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Volker Penter, Wolfgang Kohler: IFRS für Krankenhausunternehmen

Cover Volker Penter, Wolfgang Kohler: IFRS für Krankenhausunternehmen. Die Anwendung der International Financial Reporting Standards. Baumann Fachverlag (Kulmbach) 2005. 156 Seiten. ISBN 978-3-938610-24-4. 19,80 EUR.

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Thema

Die International Financial Reporting Standards (IFRS) als international anerkannte Rechnungslegungsstandards gewinnen weltweit zunehmend an Bedeutung. Viele europäische und somit auch deutsche Unternehmen, bilanzieren bereits nach den Regeln der IFRS-Standards. Auf Grund dieses Trends, aber auch durch eine zunehmende Kapitalmarktfinanzierung und dem Zwang zu einem modernen Krankenhausmanagement, wird es unabdingbar, dass auch Krankhäuser ihre Bilanzen nach IFRS erstellen.

"IFRS für Krankenhausunternehmen" unterstützt den Krankenhausmanager beim Einstieg in die Welt der IFRS. Schwerpunkt sind neben einer kurzen, überblicksartigen Darstellung der wichtigsten allgemeinen Regelungen der IFRS die detaillierte Erläuterung krankenhausspezifischer Fragestellungen wie die Bewertung des fördermittelfinanzierten Anlagevermögens, die Bildung von Sonderposten, die Leasingfinanzierung oder die Bewertung von sog. "Überliegern".

Autoren

Prof. Dr. Volker Penter ist Dipl.-Ingenieurökonom, Wirtschaftprüfer und Steuerberater. Als Manager und Partner ist er bei KPMG im Bereich Prüfung tätig. Daneben lehrt er als Honorarprofessor für internationale Rechnungslegung an der Technischen Universität Dresden.

Dipl.-Volkswirt Wolfgang Kohler ist Partner der KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft und Mitglied des Krankenhausfachausschusses im Institut der Wirtschaftsprüfer. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich Jahresabschlussprüfung, betriebswirtschaftliche Analysen und Auswertungen, Due-Diligence-Prüfungen und Transaktionsberatungen.

Aufbau und Inhalt

Der Leser des Buches wird mit Hilfe einer klar strukturierten Gliederung durch die Thematik der IFRS-Rechnungslegung geführt. Das Buch ist in zehn Kapitel unterteilt, deren Inhalte im Folgenden kurz zusammengefasst wiedergegeben wird. Zum Verständnis des recht umfangreichen und komplexen Stoffes wird dem Leser der Inhalt des Buches durch eine Vielzahl von übersichtlichen Abbildungen nahegebracht.

  • Das erste Kapitel befasst sich im Wesentlichen mit der grundlegenden Problematik der Rechnungslegung nach IFRS und vermittelt dem Leser einen ersten Einblick in dieses umfassende Gebiet. Die Bedeutung der IFRS für Krankenhäuser ergibt sich einmal aus der Internationalisierung des Krankenhausmarktes, dem Auftreten börsennotierter Aktiengesellschaften als Krankenhausträger, der zunehmenden Bedeutung privater Finanzierungsquellen und dem generellen Trend hin zu modernem Krankenhausmanagement. Darüber hinaus werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Regelungen erläutert. Zudem erhält der Leser einen Überblick über Institutionen und Einrichtungen der IFRS.
  • Im zweiten Kapitel werden zunächst grundlegende Begrifflichkeiten geklärt und das Rahmenkonzept der IFRS dargestellt. Darauf aufbauend werden einzelne Standards kurz diskutiert und deren genereller Aufbau vorgestellt. Neben einer generellen Übersicht über diverse Rechnungslegungsstandards der IFRS zeigen die Autoren auch Besonderheiten spezieller Krankenhausfinanzierungs- und Rechnungslegungsvorschriften auf.
  • Das dritte Kapitel stellt die Ansatz- und Bewertungsmethoden relevanter Bilanzposten dar. Insbesondere werden die immateriellen Vermögenswerte, Sachanlagen, Vorräte, Forderungen, Ausgleichsposten aus Eigenmittel- und Darlehensförderung, Eigenkapital, Zuwendungen der öffentlichen Hand, Rückstellungen sowie Verbindlichkeiten näher erläutert.
  • Das vierte Kapitel diskutiert die Erstellung der Gewinn- und Verlustrechnung und die Berechnung des Ergebnisses je Aktie.
  • Das fünfte und sechste Kapitel erläutert die Vorgehensweise der Kapitalfluss- und Eigenkapitalveränderungsrechnung.
  • Die allgemeinen Regelungen zur Segmentberichterstattung und dessen krankenhausspezifische Ausprägungen charakterisieren Penter und Kohler im siebten Kapitel.
  • Besondere Finanzierungsformen für Medizintechnik, wie die Leasingfinanzierung und die Geräteüberlassung gegen Abnahmeverpflichtungen werden im achten Kapitel veranschaulicht.
  • Das neunte Kapitel gibt einen groben Überblick über die Regelungen der Konzernbilanzierung und das spezielle Vorgehen vor dem Hintergrund der klinischen Praxis.
  • Im letzten Kapitel werden die Schritte der Umstellung der HGB-Rechnungslegung auf die IFRS kurz dargestellt und der Leser erhält eine Übersicht über relevante Regelungen.

Diskussion

Wie der Titel des Buches schon erahnen lässt, ist die Zielgruppe dieser Veröffentlichung in der Bilanzierungspraxis zu finden. Das Buch unterstützt den Krankenhausmanager bei dem Einstieg in die umfangreiche Thematik. Aber auch für bereits nach IFRS bilanzierende Unternehmen handelt es sich durchaus um eine bereichernde Lektüre. Jedoch sei angemerkt, dass es bei tiefergehenden Problemstellungen weiterer Recherchen bedarf.

Aufgrund des allgemein gehaltenen Aufbaus besitzt das Buch einen hohen Grad an Aktualität und ist remanent gegenüber andauernden Veränderungen der IFRS-Standards.

Besonders positiv hervorzuheben ist die übersichtliche Gliederung der einzelnen Abschnitte. Deutlich macht dies die Gliederung des dritten Kapitels, dessen Aufbau sich am deutschen HGB orientiert. Für Leser, die mit dem HGB vertraut sind, wird somit die Einordnung der Themengebiete vereinfacht.

Hervorzuheben ist ein separates Kapitel, welches sich mit der Rechnungslegungsumstellung von HGB auf IFRS beschäftigt. Es handelt sich bei diesem Buch um eine erste, knapp 150 seitige Darstellung der wesentlichen Aspekte der internationalen Rechnungslegung für Krankenhäuser. Kritisch anzumerken ist jedoch der geringe Umfang des für den interessierten Leser sicherlich sehr bedeutenden Themas. Es wäre daher zu wünschen, dass aus der Bilanzierungspraxis und der sie begleitenden Berufsstände weitere Ausführungen zur IFRS-Rechnungslegung folgen würden. Dies wird sich spätestens dann ergeben, wenn eine größere Zahl von Krankenhausträgern zur internationalen Rechnungslegung übergegangen sein werden.

Penter und Kohler wagen dazu im 1. Kapitel eine Prognose: "Insgesamt ist davon auszugehen, dass die IFRS schneller als derzeit teilweise noch angenommen nicht nur in Krankenhäusern in privater Trägerschaft Einzug halten werden. Das folgende zeitliche Szenario ist denkbar: 2007 – Ein großer Teil der Krankenhäuser in privater Trägerschaft hat die IFRS eingeführt: erste "Nichtprivate" führen die IFRS ein. 2010 – Ein großer Teil der Krankenhausunternehmen bilanziert nach den IFRS." (Zitat S. 11). Ob sich diese schnelle Umsetzung tatsächlich zeigen wird, ist nach Auffassung des Rezensenten eher unwahrscheinlich. Wenn auch die aktuelle Reformdebatte im Zusammenhang mit der Verabschiedung des sog. BilMoG eindeutig auf Tendenzen zur Internationalisierung des Rechnungswesens auch von Sozialunternehmen hinweist.

Fazit

Als Einführung in die IFRS-Rechnungslegung sind die Ausführungen von Penter und Kohler gut geeignet, um das komplexe Thema zu verstehen. Durch die breit gefächerte Darstellung der IFRS Rechnungslegungsstandards bleibt das ein oder andere Detail auf der Strecke, was zu vernachlässigen ist.

Die Anlage von EUR 19,80 ist für den Einsteiger eine rentable Investition, die sich im Zeitverlauf amortisieren dürfte.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 23.12.2008 zu: Volker Penter, Wolfgang Kohler: IFRS für Krankenhausunternehmen. Die Anwendung der International Financial Reporting Standards. Baumann Fachverlag (Kulmbach) 2005. ISBN 978-3-938610-24-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6858.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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