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Guido Fischermanns: Praxishandbuch Prozessmanagement

Cover Guido Fischermanns: Praxishandbuch Prozessmanagement. Dr. Götz Schmidt Verlag (Wettenberg) 2008. 7., überarbeitete Auflage. 511 Seiten. ISBN 978-3-921313-73-2. 32,00 EUR, CH: 54,00 sFr.

Ibo-Schriftenreihe - Band 9.
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Autor

Guido Fischermanns studierte Betriebswirtschaftslehre an der RWTH Aachen. Er ist langjähriger Trainer und Berater sowie seit 2000 Geschäftsführer und Gesellschafter der ibo Beratung und Training GesmbH. Seit 2004 ist er Lehrbeauftragter für Prozess- und Projektmanagement der Universität Gießen und darüber hinaus im Beirat der Gesellschaft Führung und Organisation. Für letztere koordinioert er die regionalen Expertenkreise.

Thema und Ziel

Was kommt nach dem Sparen? Ein Thema, das spätestens mit der Finanzkrise wieder neu gestellt wird. Neue Produktivitätspotentiale werden auch in der Sozialwirtschaft gesucht werden (müssen), um Leistungen weiter aufrecht erhalten zu können und den Budgetaufwand in Grenzen zu halten. Die "unsichtbare" Organisation kommt nun nach dem Controlling, der Kundenorientierung und dem Qualitätsmanagement in das Blickfeld der Führungskräfte. Prozessmanagement ist grundsätzlich ein "alter Hut" im Produktionsbereich. Es hat schon vor mehr als 30 Jahren bei Toyota begonnen und findet nun auch zunehmend Niederschlag im Bereich der Sozialwirtschaft und der Öffentlichen Verwaltung. In die Prozessorganisation integriert stellt der Autor in diesem Buch auch ein Prozessmanagement vor, das auch auf die nachhaltige Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements ("Reifegrad-Modelle") eingeht.

Inhalt

Der Autor stellt im vorliegenden Buch das Thema Prozessmanagement an Hand des "ibo-Prozessfensters" dar und berücksichtigt dabei sowohl das Business Reengeneering als auch die Prozesse der kontinuierlichen Verbesserung. Alle Prozesse sollen im Sinne des Change Managements sowohl strategisch ausgerichtet als auch einzeln nach den Kriterien des Business Process Reengeneerings gestaltet und einer kontinuierlichen Verbesserung unterworfen sein. Im laufenden Prozess bedarf es der ständigen Verbesserung des Prozesses als auch einem Prozess- und Qualitätsmanagement.

Im Einführungskapitel wird den Paradigmenwechsel "structure follows process" eingegangen, wobei die Wertschöpfung des Prozesses und seine Ausrichtung auf den Kunden einen zentralen Stellenwert einnehmen. Im Kapitel zur strategischen Prozessorganisation steht das Instrument der Prozesslandkarte im Mittelpunkt. Mehrere Beispiele sollten das Umlegen auf den eigenen Betrieb erleichtern. Die projektorientierte Vorgangsweise anknüpfend bei der Wettbewerbs- und Marktanalyse führt in der Folge zur Verknüpfung mit dem Unternehmensmodell, das eine Betrachtung in mehreren Abstraktionsebenen unterstützt. Jedem Prozess liegt eine Vision zugrunde, der eine grobe Prozessmodellierung und –priorisierung folgt. Vom Ganzen zum Detail geht es anschließend um die Gestaltung eines einzelnen Prozesse an Hand der Struktur des Prozess-Zyklus: Erhebung und Modellierung eines Prozesses, Prozesswürdigung mit Checkliste zur Überprüfung auf zu lange, zu teure und zu fehlerhafte Anteile im Prozessdurchlauf, dem neuen Prozessdesign und einer Prozessbewertung zum Abschluss. Das Thema "Prozesskostenrechnung" ist dabei recht Anschaulich und praktisch eingearbeitet. Dies auch vor dem praktischen Hintergrund, dass rasch die Frage gestellt wird: "Bringt der neue Prozess überhaupt etwas?". Konsequenterweise folgt dem "Reengeneering" die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse, wobei hier wiederum mehrere Möglichkeiten beginnend bei Kennzahlen bis hin zu Kaizen und Six Sigma ausreichend dargestellt werden. Ziel ist das Management von stabilen Prozessen, das durch ein Prozessmanagement sichergestellt werden soll, das die Prozesse wiederkehrend auf den Prüfstand (= Assessment) stellt. Besonders interessant für den Sozialbereich ist die Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements durch sog. "Maturity-Modelle" CMMI, Spice), die leider noch weitgehend auf die Autoindsutrie und den IT-Bereich beschränkt sind. Trotzdem stellen diese Modelle eine prozessorientierte Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements à la ISO und EFQM dar. Vier ausführliche Beispiele am Ende des Buches zur Einführung einer Gesamtbanklösung, einem Prozesshandbuch, einem Beispiel zur Prozessoptimierung und zu einem Projekt in Richtung E-Business bilden den anschaulichen Abschluss des Werkes.

Fazit

Insgesamt ist das Buch gut lesbar. Der Autor geht das Thema recht pragmatisch und handfest an und kann auch als Ausgangspunkt für den Einstieg in das Prozessmanagement im eigenen Arbeitsbereich benutzt werden, zumal viele Grafiken das Thema visuell veranschaulichen. Jedenfalls bietet das Buch auch für interessierte Führungskräfte eine gute Unterstützung bei der Einführung von Prozessmanagement an. Speziell der Einstieg über die Prozesslandkarte eignet sich in der Praxis für eine schrittweise, an der vorhandenen Veränderungsenergie orientierten Einführung von Prozessmanagement in einem Unternehmen. Die drei Erfolgsfaktoren der Prozessorganisation IT, Zusammenarbeit und initiative Führungskräfte werden in der pragmatischen Vorgangsweise vielleicht im Umfang der Berücksichtigung etwas zu wenig in den Mittelpunkt gestellt. Wohl aber nimmt der Autor Rücksicht auf ein der Prozessorganisation adäquates Qualitätsmanagement, das allerdings noch auf die Bedarfe der Sozialwirtschaft anzupassen ist. Spannend dabei der Gedanke, den realen Prozess an einem "Idealmodell" zu messen.


Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 23.12.2008 zu: Guido Fischermanns: Praxishandbuch Prozessmanagement. Dr. Götz Schmidt Verlag (Wettenberg) 2008. 7., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-921313-73-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6840.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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