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Michael Gessler, Britta A. Stübe: Diversity-Management. Berufliche Weiterbildung [...]

Rezensiert von Dr. Sandra Schaffert, Diplom-Pädagoge Martin Schön, 09.11.2008

Cover Michael Gessler, Britta A. Stübe: Diversity-Management. Berufliche Weiterbildung [...] ISBN 978-3-8309-2012-0

Michael Gessler, Britta A. Stübe: Diversity-Management. Berufliche Weiterbildung im demografischen Wandel. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2008. 149 Seiten. ISBN 978-3-8309-2012-0. 19,90 EUR.
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Herausforderung "Alternde Belegschaft"

In Deutschland nehmen die Geburten- und Schulabgängerzahlen ab, das Erwerbspersonenpotential ist rückläufig: Mit der Bevölkerung altern in Deutschland auch die Belegschaften in Unternehmen deutlich. Trotz aller Unterschiedlichkeit innerhalb der Gruppe älterer Arbeitnehmer stellen sich daher die Fragen nach dem demografischen Wandel in Unternehmen, welche Rolle das "Age Diversity Management", also der bewusste organisationale Umgang mit unterschiedlichen Altersgruppen in Unternehmen, spielt und was dies für die betriebliche Weiterbildung bedeutet.

Aufbau und Inhalt

Diesen Fragen gehen der Juniorprofessor Dr. Michael Gessler und seine Mitarbeiterin Britta A. Stübe, beide von der Universität Bremen, in diesem Buch nach.

  • Vor dem Hintergrund der zunehmenden Beschäftigungsquote der 55- bis 65-Jährigen werden in der kurzen Einleitung Fragestellung und Forschungsfragen der Studie vorgestellt, die vor allem auf die Situation von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Gebiet Bremen-Bremerhaven abzielt.
  • In den folgenden beiden Kapiteln werden zum einen Datenmaterial zum demografischen Wandel in Deutschland, z. B. zur Umkehr der Altersstruktur, zur Vereinzelung und pluralen Lebensformen, und zum anderen die Konzepte des Diversity Management bzw. des Age Diversity Managements vorgestellt. Dazu stellen die Autoren Merkmale und Materialien zum Alter zusammen, beispielsweise zu Gesundheit und Vitalität sowie zur Intelligenzentwicklung im Alter. Hierbei stört, dass sich etliche der Befunde nicht auf die Zielgruppe der älteren Mitarbeiter, also Personen mittleren Lebensalters, konzentrieren, sondern häufig auf deutlich Ältere Bezug genommen wird. Schön hingegen, dass die Autoren neben diesen eher defizitorientierten Ausführungen auch die interessanten Ergebnisse ihrer "Beruflichen Alterskompetenzstudie" vorstellen: Ihre Analyse von ca. 240 IT-Projekten in einem Unternehmen zeigt, dass u.a. die Komplexität von Projekten älterer Projektleiter deutlich öfter als bei jüngeren mit "hoch" bewertet wurde.
  • Im vierten Kapitel werden Experteninterviews mit Personalverantwortlichen aus zehn Unternehmen aus der Region Bremen-Bremerhaven vorgestellt und ausgewertet. Gefragt wurde dabei nach (vorhandenem) Age Diversity Management in Unternehmen, nach den Auswirkungen des demografischen Wandels im Unternehmen, nach der betrieblichen Weiterbildung sowie der zukünftigen Personalarbeit und Personalentwicklung. Die Leitfadeninterviews wurden mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet: Die Ergebnisse und Interviewausschnitte werden unterteilt nach den Kategorien Situation, Wahrnehmung und Handlungsplanung vorgestellt.

Diskussion

Aus Forschungsperspektive bzw. aus analytischer Perspektive (z.B. als Grundlage für bildungspolitische Entscheidungen) hat der Beitrag kleine Schönheitsfehler: So ist es schade, dass die Expertenantworten nicht im Hinblick auf Zusammenhänge zwischen z.B. der Betriebsgröße ausgewertet wurde, obwohl dies durchaus möglich gewesen wäre (und die KMU auch als besondere Zielgruppe genannt werden). Schade auch, dass die Altersstruktur der befragten Betriebe nicht systematisch (und damit vergleichbar) erfasst wurde. Wiederholt wird darauf hingewiesen, dass in KMU weniger ältere Mitarbeiter anzutreffen sind, ohne dies mit konkreten Zahlen zu belegen. Aus unserer Perspektive auf bayerische Handwerksbetriebe haben wir hingegen den Eindruck, dass hier gerade älteren Mitarbeitern gegenüber hohe soziale Verantwortung gezeigt wird, auch in problematischen Zeiten. Offen bleibt auch weitgehend, wie ein Age Diversity Management in deutschen kleinen und mittleren Betrieben heute im Sinne von "Best Practice" eingesetzt wird, da hier allein der Status Quo anhand von zehn "normalen" Betrieben ausgewertet wurde.

Fazit

PraktikerInnen werden von der klaren Struktur, der Übersichtlichkeit, dem passenden und hilfreichen Datenmaterial sowie den Hinweisen zu Unternehmensleitbildern (s.a. "Charta der Vielfalt" im Anhang des Buchs) profitieren. Insgesamt ist dies ein gelungener, gut lesbarer Beitrag zur anstehenden Herausforderung der alternden Belegschaften bzw. Arbeitnehmerschaft und der damit verbundenen Anforderungen für Betriebe und die betriebliche Weiterbildung.

Rezension von
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung

Diplom-Pädagoge Martin Schön
Geschäftsführer des bims e.V.
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Zitiervorschlag
Sandra Schaffert, Martin Schön. Rezension vom 09.11.2008 zu: Michael Gessler, Britta A. Stübe: Diversity-Management. Berufliche Weiterbildung im demografischen Wandel. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2008. ISBN 978-3-8309-2012-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6664.php, Datum des Zugriffs 29.06.2022.


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