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Hannes Krall, Erika Mikula et al. (Hrsg.): Supervision und Coaching. [...] im Sozial- und Bildungsbereich

Rezensiert von Dr. Birgit Szczyrba, 24.06.2009

Cover Hannes Krall, Erika Mikula et al. (Hrsg.): Supervision und Coaching. [...] im Sozial- und Bildungsbereich ISBN 978-3-531-15298-1

Hannes Krall, Erika Mikula, Wolfgang W. Jansche (Hrsg.): Supervision und Coaching. Praxisforschung und Beratung im Sozial- und Bildungsbereich. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2008. 286 Seiten. ISBN 978-3-531-15298-1. 34,90 EUR.

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Thema

Supervision und Coaching als Praxisforschung: Diese Perspektive verfolgt der Band von Krall/Mikula/Jansche, indem die Arbeit der SupervisorInnen und Coaches mit ihren Adressaten als Wissen schaffendes Instrumentarium beschrieben wird. Situationsbeschreibungen, Veränderungsoptionen und Handlungsstrategien verbessern so die Qualität der Arbeit der Adressaten mit ihren Adressaten. Systematische Innenansichten von Arbeits- und Organisationszusammenhängen, die eigenwilligen Dynamiken unterliegen und in der Regel schwer zugänglich sind, werden so möglich.

Die AutorInnen dieses Bandes, WissenschaftlerInnen und BeraterInnen, arbeiten gemeinsam an der Frage, wie Wissen in und über Supervision und Coaching entsteht und wie Forschung und Beratung besser zu vernetzen sind.

Herausgeber/inne/n

Hannes Krall lehrt als a.o. Univ.-Prof. am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Mag.a Erika Mikula lehrt am Institut für Pädagogische Grundwissenschaften, Schulentwicklung und Beratung der Pädagogischen Hochschule Kärnten, Viktor Frankl Hochschule.

Der im Laufe der Entstehung des Bandes verstorbene Mag. Wolfgang Jansche lehrte am Institut für Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Pädagogik der Sekundarstufe der Pädagogischen Hochschule Kärnten. Das Buch ist ihm gewidmet.

Aufbau und Inhalte

Einleitend mit den Fragen, wie SupervisandInnen und Coachees mithilfe von Beratung zu dem Wissen gelangen, dass sie für ihre professionelle Tätigkeit brauchen, und wie SupervisorInnen und Coaches wiederum zu dem Wissen gelangen, dass sie für ihre Beratungsarbeit benötigen, stellt der Band „Supervision und Coaching“ zunächst fünf Beiträge im Abschnitt Zu welchen Erkenntnissen gelangen WissenschaftlerInnen? vor. Die AutorInnen befassen sich vorrangig mit der Frage, welchen forschenden Zugang WissenschaftlerInnen wählen, um Wissen über Supervision und Coaching zu generieren:

  1. Überlegungen zu einer „wissenschaftliche Praxeologie“, die Partizipation und Selbstaufklärung der Subjekte zum Ziel hat, entwickelt Heintel aus philosophischer und erkenntnistheoretischer Sicht.
  2. Eine Bestandsaufnahme und Metaanalyse zur Fachliteratur im Bereich Supervision und Coaching stellt Schigl zur Verfügung. Sie formuliert aus ihrer Analyse heraus Anforderungen an zukünftige Supervisionsforschung.
  3. Möller und Drexler untersuchen entlang empirischer Studien die Frage, wie Kompetenzentwicklung in der Ausbildung von BeraterInnen untersucht werden kann.
  4. Der Strukturwandel in Arbeitsorganisationen und daraus folgende Paradoxien professionellen Handelns als Supervisionsthemen sind Gegenstand des Beitrags von Hausinger.
  5. Was machen eigentlich SupervisorInnen? Diese Frage stellen Ottomeyer und Mračnika als ethnografische und gesellschaftskritische Betrachtung von Beraterrollen.

Im zweiten Abschnitt Beratungsprozesse und Erkenntnisse für die Tätigkeit der SupervisandInnen/Coachees stellen sechs Beiträge Perspektiven für die Frage zur Verfügung, mit welchen Konzepten und Verfahren SupervisorInnen und Coaches relevantes Praxiswissen für die Tätigkeit ihrer Klientel hervorbringen. Konzepte und Verfahren der beraterischen Arbeit sind:

  1. systemische Strukturaufstellung als erlernbare Sprache (Varga von Kibéd)
  2. die Bühne als soziale Lernarchitektur mit theoretischen Bezügen zur Theaterarbeit (Worsch)
  3. ein tiefenhermeneutisches, rekonstruierendes Verfahren des Verstehens (Münch)
  4. ein systemisch-dialogischer Ansatz für Führungskräfte in Schulleitungen (Beucke-Galm)
  5. der Einsatz von Collagen in der Arbeit im Jugendheim (Knapp)
  6. ein Beispiel systemischer Supervision mit narrativen und szenischen Arbeitsformen (Schwarz und Krall)

Fünf weitere Beiträge unter der Überschrift Wie gelangen BeraterInnen zu Erkenntnissen über ihre Tätigkeit? widmen sich den eigenen Forschungen der BeraterInnen sowohl zur Entwicklung und Evaluation von Ausbildungskonzepten als auch zu inhaltlichen und methodischen Fragestellungen:

  1. Institutionalisierung von Supervision und Coaching im Schulbereich (Mikula)
  2. Kompetenzentwicklung in der Praxisbegleitung und Supervision (Theuermann)
  3. beratungsrelevante Themen und Fragen in der Arbeit mit Selbstständigen und Ein-Person-Unternehmen (Reichel)
  4. ein Coaching-Konzept zur Überwindung von Sprach(lern)blockaden (Gombos)
  5. forschungsgestützte Analysen zu Wirkungen von Coaching in Organisationen (Liska)

Wie lassen sich Praxisforschung und Beratung verknüpfen? Mit diese Frage im vierten und letzten Abschnitt setzen sich auseinander:

  1. Buer, der für eine stärkere Verbindung von Erfahrungswissen, wissenschaftlichem Wissen und philosophischem Wissen plädiert, um Konzepte in Supervision und Coaching zu verbessern;
  2. Fatzer, der Dokumentation und Analyse von Lerngeschichten empfiehlt;
  3. Krall, der das Psychodrama als Verfahren in der Praxisberatung und Praxisforschung vorstellt und Querverbindungen zu anderen Ansätzen in der qualitativen Sozialforschung aufzeigt;
  4. Altrichter, der Möglichkeiten der Aktionsforschung als professionelle Reflexion in das Zentrum rückt.

Diskussion

Der Band „Supervision und Coaching“ ist eine Sammlung von Beiträgen, die sich systematisch und in relevante Fragenbereiche aufgegliedert mit dem Umstand befassen, dass ForscherInnen und BeraterInnen aus einander fremden Expertenkulturen kommen und sich dennoch dringend vernetzen müssen, um die Qualität und den Sinn ihrer Arbeit zu vertiefen. Wenn ForscherInnen BeraterInnen beforschen, aber die Beratung selbst nicht aus der Praxis kennen und erleben, oder wenn BeraterInnen, die selbst nicht forschen, ForscherInnen beraten … Dieses Szenario wirkt seltsam.

Das Buch beantwortet in erhellender Weise die einander „fremden“ Welten, gibt Aufschluss über erkenntnistheoretische Prämissen einer Forschung, die nicht nur über, sondern in der Praxis stattfindet, warnt davor anzunehmen, dass das Absolvieren eines Lehrgangs schon das Verkörpern einer Profession ausmache und plädiert für eine kontinuierliche Beforschung der eigenen Praxis, um hilfreich für die Klientel zu bleiben und diese wiederum in die Lage zu versetzen, für deren Klientel hilfreich zu bleiben. ForscherInnen und BeraterInnen sollten daher nicht in ihren jeweiligen Expertisefeldern Marktkämpfe aufführen, sondern sich effektiv und im Sinne einer Qualitätsentwicklung vernetzen.

Was letztendlich Qualität in Supervision und Coaching und den Folgen der Arbeit in diesen Formaten ausmacht, muss ein Gegenstand ständiger Forschung in und über die Beratungspraxis bleiben, damit diese kontinuierlich verbessert werden kann. Hierzu liefert das Buch zahlreiche Hinweise und Hintergründe.

Fazit

Das Buch empfiehlt sich für BeraterInnen im Bereich Supervision und Coaching, für WissenschaftlerInnen, die sich mit dem Gegenstand der Beratung in Forschung und Lehre befassen und auch für Studierende, die sich für eine Beratertätigkeit qualifizieren und möglichst früh die Notwendigkeit der Verbindung beider Expertisen, Beratung und Forschung, im Sinne einer systematischen Praxisforschung professionell verbinden wollen.

Rezension von
Dr. Birgit Szczyrba
Sozial-und Erziehungswissenschaftlerin, Psychodrama-Leiterin (DFP/DAGG), Leiterin der Hochschuldidaktik in der Qualitätsoffensive Exzellente Lehre der Technische Hochschule Köln, Sprecherin des Netzwerks Wissenschaftscoaching
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Es gibt 24 Rezensionen von Birgit Szczyrba.

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Zitiervorschlag
Birgit Szczyrba. Rezension vom 24.06.2009 zu: Hannes Krall, Erika Mikula, Wolfgang W. Jansche (Hrsg.): Supervision und Coaching. Praxisforschung und Beratung im Sozial- und Bildungsbereich. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2008. ISBN 978-3-531-15298-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7003.php, Datum des Zugriffs 24.07.2024.


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