Martina Rosenbaum, Ulrike Kroneck: Das Psychodrama
Rezensiert von Susanne Gotzen, 14.01.2009
Martina Rosenbaum, Ulrike Kroneck: Das Psychodrama. Eine praktische Orientierungshilfe!
Kreuz Verlag
(Stuttgart) 2007.
100 Seiten.
ISBN 978-3-7831-2925-0.
D: 9,95 EUR,
A: 10,30 EUR,
CH: 18,40 sFr.
Reihe: Psychotherapie konkret.
Thema
Psychodrama ist ein Verfahren der Psychotherapie und des sozialen Lernens, das von Jakob Levy Moreno (1890-1974) begründet wurde. Zentrales Merkmal des Verfahrens ist die Handlung – psychische Vorgänge werden im dramatischen Spiel dargestellt. Das Verfahren findet in Therapie und Beratung, Erwachsenenbildung und Pädagogik sowie in der betrieblichen Personalentwicklung Anwendung. Da die Handlung das zentrale Element des Psychodramas darstellt, ist die theoretische Beschäftigung mit dem Verfahren bzw. die entsprechende Literatur darüber bislang eher übersichtlich – eine Lücke die dieser Band zu schließen versucht.
Autorinnen
Martina Rosenbaum ist Weiterbildungsleiterin am Psychodrama-Institut Münster sowie am Institut für Gruppentherapie und Psychodrama in Klinik und Praxis, und lehrt am Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie im Rheinland.
Ulrike Kroneck arbeitet als Sachbuchautorin und freie Lektorin. Sie ist als Psychodramaleiterin in der beruflichen Weiterbildung und Erwachsenenbildung tätig.
Aufbau und Inhalt
Die Autorinnen kündigen einen kleinen Streifzug durch die Theorie und Praxis des Psychodramas an – und dass sie sich genügend Zeit genommen haben, sich kurz zu fassen und das wirklich Wesentliche zum Psychodrama auf den knapp 100 Seiten zusammenzutragen. Das ist ihnen auch gelungen – erwartet man einen Einblick und kein Nachschlagewerk.
Sie beginnen bei den Ursprüngen des Psychodramas – mit der Biographie und Ideenwelt des Wiener Begründers Jakob Levy Moreno - und enden mit einem Überblick über den aktuellen Stand des Verfahrens v.a. in Deutschland in Bezug auf Praxisfelder, Ausbildung, Fachverband und Fachliteratur. Dazwischen wird bisweilen im Plauderton, immer wieder durch Praxisbeispiele veranschaulicht, erläutert, was das Verfahren ausmacht, welches Menschenbild ihm zugrunde liegt und welche zentralen Techniken das Verfahren methodisch ausmachen.
Psychodrama ist eine Gruppenmethode, bei der der Einzelne in der Interaktion im Vordergrund steht, und nicht die Analyse des Einzelnen ohne Berücksichtigung seiner Beziehungen. Dabei wird dem oder der Einzelnen, der/die als Protagonist/in eine Szene aus dem eigenen Leben mithilfe anderer Gruppenmitglieder aufführt, im Spiel ermöglicht, neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten zu entdecken und auch umzusetzen.
Das Kapitel zum Menschenbild im Psychodrama versucht, die vielfältigen theoretischen Bezüge deutlich werden zu lassen, ohne den leichtfüßigen Ton dabei aufzugeben, und wirkt so etwas überfrachtet. Dagegen ist die Beschreibung der zentralen Techniken (Doppeln, Spiegeln und Rollentausch) - mit Bezug auf die Rollenentwicklungstheorie, die vorher leider nicht in der Weise ausgebreitet wird – gut auf den Punkt gebracht.
Fazit
IInsgesamt bietet das Buch eine ordentliche Übersicht. Eine praktische Orientierungshilfe, wie es der Untertitel verspricht, würde es dem Leser/der Leserin ermöglichen, nach der Lektüre neue Methoden in der eigenen Beratungsarbeit anwenden zu können. Das ist nicht der Fall. Denn das Lesen über Psychodrama – das macht auch dieses Buch deutlich – hilft zwar womöglich bei der Frage, ob man sich durch das Verfahren angesprochen fühlt. Um damit arbeiten zu können, muss man es aber in jedem Falle selbst erfahren. Abgesehen von dieser kleinen Einschränkung ist es für alle empfehlenswert, die handlungsorientierte, humorvolle, kreative Wege in der Beratungsarbeit suchen und mit diesem Büchlein ein Bild von einem solchen Verfahren bekommen, das darauf basiert, die Dinge zu tun, statt nur darüber zu reden.
Rezension von
Susanne Gotzen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kompetenzteam Hochschuldidaktik TH Köln, systemische Beraterin
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