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Ute Reeh: Schulkunst. Kunst verändert Schule

Cover Ute Reeh: Schulkunst. Kunst verändert Schule. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2008. 192 Seiten. ISBN 978-3-407-62632-5. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 47,50 sFr.
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Thema:

Liest man den Buchtitel "Schulkunst", so denkt man vielleicht als erstes an eine utopisch anmutende Waldorfschule oder ein von Friedensreich Hundertwasser gestaltetes Schulgebäude. Doch "Schulkunst" wie sie hier von Ute Reeh verstanden wird, meint mehr als die üblichen Projekte, die eine Schule bunter und bekannter machen sollen. Schulkunst wird von ihr als ein ganz neues Feld aufgemacht, dass die Verbindung von künstlerischem Denken und Schulkultur meint. Es geht der Autorin "um die künstlerische Begleitung von schulimmanenten Entwicklungen" (S. 13). Schulkunst hilft den Lebensraum Schule gemeinsam mit allen am Schulleben Beteiligten zu gestalten.

Hierzu prägt Ute Reeh ein ganz neues Berufsbild, das des "Schulkünstlers". Dieser arbeitet mit den kreativen Fähigkeiten der Schüler. Er moderiert die Gestaltungsprozesse, die wir an vielen Schulen vermissen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch enthält 14 Kapitel, die alle eine stringente Struktur und gut überschaubare Länge aufweisen. Diese haben Titel wie:

  • "Man hat es für uns schön gemacht - Bereitschaft, etwas für andere zu tun" oder
  • "Allein wäre es Wahnsinn - Zusammen entsteht Unglaubliches".

Schon mit den Überschriften schafft Ute Reeh prägnant und auf individuelle Art die Prinzipien zusammenzufassen, die das Konzept eines Schulkünstlers verständlich werden lassen und umsetzbar machen. Diese Schlüsselwörter werden eindrucksvoll durch Projektbeispiele erklärt und untermauert. Das Ende eines jeden Kapitels wird durch einen konkreten Vorschlag für die Praxis ergänzt, in dem nicht nur Inhalte beschrieben werden, sondern auch wichtige Angaben zu Zeit, Gruppenstärke, Vorbereitung und Material enthalten sind. In den einzelnen Abschnitten erfahren wir auf eine sehr präzise und dabei einfühlsame Art etwas über Entstehung und Verlauf einzelner Projekte, bei denen viele Schüler offensichtlich über sich hinausgewachsen sind. Aber auch auf Schwierigkeiten, wie Zerstörung wird hingewiesen und auf den Umgang damit. Wer zwischen den Zeilen liest, findet wunderschöne Beispiele von sozialem Lernen, Peer Tutoring, Gruppenprozessen, Gewaltprävention, Selbstwirksamkeitserleben und Verantwortungsübernahme.

Einen starken Eindruck hinterlassen zwei langfristige Projekte, das "Toilettenprojekt" und das "Schülercafe International".

  1. Im ersten ("Toilettenprojekt") wurden die Schultoiletten gemeinsam mit den Schülern des fünften Jahrganges nach der Renovierung umgestaltet. So finden sich dort heute Zeichnungen der Schüler, sowie Flächen mit schwarzem Tafellack, auf denen jeder "Besucher" etwas hinterlassen kann. Diese künstlerische Aktion ist jedoch nur ein Teil des Projektes, das durch Toilettendienst und Durchsetzungstraining komplettiert wird. Hier gibt Ute Reeh eine großartige Illustration, dass Schulkunst mehr ist, als nur "Verschönerung" und nachhaltig etwas verändern und bewirken kann.
  2. Im Café International arbeiten seit dem Frühjahr 2001 Schüler, Lehrer, Schulkünstler und Außenstehende - bis jetzt. Dieses soll nach Fertigstellung durch eine Schülerfirma geleitet werden. Hier sind Schüler nicht nur an der Idee beteiligt, sondern auch an Planung, Bau und Management. Dieses Projekt ist ein gutes Modell, um zu zeigen, wie fächer- und jahrgangsübergreifend an einem gemeinsamen Gegenstand über Jahre hinweg kontinuierlich gearbeitet werden kann.

Im Anschluss an die Darstellung dieser beiden nachhaltigen Projekte findet der Leser Schaubilder der wichtigsten Elemente des gestalterischen Teiles und des Nutzungskonzeptes.

Der vorletzte Abschnitt dieses Buches fasst noch einmal die grundlegenden Bausteine einer schulkünstlerischen Arbeitsweise zusammen und gibt eine Aufstellung der nötigen Ressourcen "was dazugehört".

Der letzte Teil zeigt in  individuellen Statements die Erfahrungen, Beweggründe und Reflexionen von Mitwirkenden zu den Projekten.

Diskussion

Das in der pädagogischen Diskussion marginal behandelte Thema der Gestaltung von Schulraum wird in diesem Buch auf eine sehr bezaubernde Weise dargestellt. In der Fachliteratur findet man unter diesem Stichwort theoretische Abhandlungen, deren philosophischer Charakter nicht jedem Leser verständlich ist oder es sind Praxisbeispiele die eine pädagogische Fundierung vermissen lassen. Ute Reeh schafft es mit ihrem Buch einen Mittelweg zu gehen und damit ihr Konzept von Schulkunst überzeugend darzubieten. Dieses Buch vermittelt: Das was man hier liest lässt sich umsetzen. Es ist nicht eines dieser: "Hört-sich-ja-großartig-an-ist-aber-nicht-realisierbar-Projekte". Besonders hervorzuheben sind meiner Meinung nach die Praxisanregungen, die sehr konkret und gut durchdacht dargeboten werden.

Zielgruppe

Zu empfehlen ist dieses Buch Praktikern aus Schule und Jugendhilfe, die sich für Kunst und Schulentwicklung interessieren und einsetzen. Es ist geeignet für Studierende an Hochschulen, die funktionierende Beispiele für eine Schule der Zukunft kennen lernen wollen und natürlich für Eltern und Schüler, die an Veränderung ihrer Schule mitwirken möchten.

Fazit

Ein Buch das Mut macht und zeigt, dass es noch Hoffnung für so manche "Schulkaserne" gibt.


Rezensentin
Dr. Angela Bauer
studierte Lehramt an Förderschulen und ist derzeit als Referentin im Ressort Pädagogik des SOS Kinderdorf e.V. beschäftigt.
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Zitiervorschlag
Angela Bauer. Rezension vom 29.12.2008 zu: Ute Reeh: Schulkunst. Kunst verändert Schule. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2008. ISBN 978-3-407-62632-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7094.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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