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Regina Steil, Rita Rosner: Posttraumatische Belastungsstörung

Cover Regina Steil, Rita Rosner: Posttraumatische Belastungsstörung. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2009. 140 Seiten. ISBN 978-3-8017-1818-3. 22,95 EUR, CH: 38,90 sFr.

Reihe: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie - Band 12.
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Autorinnen

  • Dr. Regina Steil, geb. 1965. 1986-1991 Studium der Germanistik und Psychologie in Marburg. 1996 Promotion. Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Dozentin in der Weiterbildung von Ärzten und Psychologen im Bereich Verhaltenstherapie. 1996-2003 Hochschulassistentin an der Universität Jena. 2004-2008 Leitende Psychologin an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin des Zentralinstitutes für Seelische Gesundheit in Mannheim, Leitung der Behandlungseinheit Posttraumatische Belastungsstörung. Seit Juni 2008 wissenschaftliche Geschäftsführung der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Universität Frankfurt.
  • Prof. Dr. Rita Rosner, geb. 1962. 1983-1989 Studium der Psychologie in München. 1991-1992 Forschungsstipendium an der University of California at Santa Barbara. 1996 Promotion. 2003 Habilitation. Approbierte Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Dozentin in der Weiterbildung von Psychologen und Ärzten. Seit 2003 Vertretung der Professur für Psychologische Beratung und Intervention an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte: Psychotraumatologie unter besonderer Berücksichtigung von interkulturellen Aspekten sowie Komplizierte Trauer.

Thema und Entstehungshintergrund

Die Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen wird häufig immer noch im Rahmen klassisch psychoanalytischer Störungsmodelle eingeordnet. Dass die Verhaltenstherapie, konkret die kognitiv-behaviorale Verhaltenstherapie, jedoch die am besten abgesicherten Therapieerfolge aufzuweisen hat, wird häufig übersehen. Wie auch bei Erwachsenen lassen sich im Bereich der Kinder- und Jugendlichentherapie viele Verhaltensauffälligkeiten durch Anpassungsstörungen oder eine PTB(S) erklären und behandeln. Ein differenzierter Leitfaden in der bewährten verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Reihe Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie war daher überfällig.

Aufbau und Inhalt

Aufbau und Inhalt entsprechen den anderen Bändern der Reihe: Einer kurzen Einführung folgen fünf Kapitel.

1. Stand der Forschung. Hier werden die Symptomatik und die Klassifikation nach ICD-10 und DSM-IV (inkl. Ausblick), komorbide Erkrankungen, die Ätiologie, mögliche Verlaufsformen und therapeutisches Vorgehen beschrieben.

2. Leitlinien. Es folgen die Leitlinien zu Diagnostik und Verlaufskontrolle, Behandlungsindikation und Therapie:

  • L1: Exploration des Patienten, der Eltern und anderer Personen
  • L2: Klärung der Diagnose(n) und der Differenzialdiagnose
  • L3: Standardisierte Maße zur Erfassung des Schweregrades der PTB-Symptomatik
  • L4: Information über das Ergebnis der Diagnostik für Kind und Eltern und Therapieempfehlung
  • L5: Verlaufskontrolle und Qualitätssicherung
  • L6: Indikation/Kontraindikation
  • L7: Wahl der Therapiemodalität
  • L8: Behandlungsplanung
  • L9: Behandlungsstruktur
  • L10: Behandlungsziele und Behandlungsvertrag
  • L11: Gesprächsführung und Aufbau einer guten therapeutischen Beziehung zu Kind und Eltern
  • L12: Psychoedukation und Entwicklung eines idiosynkratischen Störungsmodells
  • L13: Durchführung des Trainings in Emotionsmodulation
  • L14: Durchführung der kognitiven Interventionselemente
  • L15: Durchführung der Expositionselemente
  • L16: Durchführung des Elterntrainings
  • L17: Pharmakologische Therapie

3. Verfahren zur Diagnostik und Therapie. Im dritten Kapitel werden die wichtigsten Verfahren zur Diagnostik und Therapie kurz und prägnant beschrieben.

4. Materialien. Dieses Kapitel enthält sieben Materialien zur Diagnostik und Verlaufkontrolle sowie zur Behandlung. Es soll die Umsetzung der Leitlinien in die konkrete klinische Praxis erleichtern. Wie bei allen Bänden dieser Reihe sind die Materialien nützlich, jedoch „nur“ als Kopiervorlage vorhanden. Ein PDF-Dokument wäre hier nützlicher. Sollte eine beiliegende CD-Rom den finanziellen Rahmen der Reihe sprengen, so wäre die (evtl. für Abonnenten der Reihe passwortgeschützte) Hinterlegung auf einer Internetseite eine elegante Lösung.

5. Fallbeispiel. Abgerundet wird der Band durch ein Fallbeispiel sowie umfassende Literaturangaben im Anhang.

Diskussion

Wie alle Bände der Reihe besticht auch dieses Buch durch seine Aktualität, Übersichtlichkeit und Praxisrelevanz. Ebenfalls anschaulich ist das ausführliche Fallbeispiel, welches das Vorgehen verdeutlicht. Im Vergleich zu anderen Bänden der Reihe sind die Autorinnen nicht Verfasserinnen der offiziellen AWMF-Leitlinie (Dt.Ges.f. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007). Dies gilt jedoch für einen der Herausgeber, Herrn Prof. Dr. Gerd Lehmkuhl. Auch in diesem Band werben die Autorinnen für ein von Ihnen entwickeltes Diagnoseinstrument: Die IBS-KJ (Steil & Füchsel 2006), ein Interviewleitfaden, der angelehnt an die NICE Guidelines (2005) entwickelt wurde. Dieser Leitfaden taucht in der AWMF-Leitlinie jedoch nicht auf. Unabhängig von der Qualität des Instruments habe ich an anderer Stelle dieses Vorgehen bereits kritisch kommentiert (vgl. die Rezension zu Poustka et al. 2009 ), so dass ich mich an dieser Stelle lieber auf die hervorragenden Qualitäten dieses Buches und der gesamten Reihe konzentrieren möchte.

Zielgruppe und Fazit

Wie alle Bücher aus der Reihe richtet sich der Band an Praktiker. Gemeint sind vor allem Kinder- und Jugendpsychiater, Kinderärzte, Klinische Psychologen und Psychotherapeuten. Für Sie ist es eine Pflichtlektüre. Allgemeine basisdiagnostische Verfahren werden genau so prägnant und übersichtlich im „Leitfaden zur Diagnostik psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter“ (Döpfner & Petermann 2008 Rezension) vorgestellt. Für andere Interessierte (z.B. Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter, Eltern) bietet sich eher der noch zu veröffentlichende „Ratgeber Posttraumatische Belastungsstörung“ (Rosner & Steil 2009) an. In dieser Kombination sind die Veröffentlichungen in dieser Reihe unschlagbar. Zwei weitere Literaturempfehlungen seien exemplarisch denjenigen, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, ans Herz gelegt:

  1. Die Narben der Gewalt von Judith Hermann (2006), „die Bibel“ der Traumatherapie, sowohl inhaltlich als auch literarisch ein Manifest.
  2. Imagination als heilsame Kraft von Luise Reddemann (2008), bietet viel Praktisches zur Stabilisation. Diese wichtigste Phase der Traumatherapie kommt in vielen Büchern leider zu kurz.

Viele andere Bücher wären ebenso zu empfehlen. Zur Reihe Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie sei abschließendfolgendes erwähnt: „Meine“ bislang drei zu rezensierenden Bände aus der Reihe haben mich so überzeugt, dass ich mich entschlossen habe, diese zu abonnieren.


Rezensent
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 24.02.2009 zu: Regina Steil, Rita Rosner: Posttraumatische Belastungsstörung. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2009. ISBN 978-3-8017-1818-3. Reihe: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie - Band 12. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6937.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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