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Thomas Bals, Andreas Hanses u.a. (Hrsg.): Gesundheitsförderung in pädagogischen Settings

Cover Thomas Bals, Andreas Hanses, Wolfgang Melzer (Hrsg.): Gesundheitsförderung in pädagogischen Settings. Ein Überblick über Präventionsansätze in zielgruppenorientierten Lebenswelten. Juventa Verlag (Weinheim) 2008. 304 Seiten. ISBN 978-3-7799-1318-4. 26,00 EUR, CH: 45,40 sFr.

Reihe: Dresdner Studien zur Erziehungswissenschaft und Sozialforschung.
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Entstehungshintergrund

Der Band stellt Ansätze zur Gesundheitsförderung im institutionellen und lebensweltlichen Rahmen unter Einbeziehung der biographischen Perspektive dar. Im Mittelpunkt steht dabei das von der WHO konzipierte Konzept der Settings (Ottawa-Charta 1986). Ausgangspunkt der Publikation war eine Ringvorlesung der Fakultät Erziehungswissenschaften der TU Dresden in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene Museum und der Berufsgenossenschaftlichen Akademie für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Dresden im Wintersemester 2006/07. Die Herausgeber und Autoren entstammen den Berufsfeldern Schul-, Sozial- und Berufspädagogik, Arbeitsmedizin, Medizinpsychologie, Sozial-, Gesundheits- und Erziehungswissenschaften und ermöglichen aus ihrer Fachlichkeit heraus sehr unterschiedliche Perspektiven mit theoretischen Abhandlungen, diskursiven Analysen und empirischen Forschungsergebnissen.

Aufbau und theoretische Einführung

In der Einleitung wird der Setting-Ansatz zur Gesundheitsförderung im institutionellen Rahmen eingeführt und von Präventionskonzepten abgegrenzt, die - auf das Individuum ausgerichtet - sozial benachteiligte Menschen häufig nicht erreichen. Während Gesundheitserziehung und Gesundheitsbildung dem familiären/ pädagogischen Bereich zugeordnet werden, beziehen sich Gesundheitsberatung und Gesundheitsaufklärung auf Aktivitäten im öffentlichen Raum.

Das erste Kapitel bietet eine theoretische Einführung Zur Aktualität des Setting-Ansatzes in der Gesundheitsförderung von Andreas Hanses. Darin werden die gesellschaftlichen Herausforderungen (Veränderungen des Krankheitsspektrums, Multimorbidität, Grenzen der Finanzierbarkeit) zunächst aktuellen Konzepten zur Gesundheitsförderung gegenübergestellt, die die individuelle Prävention und Selbstverantwortung in den Mittelpunkt stellen. Dann wird der Setting-Ansatz mit seinen Möglichkeiten (große Akzeptanz, produktiver Eingang in Praxisfelder) und Grenzen (fehlende grundlegende Forschung und theoretische Begriffsbestimmung und damit zumeist fehlender Effizienznachweis) umrissen. Als theoretische Perspektiverweiterung werden die biographischen Wissensressourcen und die sozialen Praxen in institutionalisierten Alltagswelten der Subjekte aufgezeigt.

In den folgenden Kapiteln werden jeweils zwei bzw. drei Beiträge zu den Settings

  • Familie und soziales Wohnumfeld
  • Berufsbildung und Betrieb
  • Schule
  • Kindergarten
  • Soziale Arbeit
  • Informelle Gesundheitshilfen

vorgestellt, die jeweils mit einer kurzen Einführung eröffnet werden.

Familie und soziales Umfeld

Der Beitrag Familiale Einflussfaktoren auf die Kinder- und Jugendgesundheit und Konsequenzen für die Prävention von Alois Herlth beschreibt als Einflussfaktoren der Familie die elterliche Fürsorge und Versorgung, Sozialisation und Stressbewältigung. Daraus leitet er Konsequenzen für die Prävention ab, wobei das Problem der Erreichbarkeit der besonders bedürftigen Familien benannt wird. Als Lösungsansatz wird die Vernetzung mit anderen Settings (Kita, Schule, Freizeiteinrichtungen) angeregt. Möglichkeiten der Gesundheitsförderung sieht der Autor in der Förderung der Elternkompetenz und der Reduktion bzw. Vermeidung von familialem Stress, z.B. durch Ganztagsbetreuung der Kinder in Tageseinrichtungen. (In dem Beitrag wird durchgängig das Attribut „familial“ anstelle des gebräuchlicheren „familiär“ verwendet. ) Auf erfolgreiche praktische Beispiele wird in Literaturangaben verwiesen. Leider bleibt der Aspekt „Migrationshintergrund“ aus Platzgründen, so der Autor, unberücksichtigt.

Ulrike Ravens-Sieberer und Nora Wille stellen in ihrem Beitrag Die Bedeutung familiärer, sozialer und personaler Schutzfaktoren für das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen erste Ergebnisse der BELLA-Studie vor. An einer Teilstichprobe der bundesweit repräsentativen KiGGS-Studie (Kinder- und Jugend-Gesundheitssurvey 2003-2006) wurde die psychische und subjektive Gesundheit (gesundheitsbezogene Lebensqualität) von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht. Daraus ergeben sich Hinweise auf Risikogruppen für eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit und der Lebensqualität und die Option, durch entsprechende Förderprogramme die vorhandenen Ressourcen zu stärken. Ressourcen mit erwiesenermaßen protektiver Wirkung sind eine positive Selbstwahrnehmung, Unterstützung innerhalb der Familie und Merkmale des Familienklimas sowie soziale Unterstützung außerhalb der Familie.

Der dritte Beitrag zum Setting Familie beschreibt Bewältigungsstrategien von Angehörigen schwer körperlich Erkrankter. Friedrich Balck, Gérard Tchitchekian und Hendrik Berth beschreiben die Belastungen von Pflegenden, deren nahe Angehörige an Krebs erkrankt sind und sich in der palliativen Pflegephase befinden. In Erweiterung der kognitiven Stresstheorie von Lazarus und Folkmann (1984) werden Ergebnisse einer Befragung von 111 pflegenden Angehörigen vorgestellt. Ohne expliziten Bezug zum Setting-Ansatz werden Entlastungs- und Bewältigungsfaktoren benannt, wie z.B. die Inanspruchnahme sozialer Unterstützung, Information über Erkrankung und Hilfeangebote, Kommunikation und emotionale Autonomie.

Berufsbildung und Betrieb

In ihrem Beitrag Gesundheitsförderung und Prävention im Betrieb umreißt Britta Wulfhorst zunächst die gesetzlichen Grundlagen der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention. Die Wirksamkeit von Gesundheitsförderungsprogrammen wird zunächst im Überblick (verschiedene Reviews und Einzelstudien) und dann exemplarisch anhand von Maßnahmen zur Sekundärprävention bei berufsbedingten Dermatosen vorgestellt. Diese Maßnahmen sind inzwischen in die Regelversorgung übernommen worden. Anschließend wird auf die besonderen Anforderungen von Auszubildenden und die berufliche Bildung als Schnittstelle zwischen Schule und Beruf eingegangen. Dabei schlägt die Autorin noch einmal den Bogen zu internationalen Programmen (EU).

In ihrem Beitrag Psychosoziale Gesundheit im Beruf – vom Humankapital zur Humanität? beschreiben Georg Hörmann und Andreas Weber salutogene und pathogene Aspekte der Erwerbsarbeit und der Veränderungen am Arbeitsmarkt, wobei das Thema Mobbing breiten Raum einnimmt und auch unter juristischen Aspekten beleuchtet wird. Zur Sicherung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit am Arbeitsplatz fordern die Autoren ein „ethisches Investment“. Die These, dass „mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten und soziale (kollegiale) Unterstützung […] nach heutigem Wissensstand als die zwei wichtigsten Ressourcen in der Bewältigung beruflicher psychosozialer Stressoren“ gelten (S. 104), wird leider nicht mit Forschungsergebnissen belegt.

Der Exkurs Gesundheitsförderung als Beruf von Thomas Bals und Britta Wulfhorst beschreibt Entwicklung und Stand der Aus- und Weiterbildungen im Bereich Gesundheitsberatung und Gesundheitswissenschaften in Deutschland. Mit Literatur belegt werden internationale Entwicklungen der Verberuflichung gegenübergestellt. Die Autoren sehen auch in Deutschland einen Bedarf an qualifizierter Gesundheitsberatung und –bildung. Für die weitere Institutionalisierung als Beruf halten sie ein einheitliches Berufs- und Qualifizierungsprofil sowie die Sicherung der Finanzierung für erforderlich.

Schule

Ein klassisches Setting der Gesundheitsförderung stellt die Schule dar. Der erste Beitrag von Cornelia Hähne, Ludwig Bilz, Kerstin Dümmler und Wolfgang Melzer beleuchtet Die Bedeutung der Schule für die Schülergesundheit. Zunächst werden die gesundheitlichen Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen (chronische Erkrankungen, ungesunde Lebensweisen, Stress, mangelnde Bewältigungskompetenz, fehlende soziale Unterstützung) aufgezeigt und die möglichen Folgen beschrieben (Depression, Aggression, Rückzug oder Suchtmittelkonsum). Ein ungünstiges Schulklima, Leistungs- und Konkurrenzdruck sowie Störungen der Kommunikation können von Schülern als Bedrohung erlebt werden. Anschließend werden Ziele und Umsetzungsmöglichkeiten der Prävention und Gesundheitsförderung in der Schule beschrieben. 1992 wurde in Zusammenarbeit mit der WHO das „Europäische Netzwerk Gesundheitsfördernde Schule“ geschaffen. Als eines der erfolgreichsten Programme wird der „life-skill“-Ansatz vorgestellt, der darauf gerichtet ist, personale und soziale Lebenskompetenzen zu fördern. Das Modellprojekt „Gesundheitsfördernde Schule in Sachsen“ (2004-2006), das sich an 10-15jährige Schüler richtet, wird exemplarisch beschrieben. Abschließend betonen die Autoren die Bedeutung des frühzeitigen Beginns jeglicher Programme, die langfristige Ausrichtung und die Einbeziehung des gesamten Umfeldes.

Mit dem Thema Belastungen und Gesundheit im Lehrberuf befassen sich Klaus Scheuch, Reingard Seibt, Eva Haufe und Udo Rehm. Dazu werden Forschungsergebnisse aus eigenen und internationalen Studien mit unterschiedlichen Ansätzen zur Bewertung von (psychosozialen) Belastungen am Arbeitsplatz vorgestellt. Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen werden dem Lehrerberuf jeweils hohe Anforderungen zugeschrieben. Gleichzeitig verweisen die Autoren – auch im Hinblick auf Gesundheitsförderung - auf eine Reihe protektiver Merkmale des Lehrerberufs wie Ganzheitlichkeit, Anforderungsvielfalt, soziale Interaktion, Autonomie und Sinnhaftigkeit. Untersuchungen zum Krankheitsspektrum und zu Frühberentung schließen sich an. Daraus werden konkrete Vorschläge zur Gesundheitsförderung für Lehrer abgeleitet, die sich mit den Begriffen Förderung der pädagogischen Kompetenz, Work-Life-Balance, Coaching, Gesundheitsinformation und Stressbewältigung umreißen lassen und sowohl verhaltens- als auch verhältnispräventiv ansetzen sollten.

Kindergarten

Gesundheitsförderung im Setting Kindertageseinrichtungen beschreibt Cornelia Wustmann anhand ausgewählter Projekte der Umsetzung in Sachsen (Sächsischer Bildungsplan 2006). Dabei wird Gesundheitsförderung im Bildungsplan als Querschnittsthema aufgefasst, dem kein eigenes Kapitel gewidmet ist. Im Mittelpunkt stehen drei Leitlinien: 1. die Stärkung persönlicher Kompetenzen („Lebenskompetenzförderung unserer Jüngsten“), 2. die Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten, die sich auch auf die Gesundheitsförderung der Erzieherinnen bezieht, und 3. Bedingungen für eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik, die sich auf die Schaffung struktureller Rahmenbedingungen bezieht. Als wichtige Zielstellung wird die Erreichung von Familien in prekären Lebenslagen formuliert. Das Wohlbefinden der Kinder und der betreuenden Fachkräfte wird als Voraussetzung für erfolgreiche Bildungsarbeit gesehen.

Frank Bittmann stellt in seinem Beitrag Bewegungsförderung im Kindergarten zunächst Untersuchungsergebnisse zur körperlichen Leistungsfähigkeit von Kindern vor, die auf eine Verminderung insbesondere der Ausdauerleistung hindeuten. Damit sind Defizite im kognitiven und Verhaltensbereich verbunden. Aus biologischer und psychosozialer Sicht ist Bewegung für die kindliche Entwicklung von zentraler Bedeutung. Aus den Ergebnissen leitet der Autor konkrete Empfehlungen für die Gestaltung des Settings Kindergarten ab.

Soziale Arbeit

Wie in der Einführung zu diesem Themenfeld beschrieben, stellt soziale Arbeit kein eigenes Setting dar, sondern unterstützt aus der „Querschnittsperspektive“ die Mitarbeiter in den Arbeitsfeldern (Settings) personenbezogener Dienstleistungen (KiTa, Schule, Betrieb). Stephan Sting hat seinen Beitrag Gesundheit als Herausforderung für soziale Dienste. Zum Stellenwert der Sozialen Arbeit in der Gesundheitsförderung überschrieben. Mit aktuellen Studien wird der Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit belegt und daraus die Entwicklung struktur- und personenbezogener zielgruppenspezifischer Angebote abgeleitet. Bei Kindern korrelieren soziale Probleme hoch mit Gesundheitsproblemen. Ein Mangel an Bewegungsmöglichkeiten kann z.B. die Entwicklung von kognitiven, emotionalen, sozialen und sprachlichen Fähigkeiten beeinträchtigen. Im Jugendalter nimmt zwar die Körperorientierung aber nicht unbedingt das Gesundheitsbewusstsein zu, wie der Autor belegt. Mit Bezug auf den Setting-Ansatz werden konkrete Beispiele für die Gesundheitsarbeit in sozialen Brennpunkten vorgestellt, wo es gelungen ist, verschiedene Maßnahmen der „sozialen und physischen Sanierung“ zu verknüpfen bzw. zu integrieren.

Soziale Arbeit im Gesundheitswesen umfasst dieTätigkeitsbereiche in Krankenhäusern, Rehakliniken, Hospizen oder Frühfördereinrichtungen. Hans Günther Homfeldt betrachtet sie zunächst unter dem Blickwinkel der sozialen Ungleichheit und der Lebenslaufperspektive. Die Entwicklung des §20 SGB V, der die Maßnahmen der Prävention regelt und ausdrücklich einen Beitrag zur Verminderung der sozialen Ungleichheit leisten soll, wird dargestellt und in diesem Rahmen mögliche Aufgaben der Sozialen Arbeit in der Prävention aufgezeigt. Eine besondere Notwendigkeit für die Vereinbarung ethischer Standards für professionelles Handeln im Gesundheitswesen wird aus der spezifischen Bedürftigkeit der Klientel in stationären Einrichtungen gesehen. Sehr interessant ist die Forderung nach bzw. Kritik an einer wissenschaftsbasierten Sozialen Arbeit. „Die Frage jedoch, was im Einzelfall angemessen sei, kann nicht durch eine valide und reliabel geprüfte statistische Wirkungswahrscheinlichkeit erreicht werden“ (S. 240). Mit der internationalen Perspektive zeigt der Autor auf, welche spezifischen Aufgaben Soziale Arbeit im Gesundheitswesen außerhalb von Deutschland bzw. Europa zu leisten hat („disaster management“ zur Bewältigung von Kriegstraumata, Terror oder Naturkatastrophen). Abschließend werden wichtige zukünftige Forschungsfelder aufgezeigt.

Der dritte Beitrag nimmt das Gesundheits- und Körperbewusstsein von Männern in den Blick. Gerd Stecklina greift damit ein wissenschaftlich bisher wenig bearbeitetes Thema auf und zeigt anhand von aktuellen Forschungsergebnissen, welche gesundheitsfördernden und krankheitsbegünstigenden Verhaltensweisen bei Männern vorherrschen. Er stellt differenziert dar, dass in der Medizin wie in den Sozialwissenschaften das defizitorientierte Männer(gesundheits)bild vorherrscht und das Ressourcenpotential, das (auch) in männlichen Lebensentwürfen steckt, vernachlässigt wird. Um Männern gerecht zu werden, sollten biographische Aspekte sowie strukturelle Bedingungen, soziale Lage, sozialer Status, Alter, Ethnizität sowie die psychodynamische Ebene, die Einfluss auf den spezifischen Zugang von Männern zu ihrer Gesundheit haben, zum Gegenstand der Forschung werden.

Informelle Gesundheitshilfen

Im letzten Abschnitt des Bandes werden Beratung und Selbsthilfe als Netzwerke im Kontext Gesundheit vorgestellt, die am wenigsten institutionalisiert und professionalisiert und aktuell wenig erforscht sind.

Dominik Ose beschreibt die Entwicklungslinien der Patientenberatung in Deutschland und stellt die „ökonomisch“ orientierte abhängige Beratung (z.B. durch Leistungserbringer oder Kostenträger) der „demokratisch“ orientierten unabhängigen Beratung (z.B. durch Selbsthilfeorganisationen, Sozialverbände oder Verbraucherberatung) gegenüber. Beide Bereiche haben in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen, aber aus dem Vorhandensein von Beratungsangeboten kann noch nicht auf gesundheitsfördernde Effekte geschlossen werden, wie der Autor anmerkt. Bezogen auf den Setting-Ansatz kann Gesundheitsberatung mit konzeptioneller und theoretischer Verortung einen bedeutenden Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten.

Die Bedeutung und die gesundheitsförderlichen Potentiale von Gesundheitsselbsthilfe im Alltag werden von Frank Nestmann und Kathy Weinhold beschrieben. Informelle Gesundheitshilfe findet täglich in allen privaten (z.B. Familie, Freunde, Nachbarn) und institutionellen (z.B. Schule, Betrieb) Lebensbereichen statt, wenn Menschen sich selbst oder gegenseitig bei gesundheitlichen oder psychosozialen Problemen pflegen oder unterstützen. Obwohl Selbsthilfemaßnahmen die professionellen und institutionellen Hilfeangebote bei weitem übersteigen, gibt es kaum eine aktuelle „Alltägliche Hilfe- oder Helferforschung“. Die bedeutendste Ressource stellen Familien- bzw. Haushaltmitglieder dar, insbesondere Frauen und Mütter. Als theoretische Basis eignet sich das Modell des Social Support mit Haupteffekten (z.B. Vermeidung von Isolation) und Puffereffekten (Vermeidung von Stressreaktionen bei Belastungen). Angesichts einer sich verändernden Gesellschaft (mehr Single-Haushalte, neue Medien) stellen sich neue Forschungsfragen hinsichtlich der Entwicklung von Gesundheitsselbsthilfe als der vielleicht wichtigsten Ressource des Gesundheitssystems.

Zielgruppe

Das Buch ist zu empfehlen für im pädagogischen bzw. sozialpädagogischen Bereich Beschäftigte, die individuell oder beruflich mit Gesundheitsförderung befasst sind, sowie für wissenschaftlich Interessierte, die einen Einstieg in das Thema suchen. Aber auch der interessierte Laie ist angesprochen.

Diskussion

Der Band beleuchtet Gesundheitsförderung mit einem weit gefassten Begriff des pädagogischen Settings. Einige Artikel (Männergesundheit und Verberuflichung) gehen auch darüber hinaus, was aber keinesfalls ein Nachteil ist. Leider fehlt die bedeutsame und wachsende Zielgruppe der Migranten. Da bereits heute etwa 30% aller Kinder einen Migrationshintergrund aufweisen, hätte sich ein eigener Beitrag gelohnt. Es werden nicht zu allen Settings praktische Beispiele vorgestellt, die wissenschaftlich begleitet sind. Positiv zu erwähnen ist aber, dass die Studienergebnisse durchweg gut und (auch für Nicht-Wissenschaftler) gut verständlich präsentiert sind.

Die einzelnen Beiträge sind recht unterschiedlich gestaltet, sowohl inhaltlich (von der Beschreibung, welche Präventionsansätze es geben könnte, über gut recherchierte Forschungsstände bis zu konkreten Beispielen) als auch sprachlich (von vereinzelt umständlichen Satzkonstruktionen bis zu gut strukturierten und formulierten Abhandlungen).

Fazit

Insgesamt ein lesenswerter Band, der zahlreiche Anknüpfungspunkte für künftigen Handlungs- und Forschungsbedarf aufzeigt.


Rezensentin
Friederike Otto
Leiterin des Forschungsverbundes Familiengesundheit. Medizinische Hochschule Hannover, Medizinische Soziologie OE 5420
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Zitiervorschlag
Friederike Otto. Rezension vom 11.11.2009 zu: Thomas Bals, Andreas Hanses, Wolfgang Melzer (Hrsg.): Gesundheitsförderung in pädagogischen Settings. Ein Überblick über Präventionsansätze in zielgruppenorientierten Lebenswelten. Juventa Verlag (Weinheim) 2008. ISBN 978-3-7799-1318-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7043.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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