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Fritz Poustka , Sven Bölte u.a.: Autistische Störungen

Cover Fritz Poustka , Sven Bölte, Sabine Feineis-Matthews, Gabriele Schmötzer: Autistische Störungen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2008. 2., aktualisierte Auflage. 183 Seiten. ISBN 978-3-8017-2176-3. 22,95 EUR, CH: 39,80 sFr.

Reihe: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie - Band 5.
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Autoren

  • Prof. Dr. med. Fritz Poustka, geb. 1941. Seit 1985 Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum Frankfurt am Main.
  • Dr. rer. med., Dipl.-Psych. Sven Bölte, geb. 1968. Seit 1997 Klinischer Neuropsychologe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum Frankfurt am Main.
  • Dipl.-Psych. Sabine Feineis-Matthews, geb. 1970. Seit 1998 Wissenschaftliche Angestellte und Klinische Psychologin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum Frankfurt am Main.
  • Dr. med. Gabriele Schmötzer, geb. 1944. Seit 1986 Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum Frankfurt am Main.

Thema und Entstehungshintergrund

Die Reihe Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie bietet den klinisch Tätigen neben einem allgemeinen Leitfaden zur Diagnostik psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter (Döpfner & Petermann 2008, vgl. die Rezension) vor allem Bände, die hinsichtlich ausgewählter Störungsbilder die allgemein akzeptierten Standards in der Diagnostik und Therapie vermitteln. Im vorliegenden Band wird eine schwerwiegenden Diagnose abgehandelt: Autistische Störungen, vor allem aus Film und Fernsehen bekannt (z.B. „Rainman“), gehören zu den schwersten psychischen Störungen des Kindesalters. Die Beeinträchtigung persistiert auch im Jugend- und Erwachsenenalter. Da die Prognose vor allem von Frühförderung mit nachfolgender multimodaler lebensbegleitender Unterstützung der Betroffenen von entscheidender Bedeutung ist, sollten mit diesem Störungsbild konfrontierte Kollegen und Kolleginnen gut mit diesen Leitlinien vertraut sein.

Aufbau und Inhalt

Aufbau und Inhalt folgen dem bewährten Muster der Reihe: In der Einführung wird zunächst dargestellt, was Autismus ist und was nicht. Anschließend folgt ein kurzer historischer Überblick über die Beiträge von Kanner, Asperger, Heller und Rett.

Im zweiten Kapitel wird der aktuelle Stand der Forschung beschrieben. Hier werden zunächst die Symptomatik und die Klassifikation nach ICD-10 und DSM-IV (inkl. Ausblick) beschrieben. Komorbide Erkrankungen, die Ätiologie, mögliche Verlaufsformen und therapeutisches Vorgehen (Autismus ist nicht heilbar, im Verlauf jedoch zu beeinflussen!) folgen.

Anschließend folgen die Leitlinien (L1-L18):

  • L1: Früherkennung
  • L2: Exploration und Befragung der Bezugspersonen
  • L3: Verhaltensbeobachtung und/oder Exploration des Patienten und Verhaltensanalyse
  • L4: Testpsychologische Untersuchung
  • L5: Körperliche und neurologische Untersuchung
  • L6: Multiaxiale Klassifikation
  • L7: Verlaufskontrolle
  • L8: Indikationen für ambulante, teilstationäre und stationäre Therapie
  • L9: Eltern- und Familienberatung/Selbsthilfe
  • L10: Eltern- und Erziehertraining
  • L11: Verhaltenstherapie und Frühförderung
  • L12: Sprachanbahnung
  • L13: Training sozialer Fertigkeiten
  • L14: Ergänzende Maßnahmen
  • L15: Alltagsstrukturierung, Wohnen Zuhause, externe Betreuung
  • L16: Kindergarten, Beschulung, Hilfe bei der Arbeitssuche
  • L17: Krisenintervention
  • L18: Medikamentöse Intervention

Im vierten Kapitel werden die wichtigsten Verfahren zur Diagnostik und Therapie kurz und prägnant beschrieben.

Das fünfte Kapitel enthält 9 Materialien zur Diagnostik, welche die Umsetzung der Leitlinien in die konkrete klinische Praxis erleichtern.

Abgerundet wird der Band durch ein Fallbeispiel sowie umfassende Angabe von Literatur.

Diskussion

Wie alle Bände der Reihe besticht auch dieser Band durch seine Aktualität, Übersichtlichkeit und Praxisrelevanz. Ebenfalls anschaulich ist das ausführliche Fallbeispiel, welches das Vorgehen verdeutlicht. Als Autoren wurden „die Besten“ gewonnen: Drei von Vier der Autoren sind federführende Bearbeiter der offiziellen Leitlinie AWMF (Dt.Ges.f. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007). Folglich ist an dem Buch fachlich nichts auszusetzen. Einziger minimaler Einwand: Andere, nicht leitliniengerechte, jedoch verbreitete Verfahren, werden nicht erwähnt. Weder kritisch, noch ergänzend. Als Beispiel wären hier z.B. die MBAS-Skalen von Kamp-Becker und Remschmidt (2005) oder sämtliche bei Steinhausen (2006, vgl. die Rezension) vorgestellten Fragebögen (ASDI, AUTU, BSFA, CESA, CHAT, EEFA & KCFA) zum Screening und zur Diagnostik zu nennen. Dies würde im Rahmen einer kurz gehaltenen Leitlinie eventuell den Rahmen sprengen. Angesichts der Tatsache, dass fast sämtliche vorgestellten Instrumente jedoch durch die Autoren des Leitfadens erstellt wurden, drängt sich eine Ahnung auf: Hier „verkauft“ jemand seine eigenen Produkte im Rahmen selbst erstellter Leitlinien. Vielleicht sind die vorgestellten Methoden eventuell auch einfach die besten. Wie dem auch sei, auch in anderen Bänden der gesamten Reihe wird auf die direkte „Konkurrenz“ wenig bis kein Bezug genommen. Dies fällt schon auf.

Zielgruppe und Fazit

Wie alle Bücher aus der Reihe richtet sich der Band an Praktiker. Gemeint sind vor allem Kinder- und Jugendpsychiater, Kinderärzte, Klinische Psychologen und Psychotherapeuten. Für sie ist es eine Pflichtlektüre. Allgemeine basisdiagnostische Verfahren werden genau so prägnant und übersichtlich im Leitfaden zur Diagnostik psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter (Döpfner & Petermann 2008, vgl. die Rezension) vorgestellt. Für andere Interessierte (z.B. Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter, Eltern) bietet sich eher der parallel veröffentlichte der Ratgeber Autistische Störungen (Poustka, Bölte, Feineis-Matthews & Schmötzer 2008) an. In dieser Kombination erfährt man (fast) alles über die Palette autistischer Störungen, was man heutzutage wissen kann und muss.


Rezension von
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 22.01.2009 zu: Fritz Poustka , Sven Bölte, Sabine Feineis-Matthews, Gabriele Schmötzer: Autistische Störungen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2008. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-8017-2176-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7002.php, Datum des Zugriffs 18.02.2020.


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