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Stefan Gillich (Hrsg.): Bei Ausgrenzung Streetwork

Cover Stefan Gillich (Hrsg.): Bei Ausgrenzung Streetwork. Handlungsmöglichkeiten und Wirkungen. Triga Verlag (Gründau-Rothenbergen) 2008. 257 Seiten. ISBN 978-3-89774-618-3. 12,90 EUR.

Reihe: Beiträge aus der Arbeit des Burckhardthauses - Band 15.
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Thema

Das Buch baut sich rund um die 22. Streetworkertagung in Gelnhausen 2007 auf. Inhaltlich werden Themen rund um Streetwork und Mobile Jugendarbeit aufgearbeitet. Der generalistische Zugang von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit zu ihren Dialoggruppen spiegelt sich auch im breiten Themenspektrum dieses Buches wider. Der Bogen spannt sich dabei von ethischen, ethnischen und medizinischen Themen über Fragen der Qualitätssicherung bis hin zu Ideen der Selbstreflexion und des kollegialen Coaching.

AutorInnen

Herausgeber ist Diplom-Sozialpädagoge Stefan Gillich und nachfolgende Co-AutorInnen: Kemal Bozay, Wolfgang Krebs, Helmut Heitmann, Judy Korn, Frank Dölker, Thomas Lutz, Peter Wiessner, Helmut Hartl, Dieter Bott, Siegmund Grag, Matthias Gut, Tom Küchler, Dieter Wolfer, Hartmut Wagner, BAG Streetwork/Mobile Jugendarbeit.

Aufbau

Das Buch ist nach der Einführung von Stefan Gillich in drei Kapitel untergliedert, die jeweils einige Beiträge der oben angeführten AutorInnen enthalten.

  1. Streetwork und Mobile Jugendarbeit: Handlungsmöglichkeiten und Wirkungen
  2. Grundlagen und methodische Konzepte
  3. Tagungsverlauf: Bei Ausgrenzung Streetwork? Handlungsmöglichkeiten und Wirkungen

Einführung

Stefan Gillichgeht in seiner Einführung auf verschiedene Aspekte des Themas „Bei Ausgrenzung Streetwork“ ein. An Hand dieser Aspekte diskutiert er einführend die Grenzen und Möglichkeiten die Streetwork und Mobile Jugendarbeit in der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklung haben. Anschließend stellt er die Beiträge des Buches kurz vor.

I. Streetwork und Mobile Jugendarbeit: Handlungsmöglichkeiten und Wirkungen

Ethnisierung des Sozialen Ursachen und Formen der Ethnisierung in der Migrationsdiskussion (Kemal Bozay). Dieser Beitrag behandelt den Begriff der Ethnisierungen und beschreibt dessen ausgrenzende Wirkung im Kontext des Einwanderungslandes Deutschland.

Sozialpädagogische und institutionelle Herausforderungen an Streetwork/Mobile Jugendarbeit durch (männliche) Zuwanderer aus muslimisch geprägten Kulturkreisen (Wolfgang Krebs).Der Autor arbeitet zuerst die Aspekte der verminderten Chancengerechtigkeit muslimischer Jugendlicher heraus. Diese werden anschließend durch Genderperspektiven vertieft, um dann Möglichkeiten und Perspektiven Mobiler Jugendarbeit/Streetwork hervorzuheben.

Verantwortung übernehmen - Abschied von Hass und Gewalt - ein Programm zur Jugend und Bildungsarbeit mit rechtsextrem gefährdeten Gewalttätern im Strafvollzug (Helmut Heitmann & Judy Korn). Der Beitrag stellt ein Trainingsrogramm im Kontext des Strafvollzuges dar. Zielgruppe sind rechtsextrem gefährdete jugendliche Mitläufer. Das Programm soll die Jugendlichen dabei unterstützen, die Szene nach der Haft zu meiden und zukünftig auf Gewalt zu verzichten.

Erziehung statt Strafe - Qualitätsstandards und Vernetzung ermöglichen Persönlichkeitsentwicklung bei devianten Jugendlichen (Frank Dölker). Der Autor beschreibt das Projekt Challange in Fulda, das im Dreieck Streetwork, Jugendgerichtshilfe und Justiz agiert. Jugendliche können in diesem Projekt bereits im Vorfeld eines anstehenden Gerichtsverfahrens teilnehmen. Die Teilnahme kann sich sowohl aufs Verfahren als auch auf das entsprechende Strafmaß positiv auswirken. Durch Empowerment - Strategien wird lebensweltnahes soziales Lernen ermöglicht.

Die Pforzheimer Boltzplatzliga - Die Begegnung der Kulturen (Thomas Lutz). Dieses Projekt beschreibt, wie interkulturelles Begegnen und soziales Lernen durch das Medium Fußball am Bolzplatz möglich wird. Eine eigene Liga in Pforzheim bietet dabei die Struktur, um interkulturelle Konflikte im öffentlichen Raum zu entschärfen.

Zur Selbsthilfe wohnungsloser Menschen - von blinden Flecken und gelingender Praxis (Stefan Gillich). Der Autor legt einen ressourcenorientierten Blick auf die Selbstorganisationsfähigkeiten wohnungsloser Menschen. Es entsteht dadurch ein kontrastierender Blick zu gängigen, öffentlichen Konstrukten, mit denen wohnungslose Mensch konfrontiert sind.

Medizinische Rundreise: Hepatitis A,B und C (Peter Wiessner/Helmut Hartl). Dieser Beitrag reflektiert den aktuellen Wissensstand über Hepatitiserkrankungen.

Lernort Stadion: Sexismus, Fußball und Politik. Begeisterung sieht anders aus - DFB und kritische Fans - Rassismus und Stadionverbote - Weichei und Opfer - Zur Kritik der Fanprojekte (Dieter Bott). Der Autor bearbeitet in seinem Beitrag das Spannungsfeld des „sauberen“ Fußballsports, Faninteressen, den Umgang mit Diskriminierung und die neue Verordnung für Stadien in der BRD.

Streetwork in der Schweiz. Zum Beispiel St. Gallen und Winterthur (Sigmund Graf/Matthias Gut). Dieser Beitrag gibt den LeserInnen einen Einblick in die Gassenarbeit in der Schweiz und bearbeitet dahingehend auch die Kooperationsmöglichkeiten mit der Exekutive.

II. Grundlagen und methodische Konzepte

Motivierende Gesprächsführung (Tom Küchler/Hartmut Wagner). Die beiden Autoren beschreiben die Eckpfeiler der Motivierenden Gesprächsführung, die durch Stephen R. Miller und Rollnik entwickelt wurde und deren Verwendung im niederschwelligen Kontext besonders gut geeignet ist.

Selbstreflexion und kollegiales Coaching - Handlungsoptimierung in Streetwork und Mobiler Jugendarbeit (Tom Küchler/Dieter Wolfer). Der Artikel bietet methodisches Handwerkzeug zur Optimierung der Selbstreflexions- und Interventionsfähigkeiten Mobiler Jugendarbeiter- bzw. StreetworkerInnen. Dem kollegialen Coaching wird hier besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

So ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen - Bildungspakete in den Arbeitsfeldern Streetwork und Mobile Jugendarbeit (Stefan Gillich). Dieser Beitrag behandelt kurz und bündig sechs verschiedene Aspekte der Bildung im Kontext „benachteiligte Jugendliche“.

Qualität in der sozialen Arbeit ist keine neue Erfindung: Von der Qualität zur Stellenbeschreibung (Hartmut Wagner/Dieter Wolfer).Hartmut Wagner und Dieter Wolfer geben einen grundlegenden Einblick in die Welt der Qualitätssicherung und stellen einen Bezug zu Stellenbeschreibungen her.

Fachliche Standards (Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork / Mobile Jugendarbeit e.V.) Die BAG stellt ihre neu aufgearbeiteten fachlichen Standards für Mobile Jugendarbeit und Streetwork vor.

III. Tagungsverlauf: Bei Ausgrenzung Streetwork. Handlungsmöglichkeiten und Wirkungen

  • Tagungsprogramm
  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • Pressemitteilung
  • Autorinnen und Autoren
  • „Na du alter Berber“ - Eine Nachlese auf Hannes Kiebel, Bochum (Dieter Wolfer -im Namen der BAG Mobile Jugendarbeit/Streetwork).
  • Übersicht über Dokumentationen des Burckhardthauses
  • Veranstaltungshinweise des Burckhardthauses

Fazit

Das Buch besteht im Wesentlichen aus Inhalten der 22. Streetworkertagung aus dem Juni 2007 in Gelnhausen. Insofern lässt sich ein typisch breites Spektrum an Themen erkennen, die entweder direkt mit Streetwork und Mobiler Jugendarbeit im Zusammenhang stehen, oder diesen Bereich anstreifen bzw. eine Bedeutung für diesen haben. Insofern sind die meisten Beiträge recht spannend zu lesen und geben dadurch einen guten Einblick in die Welt des niederschwelligen Arbeitens. Manche Beiträge lassen jedoch eine gewisse Tiefe vermissen und bleiben damit an der Oberfläche hängen. Der Titel des Buches, es ist ebenfalls der Titel der Tagung, kann nicht ganz halten, was er verspricht. Der einführende Beitrag von Stefan Gillich schafft zwar einen sinnbezogenen Einstieg, doch die weiteren Beträge schaffen kaum bis gar nicht inhaltlich daran anzuknüpfen. Diese Leistung obliegt dem/der LeserIn. Vor allen Dingen die schwierige Diskussion über Wirkungen sozialer Interventionen findet nur in der Wunsch - Konstruktion des Rezensenten Platz. Allerdings muss auch festgehalten werden, dass die Beiträge im Kontext Mobiler Jugendarbeit und Streetwork sinnvoll und schlichtweg auch ein Spiegelbild der dargestellten Tagung sind. Und letztere ist, rückschließend auf die Inhalte des Buches, eine Teilnahme wert. Das Buch ist für StudentInnen mit Interesse an niederschwelliger Sozialarbeit und für ProfessionistInnen sicher ein Gewinn.


Rezensent
DSA Alexander Bernardis MAS
Coaching, Supervision und Organisationsberatung


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Zitiervorschlag
Alexander Bernardis MAS. Rezension vom 23.09.2009 zu: Stefan Gillich (Hrsg.): Bei Ausgrenzung Streetwork. Handlungsmöglichkeiten und Wirkungen. Triga Verlag (Gründau-Rothenbergen) 2008. ISBN 978-3-89774-618-3. Reihe: Beiträge aus der Arbeit des Burckhardthauses - Band 15. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7133.php, Datum des Zugriffs 26.03.2019.


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