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Terry Eagleton: Der Sinn des Lebens

Cover Terry Eagleton: Der Sinn des Lebens. Ullstein Verlag (München) 2008. 157 Seiten. ISBN 978-3-550-08720-2. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 32,90 sFr.

Originaltitel: The meaning of life.
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Ist die Frage nach dem Sinn des Lebens eine sinnlose Frage?

Hey, hey, werden die einen sagen, was ist das für eine sinnlose Frage. Ist der Sinn des Lebens doch darin zu suchen, als guter, vielleicht religiöser Mensch zu leben, mit sich und seiner Umwelt eins zu sein, glücklich und zufrieden zu existieren. Andere wiederum werden sich aufrichten, sich stolz auf die Brust klopfen und sagen: Erfolg und Macht zu haben, sich all das leisten zu können, was man sich zum Leben wünscht (sie sagen meist bewusst oder auch vergesslich nicht, was man zum Leben braucht). Wieder andere werden verächtlich (oder überheblich) abwinken und sagen: Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eine Scheinfrage, weil sie keine eigentliche Frage ist. Es gibt sicher auch welche, die darauf so reagieren: Der Sinn des Lebens ist es, dass sich der Mensch die (Um)Welt untertan macht und nutzt, mit dem Ziel, Immer-weiter-immer-höher-immer-mehr zu werden.

Inhalt

Wir sehen schon: Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist wie die Suche nach einem besonderen Hosenknopf in einem Kramladen (wenn es kein Knopfladen ist), oder die Frage an einen schicken Verkäufer in einer pickfeinen Boutique: "Haben Sie auch Hamburger?" Der 66jährige Professor für Englische Literatur an der Universität of Manchester, Terry Eagleton, der, wie er dezidiert betont, kein Philosoph ist, macht sich auf die Suche nach der (unsinnigen?) Frage nach dem Sinn des Lebens, philosophisch und intelligent. Ob es aber die Frage aller (menschlichen) Fragen ist, oder ein unnützes Unterfangen darstellt, darauf gibt er uns keine Antwort. Immerhin konfrontiert er uns mit einer Gegenfrage: Woher kommt es, dass Menschen gerade "in Zeiten, in denen bislang als gesichert geltende Rollen, Überzeugungen und Konventionen in eine Krise geraten", die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen? Weil wir "Gewissheiten" verloren haben, oder "Glauben", "Autoritäten"…? Weil Menschen meinten, die Frage nach dem Sinn des Lebens stelle sich gar nicht, weil er ganz selbstverständlich, überliefert und in den Traditionen des Lebens begründet ist? Weil uns die "Werte" abhanden gekommen sind? Die Frage nach dem Sinn des Lebens bündelt sich also in Fragen über Fragen; und mögliche Antworten finden wir dann eben nicht, oder wir finden sie in esoterischen, spiritistischen, eventischen, materialistischen und konsumistischen Verlockungen. Das klingt wie Kulturkritik – und ist es auch! Aber Terry Eagleton hält sich damit nicht allzu lange auf. Die überraschende Wende seiner Frage leitet er mit Hilfe des Philosophen Ludwig Wittgenstein ein, wenn er feststellt: "Was, wenn der Sinn des Lebens etwas wäre, das wir um keinen Preis entdecken sollten?". Als Literaturwissenschaftler macht er sich dann doch daran, nachzufragen. Etwa, indem er den Konflikt zwischen "inhärentem" und "zugeschriebenem" Sinn bei der Interpretation eines Gedichts aufgreift. Liegt der Sinn eines Gedichtes in diesem selbst, oder trägt der Leser nicht seinen Sinn in das Gedicht hinein? Und: Könnte nicht in letzterem das liegen, was als eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu formulieren sei, nämlich, dass das Leben das wäre, was wir aus ihm machen? Fündig wird er dabei auch bei Nietzsche und Hegel, wenn er feststellt: "Sinn ist immer eine menschliche Leistung". Da kommen schließlich Kategorien ins Spiel, die als "Glück" oder "Wohlbefinden" relativ sind – sowohl im Sinne des individuellen Vermögens (im doppelten Sinn!), als auch der individuellen und gesellschaftlichen Möglichkeiten.

Fazit

Eine Antwort noch: "Der Sinn des Lebens ist weniger eine Aussage als eine Praxis, keine esoterische Wahrheit, sondern eine bestimmte Lebensweise". Damit wären wir wieder bei Aristoteles "agathon", dem Gutem im Leben, das nicht verordnet werden kann, sondern erworben werden muss, mit dem, was Menschen befähigt, nach dem Sinn des Lebens zu fragen und die Freiheit zu haben, den Sinn des Lebens selbst zu suchen.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 13.01.2009 zu: Terry Eagleton: Der Sinn des Lebens. Ullstein Verlag (München) 2008. ISBN 978-3-550-08720-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7111.php, Datum des Zugriffs 17.09.2019.


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