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Stefan Weyers, Monika Sujbert u.a.: Recht und Unrecht aus kindlicher Sicht

Cover Stefan Weyers, Monika Sujbert, Lutz H. Eckensberger: Recht und Unrecht aus kindlicher Sicht. Die Entwicklung rechtsanaloger Strukturen im kindlichen Denken und Handeln. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2007. 223 Seiten. ISBN 978-3-8309-1868-4. 29,90 EUR.
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Autoren

  • Weyers, Stefan: Dr. phil., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Frankfurt/Main und Projektleiter am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung.
  • Sujbert, Monika: Dr. phil., Lehrbeauftragte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main und wissenschaftlicher Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt/Main.
  • Lutz H. Eckensberger : Dr., Prof.(em.) an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main und ehemaliger Leiter der Abteilung Bildung und Kultur am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt/Main.
  • Ernst-Joachim Lampe: Rechtswissenschaftler, Bielefeld (keine genauen Angaben)

Inhalt

Die umfangreichen und methodisch aufwendigen interdisziplinären Untersuchungen der Verfasser beziehen sich auf einen Ausschnitt der Normenentwicklung von Kindern und jungen Jugendlichen (3 Jahre bis 13 Jahre). Abgerundet und illustriert wird die Studie durch eine ausführliche Falldarstellung.

Das Projekt wurde zwischen 1999 und 2005 am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt/Main durchgeführt.

Hauptsächlich ausgehend von Untersuchungen von Piaget und Kohlberg geht es den Verfassern speziell um das Verständnis juristischer Strukturen anhand der Darstellung rechtlich relevanter Alltagssituationen in bezug auf verschiedene Aspekte von Besitz- und Eigentumsvorstellungen, um die Verletzung von Eigentumsnormen sowie um den Transfer von Objekten wie Tauschen, Verleihen und Schenken.

Ausgang der Arbeit ist der juristische Aspekt, der im entwicklungspsychologischen und pädagogischen Sinne beleuchtet wird. Die Methode ist kindangemessen, indem Situationen durch Befragungen, Verhaltensbeobachtungen und eine Fallstudie geklärt werden. Die Auswertung erfolgt über die genaue Dokumentation der Einzelergebnisse.

Ein erstes Verständnis von "Haben" und "Gehören" läßt sich bereits zu Beginn des 3. Lebensjahres beobachten. Kindergartenkinder haben nicht nur genaue Vorstellungen, sondern halten – entsprechend ihren Erfahrungen -  mit sinnvollen Begründungen diese Regeln für notwendig. Erst etwa vom Alter von 10 Jahren ab beurteilen Kinder die vorgegebenen Situationen unter vielfältigen Aspekten und berufen sich nicht oder kaum auf Autoritäten.

Diskussion

Die Aktualität des Themas liegt im juristischen Aspekt der Untersuchung.

Formal entspricht die Untersuchung wissenschaftlichen Kriterien. Hervorzuheben sind die Genauigkeit der Beschreibung und der angenehme Schreibstil. Die Auswertung der Teilstudien scheint sorgfältig und aufwendig vorgenommen worden zu sein.

Das Literaturverzeichnis ist umfangreich und bietet die Möglichkeit, sich über die Forschung zu Einzelaspekten zu informieren.  

Die Vielzahl der untersuchten Einzelaspekte mag den Leser verwirren und ermüden, doch ist die Arbeit so aufgebaut, daß sich anhand der ausführlichen Gliederung Einzelinformationen leicht finden lassen.

Die vielen Einzelbefunde werden nicht nur ausführlich diskutiert, sondern unter mehreren Aspekten überblickshaft zusammengefaßt.

In einem ausführlichen Kapitel gehen die Verfasser auf ihre Untersuchungsmethoden ein,  verweisen auf weiterführende Aspekte und diskutieren die möglichen Variablen, die die Entwicklung rechtlicher Vorstellungen beeinflussen und bestimmen könnten. Im Abschlußkapitel wird die pädagogische Bedeutung der Untersuchungsergebnisse anhand von Beispielssituationen erläutert.

Allerdings ist die statistische Bearbeitung durch Prozentberechnungen, Korrelationen und Signifikanzberechnungen wegen der geringen Fallzahlen an mehreren Stellen aus statistischer Sicht nicht sinnvoll und überflüssig. Die Beschreibungen der Einzelergebnisse sind an sich schon informativ.

Fazit

Die Verfasser geben auf der Grundlage einer juristischen Anlage einen Überblick über einige Variablen der Thematik des Eigentums und Besitzes, der Eigentumsnormverletzung  und des Objekttransfers aus der Sicht von Kindern verschiedenen Alters. Sie stellen nicht nur ihre Untersuchungsergebnisse dar, sondern diskutieren ausführlich methodische Aspekte und nicht untersuchte Variablen. Den Abschluss der Arbeit bilden weiterführende Überlegungen und pädagogische Implikationen.


Rezension von
Prof. Dr. Heide Plessen-Rudolph


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Zitiervorschlag
Heide Plessen-Rudolph. Rezension vom 15.11.2008 zu: Stefan Weyers, Monika Sujbert, Lutz H. Eckensberger: Recht und Unrecht aus kindlicher Sicht. Die Entwicklung rechtsanaloger Strukturen im kindlichen Denken und Handeln. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2007. ISBN 978-3-8309-1868-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6756.php, Datum des Zugriffs 24.01.2021.


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