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Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2003

Rezensiert von Prof. Dr. Wolfgang Schulz, 18.03.2003

Cover  Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2003 ISBN 978-3-87581-230-5

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2003. Neuland Verlag (Geesthacht) 2003. 256 Seiten. ISBN 978-3-87581-230-5. 13,90 EUR.

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Zum Thema

Wie in den vorangegangenen Jahren, so erschien auch dieses Jahr pünktlich zum Jahresbeginn das Jahrbuch Sucht. Dieses von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen herausgegebene Buch fasst die neuesten Statistiken zum Suchtmittelkonsum und zur Suchtkrankenhilfe in Deutschland zusammen und nimmt zu aktuellen Fragen der Sucht- und Drogenpolitik Stellung. Für die einzelnen Kapitel konnten zumeist namhafte Vertreter aus Forschung und Praxis gewonnen werden. Es gibt keine andere Veröffentlichung, die so aktuell, kontinuierlich und relativ umfassend Zahlen und Daten aus diesem Arbeitsfeld liefert. Derartige Statistiken sind heute unerläßlich für die Ermittlung des Versorgungsbedarfs, für die Planung und Einrichtung von präventiven, therapeutischen und rehabilitativen Angeboten und für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Suchtkrankenhilfe und Suchtprävention.

Inhalt und Aufbau

Im ersten und umfangreichsten Teil des Buches werden in acht Kapiteln die neuesten Statistiken zum Suchtmittelkonsum zusammengefaßt. Das Buch beginnt mit einem Kapitel für den eiligen Leser, das die wichtigsten Zahlen und Fakten auf 10 Seiten enthält (Christa Merfert-Diete). Dem folgen in sechs Kapiteln Statistiken zum Konsum von Alkohol (Christian Meyer und Ulrich John), Tabak (Burckhard Junge und Michael Thamm), Medikamenten mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential (Gerd Glaeske) und illegalen Drogen (Michael Dewald) sowie zum Glücksspiel (Gerhard Meyer) und zu Suchtmitteln im Straßenverkehr (Martina Albrecht, Markus Lerner und Horst Schulze). Berichtet werden z.B. Daten zum Alkohol- und Tabakverbrauch, zu den Steuereinnahmen und zur Preisentwicklung, zu den Werbeausgaben, zur Mortalität und zu volkswirtschaftlichen Kosten. In einem weiteren Kapitel (Ludwig Kraus, Rita Augustin und Jürgen Töppich) werden die Ergebnisse zweier epidemiologischer Studien zum Alkoholkonsum zusammengefasst und einige Trends des Alkoholkonsums sichtbar gemacht.

Im zweiten Teil wird in zwei Beiträgen über die Versorgung Suchtkranker in Deutschland informiert. Zum einen wird eine Übersicht über die vorhandenen Angebote der Suchtkrankenhilfe gegeben (Jost Leune), zum anderen wird die Klientel speziell für die ambulante und die stationäre Behandlung beschrieben, außerdem werden einige grundlegende Daten zum Behandlungsverlauf und zum Behandlungsende berichtet (Karin Welsch).

Zwei aktuelle Beiträge beschäftigen sich mit der Tabakkontrollpolitik in Deutschland (Walter Farke und Raphael Gaßmann) und der Bedeutung von Mortalitätsstatistiken (Raphael Gaßmann). Der erste Beitrag belegt in eindrucksvoller Weise, in welchem Ausmaß die bisherige Tabakkontrollpolitik gerade in Deutschland durch finanzielle Interessen der Tabakindustrie geprägt ist. Dieser Beitrag mündet in ein Bündel sehr gut begründeter Forderungen. Der zweite Beitrag zeigt, wir oberflächlich und einseitig die Diskussion über Drogentodesfälle in Deutschland geführt wird. Im letzten Kapitel des Jahrbuchs werden sechs "Forderungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zur Sucht- und Drogenpolitik an den Deutschen Bundestag und an die Bundesregierung" vorgestellt. Weiterhin enthält das Buch ein umfangreiches Adressenverzeichnis (57 Seiten!) mit Anschriften von bundesweit tätigen Verbänden, Behörden und Einrichtungen aus dem Suchtbereich sowie Anschriften in den Bundesländern und im europäischen Ausland.

Zielgruppe

Von diesem Buch werden auf jeden Fall Mitarbeiter der Suchtkrankenhilfe und Suchtprävention profitieren. Aber auch Studierende an Fachhochschulen und Universitäten, Betroffene und interessierte Laien können sich an Hand von Zahlen, Daten und Fakten über den Suchtmittelkonsum in Deutschland informieren. Verantwortliche in Politik und Verwaltung können dieses Buch für die versorgungs- und sozialpolitische Planung nutzen.

Bewertung

Dieses Buch ist zunächst einmal sehr hilfreich, weil es Statistiken aus zum Teil schwer zugänglichen Quellen aufbereitet und diese auf den neuesten Stand bringt. Diese Daten werden verständlich und sachlich präsentiert. Die Statistiken sind keinesfalls langweilig. Es handelt sich um sehr praxisrelevante Zahlen von erheblicher Bedeutung für die Planung und Einrichtung von Versorgungsangeboten im Suchtbereich. Der Leser stößt immer wieder auf interessante Details, die Anlaß zum Nachdenken geben. Besonders lesenswert ist der Beitrag über die Tabakkontrollpolitik in Deutschland. Wertvoll sind weiterhin die umfangreichen Literaturhinweise, die auf die Originalquellen und empirischen Studien hinweisen. Auch die im Adressenverzeichnis angegebenen Internet- und e-mail-Adressen machen dieses Buch zu einem wichtigen Nachschlagewerk. Dem Vorwort ist der Hinweis zu entnehmen, daß Anfang 2004 alle Artikel dieses Jahrbuchs auch im Internet verfügbar sein werden.

Allerdings gibt es auch Themen, die zu kurz kommen bzw. über die gar nicht berichtet wird und die bei einer umfassenden Darstellung des Suchtbereichs nicht fehlen dürfen. Erstens: Die enorme Bedeutung der medizinischen Primärversorgung und der psychiatrisch/psychosozialen Basisversorgung für die Versorgung und Behandlung von Suchtkranken wird zahlenmäßig nicht reflektiert. Zweitens: Über die große Gruppe der chronisch mehrfach geschädigten Suchtkranken und ihre unzureichende Versorgung wird nicht berichtet. Drittens: Eine Übersicht über das Angebot präventiver Maßnahmen und ihrer Wirksamkeit fehlt. Viertens: Es fehlen Angaben zur Wirksamkeit und zum Erfolg der Suchtkrankenbehandlung. Mittlerweile gibt es eine Reihe aussagekräftiger Katamnesen zur ambulanten und stationären Entwöhnungsbehandlung. Fünftens: Der großen Gruppe der Migranten, die bekanntlich besonders von Suchtproblemen betroffen ist, und der interkulturellen Suchtkrankenhilfe wird speziell keine Beachtung geschenkt. Insgesamt ist das Jahrbuch der traditionellen Suchtkrankenhilfe verpflichtet.

Fazit

Ein sehr verständlich geschriebenes und gut gegliedertes Buch, das mit seinen vielen Statistiken im Detail sehr gut informiert und zugleich engagiert Stellung bezieht. Eine Fundgrube und ein Nachschlagewerk zugleich, ein "Muß" für jeden in der Suchtkrankenhilfe und Suchtprävention Tätigen.

Rezension von
Prof. Dr. Wolfgang Schulz
Technische Universität Braunschweig
Institut für Psychologie
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Es gibt 11 Rezensionen von Wolfgang Schulz.

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Zitiervorschlag
Wolfgang Schulz. Rezension vom 18.03.2003 zu: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2003. Neuland Verlag (Geesthacht) 2003. ISBN 978-3-87581-230-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/683.php, Datum des Zugriffs 08.12.2022.


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