuch von Poustka & Goor-Lambo (2007 - vgl. die Rezension).

Sehr hilfreich ist die CD-Rom: Die psychoedukativen Materialien liefern auf drei bis vier Seiten einen guten Einstieg in das Thema mit vertiefenden Quellenangaben. Vollendet wäre sie, wenn noch einzelne Arbeitsmaterialien (z.B. Vorlagen für Verstärkerpläne o.ä.) beigefügt worden wären.

Zielgruppe

Die Zielgruppe wird durch den Untertitel vorgegeben: Es handelt sich hierbei um ein Praxisbuch, dass sich vor allem an Ärzte in Weiterbildung und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychiater, ärztliche und psychologische Psychotherapeuten und Klinische Psychologen richten dürfte, die praktisch arbeiten.

Fazit

Neben den gängigen Lehrbüchern der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie in denen manchmal das praktische verhaltenstherapeutische Arbeiten kaum oder nur am Rande bearbeitet wird (vgl. z.B. Steinhausen 2007 – vgl. die Rezension) oder die aufgrund ihres Umfanges einige Leser eventuell abschrecken (vgl. z.B. Borg-Laufs 2007 - vgl. die Rezension) findet dieses Praxisbuch seinen wertvollen Platz. Mit oben genannten Büchern harmoniert es hervorragend. Wer detailliertere Informationen sucht, dem seien zum einen die vertiefenden Literaturangaben, zum anderen die hervorragende Reihe "Leitfaden der Kinder- und Jugendpsychotherapie", die seit 2000 im Hogrefe-Verlag erscheint, ans Herz gelegt. Wer über eine rein störungsspezifische (Achse-1 diagnosebezogene) Diagnostik und Therapie hinausgehend umfassend ressourcen-, motivations- und systembasiert arbeiten möchte, der lese unbedingt das „Standardwerk Selbstmanagementtherapie mit Kindern“ von Michael Borg-Laufs und Heiko Hungerige (2005) in Ergänzung mit dem auch an dieser Stelle rezensierten SDS-KJ (2005 - vgl. die Rezension) von Michael Borg-Laufs.


Rezension von
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
E-Mail Mailformular


Alle 90 Rezensionen von Alexander Tewes anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 08.11.2008 zu: Gerhard W. Lauth u.a. (Hrsg.): Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen. Praxishandbuch. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2008. 2., vollst. überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-621-27543-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6631.php, Datum des Zugriffs 06.04.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung