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Ulrich Stangier, Thomas Heidenreich et al.: Soziale Phobien

Rezensiert von Prof. Dr. Hans-Peter Michels, 10.06.2003

Cover Ulrich Stangier, Thomas Heidenreich et al.: Soziale Phobien ISBN 978-3-621-27541-5

Ulrich Stangier, Thomas Heidenreich, Monika Peitz: Soziale Phobien. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutsches Behandlungsmanual. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2003. 202 Seiten. ISBN 978-3-621-27541-5. 34,90 EUR.
Materialien für die klinische Praxis.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-621-27627-6 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

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Thema

Im vorliegenden Behandlungsmanual werden Soziale Phobien als langwierige, irrationale Angstzustände betrachtet, die in sozialen Situationen, also in Interaktionen mit anderen Menschen auftreten.

Aufgrund der Annahme, dass dysfunktionale, verzerrte und negative Kognitionen als substanziell für Ängste im sozialen Kontext zu sehen sind, favorisieren die Autoren ein in höchstem Maße kognitiv orientiertes Therapieverfahren.

Autoren

Die Autoren sind Psychologen, die am Psychologischen Institut und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Frankfurt seit einigen Jahren über Soziale Phobien forschen. Darüber hinaus haben sie auch praktische Erfahrungen mit Sozialphobikern sammeln können.

Inhaltsübersicht

Teil I "Störungsbild" beinhaltet eine kurz gefaßte Übersicht zu Erscheinungsbild, Epidemiologie, Komorbidität und Folgen der Sozialen Phobien. Es werden lerntheoretische, bindungstheoretische, entwicklungspsychologische, neurobiologische und kognitive Erklärungsansätze vorgestellt - soziale oder sozialpsychologische Modelle fehlen. Anschließend wird sorgfältig die Diagnostik der Sozialen Phobie abgehandelt. Im Kapitel "Stand der Therapieforschung" berichten sie über die Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie sowie Pharmakotherapie. Die Autoren beziehen eine affirmative Position zur medikamentösen Behandlung von Menschen mit sozialen Ängsten und verhalten sich konform zum modernen "mainstream". Man sollte m. E. nach aber eingehender prüfen, ob die Methode der pharmakoevozierten Stimmungsverbesserung bzw. Angstbewältigung nicht doch Risiken in sich birgt, zumal epidemiologische Forschungen Substanzabhängigkeiten als häufige Komorbiditäts- bzw. Folgestörung zu den Sozialen Phobien ermittelt haben.

In Teil II "Praxis" werden die therapeutische Strategien ausführlich beschrieben. Das Buch wendet sich an erfahrene Verhaltenstherapeuten, die das spezifische Vorgehen bei Patienten mit Sozialer Phobie oder Sozialer Ängstlichkeit kennenlernen möchten.

Stangier, Heidenreich und Peitz geben detaillierte Informationen zur Eingangsdiagnostik und zur Ausarbeitung des Patientenmodells. Aufgrund der diagnostischen Informationen soll für jeden Patienten ein spezifisch für ihn passendes Erklärungsmodell seiner Sozialen Phobie formuliert werden. Dieses bildet die Grundlage für die weiteren therapeutischen Interventionen:

  • die Verhaltensexperimente,
  • die kognitiven Vorbereitungen für die Übungen zu sozialen Interaktionen im Rollenspiel sowie in realen Kontexten,
  • die Bearbeitung negativer bzw. irrationaler Gedanken,
  • die Überprüfung und Restrukturierung der antizipatorischen und nachträglichen Attributionen sozialer Sequenzen.

In Teil III "Anhang" sind eine Vielzahl von Arbeitsblättern beigefügt:

  • Diagnosefragebögen
  • Informationsmaterial für Patienten
  • Protokollbögen
  • Merkblatt zur Rückfallprophylaxe.

Zielgruppen und Verwendbarkeit

Das kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsmanual ist eher für erfahrene Psychotherapeuten geeignet, die gute Kenntnisse in Methoden wie Exposition und Kompetenztraining haben. Diese können sich die neuen Verfahren durchaus autodidaktisch aneignen.

Fazit

Stangier, Heidenreich und Peitz haben ein gut ausgearbeitetes Manual vorgelegt, das besonders für die Kurzzeitbehandlung (fünf probatorische Sitzungen zur Diagnostik und Motivationsklärung sowie 25 anschließender Therapieeinheiten) im Rahmen der heilkundlichen Psychotherapie geeignet ist.

Rezension von
Prof. Dr. Hans-Peter Michels
Dipl.-Psychol.

Es gibt 40 Rezensionen von Hans-Peter Michels.

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Zitiervorschlag
Hans-Peter Michels. Rezension vom 10.06.2003 zu: Ulrich Stangier, Thomas Heidenreich, Monika Peitz: Soziale Phobien. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutsches Behandlungsmanual. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2003. ISBN 978-3-621-27541-5. Materialien für die klinische Praxis. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/707.php, Datum des Zugriffs 20.04.2024.


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