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Liz Lorenz-Wallacher: Schwangerschaft, Geburt und Hypnose

Rezensiert von Dr. med. Winfried Häuser, 08.04.2003

Cover Liz Lorenz-Wallacher: Schwangerschaft, Geburt und Hypnose ISBN 978-3-89670-405-4

Liz Lorenz-Wallacher: Schwangerschaft, Geburt und Hypnose. Selbsthypnosetraining in der der modernen Geburtsvorbereitung. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2003. 192 Seiten. ISBN 978-3-89670-405-4. 19,95 EUR.

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Das Thema

Schwangerschaft und Geburt bewegen sich in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Ideologien. Die Extrempositionen sind die Propagierung der Hausgeburt mit Ablehnung jeglicher medizinisch - technischer Maßnahmen zur Vorbeugung bzw. Behandlung des Geburtsschmerzes einerseits und die programmierte Geburt per Vollnarkose und Kaiserschnitt andererseits. Insbesondere von AnhängerInnen der "natürlichen Geburt" werden psychologische Methoden der Geburtserleichterung propagiert. Die Hypnose gehört zu den ältesten Methoden der psychologischen Geburtvorbereitung und wurde noch bis zu Beginn der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts in allen Ländern Europas, insbesondere in der ehemaligen UDSSR in sogenannten Hypnotarien (Hypnosegeburtskliniken) angeboten. Mit der zunehmenden Technisierung der Geburt ist Hypnose fast völlig aus der Geburtshilfe verschwunden.

Die Autorin

Liz Lorenz Wallacher ist psychologische Psychotherapeutin. Sie ist Leiterin und Lehrtherapeutin des Milton-Erickson-Institutes für klinische Hypnose Saarbrücken. 1997 hat sie die erste internationale Fachtagung zum Thema "Gynäkologie, Geburt und Hypnose" in Saarbrücken organisiert. In Pilotprojekten hat sie Ärzte und Hebammen in Hypnose bzw. hypnotischer Gesprächsführung in der Geburtshilfe ausgebildet und Schwangere in Einzeltherapien sowie in Gruppen zur Selbsthypnose zur Geburtserleichterung angeleitet.

Zielgruppe

Das Buch gibt schwangeren Frauen und ihren Partnern viele nützliche Informationen zum Einsatz der Selbsthypnose in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Weiterhin ist es für GynäkologInnen und Hebammen geeignet, die ihr geburtshilfliches Spektrum um hypnotherapeutische Methoden erweitern wollen. Auch PsychotherapeutInnen, welche mit Hypnose arbeiten, können wertvolle Anregungen zur psychotherapeutischen Behandlung von Problemschwangerschaften und zur psychologischen Geburtsvorbereitung erhalten.

Aufbau und Inhalte

Das Buch umfasst einen theoretischen und praktischen Teil. In den Kapiteln 1,2 und 4 wird die Geschichte der Hypnose, der hypnotischen Geburtsvorbereitung und der traditionellen Geburtshilfe dargestellt. Die Autorin weist darauf hin, dass in der Schwangerschaft eine erhöhte Suggestibilität besteht und dass Hebammen schon seit Jahrhunderten hypnotische Sprachmuster benutzt haben. Die Kapitel 3, 5 und 6 widmen sich der Theorie der Hypnose und dem Stellenwert der Hypnose in der psychosomatischen Geburtshilfe. Im Praxisteil wird in den Kapiteln 11 und 12 ein Selbsthypnosetraining für die Geburt und die Wochenbettphase dargestellt. Kapitel 14 enthält wertvolle Trancegeschichten, Imaginationsübungen und Suggestionen für Selbsthypnosetrainierende bzw. HypnotherapeutInnen. In den Kapiteln 9, 13 und 15 finden sich Fallbeispiele von Hypnotherapie und Selbsthypnose in der Schwangerschaft und Geburt sowie Berichte von Schwangeren über ihre Erfahrungen mit (Selbst-)Hypnose in der Geburtsvorbereitung.

Diskussion

Auch in der gynäkologischen Literatur finden sich in jüngster Zeit kontrollierte randomisierte Studien, welche die Wirksamkeit der Hypnose in der Geburtshilfe (Reduktion von Geburtskomplikationen und Verkürzung der Krankenhausverweildauer) nachweisen. Weiterhin gibt es zahlreiche Fallberichte über die Behandlung des krankhaften Schwangerschaftserbrechens (Hyperemesis gravidarum) - dieses Thema wird in dem Buch nicht behandelt. Trotz dieser kleinen Lücken ist dem Buch eine weite Verbreitung sowohl bei Schwangeren, ihren Partnern als auch bei GeburtshelferInnen (Hebammen und GynäkologInnen) zu wünschen. Nur durch eine vermehrte Nachfrage durch Schwangere nach und vermehrte Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in hypnotischer Geburtshilfe wird sich die moderne Technik der Geburtshilfe um "sanfte" bzw. "natürliche" psychologische Methoden bereichern lassen und sich damit die Wahlmöglichkeiten der Schwangeren vergrößern. In einer hoffentlich bald notwendigen 2. Auflage des Buches sollten die aktuelle wissenschaftliche Literatur berücksichtigt und selbstkritischer die Grenzen der (Selbst-)Hypnose in der Geburtshilfe reflektiert werden. So sind z. B. ca 10% der Bevölkerung nicht ausreichend suggestibel und kaum geeignet für Hypnoseverfahren. Es ist zu hoffen, dass sich in einer 2. Auflage neben einer stringenteren Gliederung auch Adressen von Hebammen und Geburtskliniken, welche hypnotische Geburtsvorbereitung anbieten, finden.

Fazit

Es ist das Verdienst der Autorin, ein altes (=bewährtes) Verfahren der Geburtshilfe mit neuem Leben erwecken zu wollen. Sie verhilft dem Erfahrungswissen von Hebammen und Ärzten (GynäkologInnen, Hypnoseärzten) der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu neuer Bedeutung.

Rezension von
Dr. med. Winfried Häuser
Facharzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin – Spezielle Schmerztherapie
Krankenhausarzt in den Bereichen Innere Medizin, Psychosomatik und Schmerztherapie
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Es gibt 17 Rezensionen von Winfried Häuser.

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Zitiervorschlag
Winfried Häuser. Rezension vom 08.04.2003 zu: Liz Lorenz-Wallacher: Schwangerschaft, Geburt und Hypnose. Selbsthypnosetraining in der der modernen Geburtsvorbereitung. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2003. ISBN 978-3-89670-405-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/701.php, Datum des Zugriffs 30.05.2024.


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