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Gabriele Moos, André Peters: BWL für soziale Berufe

Cover Gabriele Moos, André Peters: BWL für soziale Berufe. UTB (Stuttgart) 2008. 155 Seiten. ISBN 978-3-8252-3120-0. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 35,90 sFr.

Reihe: UTB M (Medium-Format).
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Autoren

Gabriele Moos lehrt als Professorin Sozialmanagement am RheinAhrCampus in Remagen. Sie ist außerdem Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Controlling in der Sozialwirtschaft und in NPO e.V. (DGCS). Moos publiziert u.a. zu den Themen Vergütung von Führungskräften im sozialen Bereich, Balanced Scorecards in der Sozialwirtschaft und Risikomanagement.

André Peters ist Geschäftsbereichsleiter eines Beratungsunternehmens, das sich vor allem auf das Sozial- und Gesundheitswesen spezialisiert hat. Er hat außerdem Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen.

Thema

Die Diskussionen um das wirtschaftliche Denken in der Sozialen Arbeit haben in den letzten Jahren massiv zugenommen und werden gelegentlich sehr kontrovers geführt. Wirtschaftliches und soziales Denken und Handeln werden dabei häufig als sich hemmende Gegensätze verstanden. Vor dem Hintergrund der nachlassenden öffentlichen Finanzierung von sozialen Leistungen kommen Einrichtungen im Sozialwesen nicht umhin, sich auch mit Fragen der Wirtschaftlichkeit zu beschäftigen. Strukturell zeigt sich diese Notwendigkeit bereits in einer Vielzahl von neuen Studiengängen mit fachspezifischer Ausrichtung und ökonomischem Schwerpunkt (z.B. Sozialmanagement) sowie in den vielen Lehrbüchern, die in den letzten Jahren zu dieser Thematik erschienen sind.

Aufbau und Inhalt

  1. Das Wirtschaften von sozialen Organisationen. Im ersten Kapitel gehen die AutorInnen ausgehend von der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre der Frage des unternehmerischen Handelns im sozialen Bereich nach. Sie erläutern vor dem Hintergrund der Verknappung von Gütern, wozu eben auch soziale Dienstleistungen gehören, die Notwendigkeit für Einrichtungen im Sozialwesen, wirtschaftlich zu handeln.
  2. Rechnungswesen. Das Kapitel gibt einen ersten Überblick über die einzelnen Bestandteile des Rechnungswesens wie Buchführung, Erstellung von Bilanzen sowie der Kosten- und Leistungsrechnung. Ausführlich werden neben der Unterscheidung in Kostenstellen-, Kostenarten- und Kostenträgerrechnung auch die Kostenrechnungssysteme (z.B. Voll-/Teilkostenrechnung, Ist-/Plankostenrechnung) erklärt.
  3. Controlling. Das Controlling, von pädagogischen Fachkräften oft die kritisch beäugte Instanz in vielen sozialen Einrichtungen, ist Thema des dritten Kapitels. Die AutorInnen erläutern die Funktion des Controllings anhand der drei Grundsysteme Planung, Kontrolle und Information. Mittels kurzer Hinweise auf den Bezug für die Praxis (Persönliches Budget, Sozialraumorientierung) gelingt es Moos und Peters, den Nutzen und die Notwendigkeit des Controllings für die gesamte soziale Einrichtung zu illustrieren. Außerdem wird ausführlich auf Kennzahlen und Kennzahlensysteme eingegangen, wobei die AutorInnen hier die abstrakte Ebene verlassen und ihre Ausführungen inhaltlich so weit darstellen, dass sich den weniger ökonomisch bewanderten LeserInnen diese Materie erschließt. Es folgt die Erläuterung der aus den Grundsystemen folgenden Steuerung mit den verschiedenen Budgetisierungsmodellen und Zielvereinbarungen.
  4. Strategisches Management. Im Kapitel zum Strategischen Management bemühen sich die AutorInnen mehr noch als im vorhergehenden um die Darstellung konkreter Anknüpfungspunkte aus dem praktischen Bereich der Sozialwirtschaft. Neben den Ausführungen zur Portfolioanalyse und ihren Begrifflichkeiten wie "Cash-Cow" und "Star" wird auch die Szenarioanalyse mit den verschiedenen Einflussgrößen kurz angerissen. Das Unterkapitel zu den strategischen Zielen ist mit einer Vielzahl von Tabellen versehen, deren Inhalte die spezifischen sozialwirtschaftlichen Ziele greifbar machen.
  5. Risikomanagement. Das Risikomanagement als Ergänzung der strategischen Steuerung ist Inhalt des fünften Kapitels. Moos und Peters gehen dabei ausführlich auf die einzelnen Elemente des strategischen Managements "Internes Überwachungssystem", "Controlling" und "Frühwarnsystem" ein, bevor sie auf den eigentlichen Risikomanagementprozess zu sprechen kommen. In diesem Zusammenhang finden wieder mehrere sehr anschauliche Grafiken und Tabellen Anwendung.
  6. Finanzierung. Neben der klassischen Finanzierung durch Kredite werden im sechsten Kapitel auch neue Finanzierungsformen vorgestellt. Zu diesen gehört z.B. jene durch Stiftungen, Sponsoren und SpenderInnen oder auch durch eine Public Social Private Partnership, einen eigenen Immobilienfonds oder Mezzanine-Kapital Aufgrund der Komplexität dieser Finanzierungsmöglichkeiten kann deren inhaltliche Ausgestaltung lediglich kurz angerissen werden.
  7. Personalmanagement. Wegen der Bedeutung des Personals in der Sozialwirtschaft spielt das Personalmanagement in der wirtschaftlichen Steuerung sozialer Unternehmen eine sehr große Rolle. Die AutorInnen tragen hier unter den Stichwörtern Personalplanung, Personalbeschaffung und -marketing, Personalauswahl, Personalfreisetzung und -entwicklung die wichtigsten Elemente des Personalmanagements zusammen.
  8. Qualitätsmanagement. Das Qualitätsmanagement hat – trotz vieler kritischer Stimmen – immer mehr Einzug auch in Unternehmen der Sozialwirtschaft gehalten. Die AutorInnen zeigen praxisnah in einem kurzen Abriss wie Qualität auch im sozialen Bereich entwickelt und umgesetzt werden kann. Die Darstellung orientiert sich dabei auf die zwei großen QM-Systeme DIN ISO 9000:2000 und das EFQ-Modell.
  9. Marketing. Das Wort Marketing mag vielen MitarbeiterInnen in der Sozialwirtschaft im Zusammenhang mit ihrer eigenen Einrichtung oder ihrem Unternehmen zunächst deplaziert erscheinen. Die Ausführungen von Moos und Peters in diesem Kapitel zeigen aber, dass vieles – sicherlich aus der praktischen Arbeit Bekanntes – eben doch einen Teil des Marketings darstellt. Auch werden hier die Überschneidungen von Teilbereichen des Marketings (z.B. des Personalmarketings) mit anderen Managementinstrumenten wie Personal- oder Qualitätsmanagement deutlich gemacht.

Diskussion

Die Berührungsängste zwischen Personen mit fachlichem Hintergrund sozialer Arbeit und jenen mit eher betriebswirtschaftlich-ökonomischer beruflicher Orientierung lassen sich nicht wegdiskutieren und werden von den AutorInnen im Vorwort aufgegriffen, nicht ohne die Zielsetzung des Buches zu betonen, nämlich "gemeinsame Fragestellungen zu erkennen und wahrzunehmen" (S. 11). Dies gelingt Moos und Peters insofern, als sie nicht den für die erstgenannte Gruppe so wichtigen Praxisbezug vernachlässigen. Immer wieder werden in den betriebswirtschaftlichen Ausführungen Beispiele aus den Arbeitsfeldern genannt. Dabei wird sich nicht jede/r Leser/in jederzeit selbst wiederfinden, dies ist aber dem komplexen Leistungsangebot im Sozialwesen geschuldet und somit unvermeidbar.

Besonders hervorzuheben ist die sinnvolle Gliederung des Buches. Die Kapitel bauen so aufeinander auf, dass vorher Erlerntes bzw. "Erlesenes" als Wissensgrundlage für spätere Ausführungen dient. Positiv hervorzuheben ist auch die vielfältige illustrative Darstellung der Textinhalte mittels informativer und aussagekräftiger Tabellen und Grafiken.

Lediglich ganz kleine Schnitzer fallen bei der Lektüre auf: In der textlichen Einführung des sechsten Kapitels (S. 93) ist die Gliederung insofern etwas durcheinandergeraten als hier das Hauptkapitel und ein Unterkapitel (Stiftungen) verwechselt wurden. An anderer Stelle (S. 114) wird die Nutzung der natürlichen Fluktuation als weiche Freisetzungsmaßnahme beispielhaft genannt, aber erst am Ende der folgenden Seite erläutert. Auf Seite 139 unten ist eine der ansonsten sehr hilfreichen seitlichen Stichpunkte falsch platziert.

Inhaltlich habe ich im Kapitel zum Personalmanagement die Darstellung der Hospitation vermisst, ist diese m.W. doch gegenüber dem kurz beschriebenen Assessment-Center im Sozialwesen stärker verbreitet.

Besonders positiv fällt die Aktualität der Bezüge zur Praxis auf. Im Kapitel zum strategischen Management greifen die AutorInnen z.B. sehr anschaulich das Persönliche Budget auf (S. 72).

Ein übersichtliches Stichwortverzeichnis erleichtert die Orientierung im Text.

Zielgruppen

Als Zielgruppen des Buches nennen Moos und Peters im Vorwort Personen mit Führungsaufgaben in sozialwirtschaftlichen Unternehmen sowie Studierende, die Leitungsaufgaben in sozialen Einrichtungen anstreben. Der Hinweis "Bachelor" auf dem Titel unterstreicht die Ansprache der zweitgenannten Zielgruppe. In Anbetracht des zunehmenden Angebots von Aufbaustudiengängen mit dem Schwerpunkt "Sozialmanagement" bietet das Buch von Moos und Peters zudem eine erste Einführung bzw. kann es als Entscheidungshilfe zur Abwägung von Studieninhalten und eigenen Interessen dienen.

Fazit

Das Buch von Gabriele Moos und André Peters ist eine gelungene und in großen Teilen gut verständliche Einführung in die Betriebswirtschaftslehre für soziale Berufe. Die AutorInnen vernachlässigen dabei nicht den Praxisbezug und greifen auch aktuelle Themen des Sozialwesens auf. Zur Vertiefung der in den einzelnen Kapiteln erläuterten Themen wird jeweils (meist) sehr aktuelle Literatur angegeben. Wer sich intensiver mit der Materie befassen möchte, wird aber auf die Lektüre weiterer Bücher zum Sozialmanagement nicht verzichten können.


Rezension von
Ilja Ruhl
Soziologe M.A.

Homepage www.gemeindepsychiatrie-sozialpsychiatrie.de
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Zitiervorschlag
Ilja Ruhl. Rezension vom 24.12.2008 zu: Gabriele Moos, André Peters: BWL für soziale Berufe. UTB (Stuttgart) 2008. ISBN 978-3-8252-3120-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6832.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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