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Peter Neher, Ingeborg Feige u.a.: Lorenz Werthmann (Biografie)

Cover Peter Neher, Ingeborg Feige, Andreas C. Wollasch, Hans-Josef Wollasch: Lorenz Werthmann. Caritas-Macher und Visionär. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2008. 92 Seiten. ISBN 978-3-7841-1853-6. 9,90 EUR, CH: 18,80 sFr.

Reihe: Basics für Sozialprofis. Neue Caritas + Lambertus.
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Thema

2008 ist das Jahr der runden Geburtstage für die Pioniere der sozialen Arbeit. Johann Heinrich Wichern, der vor 200 Jahren geboren wurde, widmete die Deutsche Post eine Briefmarke. Vor 150 Jahren erblickte im Rheingau Lorenz Werthmann das Licht der Welt. Das schmale Buch über den "Caritasmacher" ist eine Zusammenstellung mehrerer Beiträge, zum Teil neu verfasst, zum Teil bereits publiziert. Im Gegensatz zur Biografie von Wichern (Berlin 2008, vgl. die Rezension), die aus einem Guss geschrieben wurde, gibt es in diesem Buch einerseits einige vermeidbare thematische Überlappungen. Andererseits hätten bestimmte Aspekte aus Werthmanns Leben und dem katholischen Umfeld der damaligen Hilfeorganisationen einen tieferen Einblick verdient.

Aufbau und Inhalt

Prälat Dr. Peter Neher, der Präsident des deutschen Caritasverbandes, eröffnet den Band mit einer Caritasgeschichte von Werthmann bis heute. Natürlich leisteten auch zu Lebzeiten Werthmanns kirchliche Einrichtungen soziale Arbeit: u. a. die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, Vinzenz- und Elisabethenvereine. Werthmann wollte sie alle unter einem Dach versammeln und so die Wirkkraft des caritativen Handelns steigern. Nach dem Vorbild von Wicherns Innerer Mission sollten die caritativen Bemühungen zentralisiert, strukturiert, organisiert und damit planbarer gemacht werden. Darüber hinaus, und das scheint eines der großen Verdienste von Werthmann gewesen zu sein, hatte er durch seinen Leitspruch "Organisieren, Studieren, Publizieren" der Wissenschaft und der Öffentlichkeitsarbeit das Tor geöffnet. Eine Verbandszeitschrift - "Charitas", später "Caritas" - und ein Verlag sollten nicht nur wissenschaftliches Organ sein, sondern auch zur Identität des Verbandes beitragen. Herzensbildung und fachliche Bildung sollten verbunden werden. Die Impulse Werthmanns führten nicht zuletzt zur professionellen Ausbildung in sozialen Berufen, zu (katholischen) Fachhochschulen, zu Aus- und Weiterbildung innerhalb der Caritas und zu caritaswissenschaftlichen Studiengängen an Universitäten. Die Macht der großen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie und ihre Distanz zum Staat nahm hier ihren Anfang.

Durch die Beiträge von Andreas und Hans-Josef Wollasch soll der Mensch Lorenz Werthmann dem Leser näher gebracht werden. Ehrgeizig war er, impulsiv, sicherlich auch tatkräftig und ungeduldig, oft auch cholerisch. Es verwundert kaum, dass ein solch tatkräftiger Mensch keine Zeit zum Schreiben fand. Seine Caritas wurde von den deutschen Bischöfen erst nach dem ersten Weltkrieg (1919) anerkannt, also 22 Jahre nach der Gründung 1897. Sehr bald gibt es Vorlieben: Werthmann liegen die Hilfen für Familien am Herzen. Aber die soziale Not ist in allen Ecken und Enden der Gesellschaft vorhanden, so dass sich die Caritas hier überall engagiert. Auch am Herzen lagen Werthmann die italienischen Saisonarbeiter. Da ist offensichtlich von seinem Studium in Rom eine Liebe zu Italien geblieben. Im Gegensatz zur Inneren Mission, die sehr schnell zentral ausgerichtet war, musste Werthmann einen harten Kampf mit den einzelnen Fachverbänden ausfechten. So recht wollte die Zentralisierung nicht gelingen. Natürlich sollte neben der Sozialarbeit die Volksmission nicht vergessen werden: Seelenpflege sei die Seele der Armenpflege, so Werthmann. Ausgehend von Freiburg erfasste Werthmanns Idee sukzessive die weiteren Diözesen. 1922 besaßen alle deutschen Diözesen ihren Caritasverband.

In einem weiteren Artikel beschreibt Hans-Josef Wollasch die Tradition der Ausbildung beim Deutschen Caritasverband in Freiburg. Natürlich war Ausbildung ein Herzensanliegen Lorenz Werthmanns, aber dieser Beitrag führt dann doch etwas weiter weg vom Begründer des Deutschen Caritasverbandes. Letztlich gilt dies auch für den Beitrag von Ingeborg Feige, der sich dem Werdegang der Caritas- Bibliothek widmet. Vielleicht ist beachtenswert, dass diese Bibliothek schon in frühen Jahren einen Schwerpunkt zur Literatur über das Deutschtum im Ausland bildete.

Auch der letzte Aufsatz dieses Buches widmet sich einem besonderen Thema. Andraes Wollasch stellt die Verlagsgeschichte dar: "Von der Charitasdruckerei zum Lambertus-Verlag."

Fazit

Natürlich ist es lobenswert und wichtig, dass der Lambertus-Verlag einen schmalen Band zu Lorenz Werthmann herausgibt. Andererseits hätte eine größere Konzentration auf diesen Pionier, seine Zeit und die weiteren sozialarbeiterischen Bemühungen des katholischen Lagers dem Buch gut getan – am besten alles aus der Feder eines Experten, zusammen mit einem anregenden journalistischen Schreibstil. So hat es der Wichern-Verlag mit seinen Publikationen zu Johann Heinrich Wichern (vgl. die Rezension) und Albert Schweitzer vorgemacht.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Michl
Homepage www.wernermichl.de
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Zitiervorschlag
Werner Michl. Rezension vom 14.12.2008 zu: Peter Neher, Ingeborg Feige, Andreas C. Wollasch, Hans-Josef Wollasch: Lorenz Werthmann. Caritas-Macher und Visionär. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2008. ISBN 978-3-7841-1853-6. Reihe: Basics für Sozialprofis. Neue Caritas + Lambertus. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6959.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


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