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Uwe Berger: Essstörungen wirkungsvoll vorbeugen

Cover Uwe Berger: Essstörungen wirkungsvoll vorbeugen. Die Programme "PriMa", "TOPP" und "Torera" zur Prävention von Magersucht, Bulimie, Fressanfällen und Adipositas. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2008. 187 Seiten. ISBN 978-3-17-019846-3. 24,90 EUR.
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Autor

Dipl.-Psych. Dr. Uwe Berger ist Dozent am Uniklinikum Jena und Leiter eines Forschungsprojekts zur Prävention von Essstörungen.

Aufbau und Inhalt

Zunächst werden Essstörungen definiert (Diagnosekriterien, Prävalenzraten etc.). Gut gemacht erscheinen die Tabellen, die sich mit der möglichen Funktionalität der einzelnen Essstörungen auseinandersetzen. Ebenfalls gut gemacht sind die Zusammenfassungen zu den einzelnen Essstörungen wie „Bulimie in Kürze“ oder „Magersucht in Kürze“. Auch die kurzen Fallbeispiele sind anschaulich.

Es folgt ein allgemeines Kapitel über Prävention, das psychologische Theorien zu Einstellungs- und Verhaltensänderungen (attributionstheoretische Grundkonzepte werden plastisch dargestellt) sowie Modelle des Gesundheitsverhaltens zusammenfasst, in dem aber auch auf häufige Fehler bei der Konzeption von Präventionsmaßnahmen in Bezug auf Essstörungen hingewiesen wird. Dann folgt ein Überblick über nationale und internationale Präventionsprogramme.

Im Anschluss stellt der Autor das von ihm in Kooperation mit dem Thüringer Kultusministerium konzipierte Programm PriMa („Primärprävention Magersucht bei Mädchen ab der 6. Klasse“) detailliert vor. Das Programm gliedert sich in folgende, vom Autor als „Lektionen“ bezeichnete Bausteine: „Models“, „Rebellion“, „Macht“, „Traumwelt“, „Wahrnehmungsverzerrung“, „Suizidgedanken“, „krankhaftes Essverhalten“, „Waage“ und „Therapie“. Wie leider meistens auch bei anderen Programmen, werden auch von Berger die gesellschaftlichen Ursachen von Essstörungen vorwiegend auf das Schlankheitsideal reduziert und die Ursachen, die in gesellschaftlichen Rollenbildern bzw. Rollenzwängen liegen, werden nur am Rande und viel zuwenig differenziert behandelt.

Es folgt ein Kapitel von Dr. Melanie Sowa über das Präventionsprogramm TOPP („Teenager ohne pfundige Probleme“) für Jungs. Es wurde von Sowa und Berger für Jungen ab der 6. Klasse entwickelt und soll der Prävention von Übergewicht und Bewegungsmangel dienen. „TOPP“ gliedert sich in folgende „Lektionen“:

  • „Fit und gesund“,
  • „Ernähungsampel“,
  • „Funktionalität des Essverhaltens“,
  • „Bewegungspyramide“,
  • „Ernähungspyramide“,
  • „Umgang mit Hänseln“,
  • „Sportlich und aktiv“,
  • „Anders essen“, und
  • „Anders bewegen“.

Als Drittes wird das Programm „Torera“ vorgestellt, das – laut Berger – der Prävention von Bulimie, Binge-Eating-Disorder und Adipositas dienen soll. Dieses Programm gliedert sich in die Lektionen

  • „Erinnere dich 1 + 2“,
  • „Lernt voneinander“,
  • „Gefangen im Essen“,
  • „Gesund essen“,
  • „Beweg dich!“,
  • „Dein Beitrag?“,
  • „Aggressionen“ und
  • „Todeshungrig“.

Dieses Programm wird seit dem Schuljahr 2006/2007 an Mädchen und Jungen der 7. Klasse in Thüringen erprobt.

Im Anschluss wird über die Evaluation der Programme berichtet, die die Autoren selbst durchgeführt haben. Dann folgen vier Seiten, die Berger „Erfahrungsberichte“ nennt. Im Anschluss dann ein „Leitfaden zur Anbahnung der Hilfesuche“, der auf Wunsch von Projektlehrerinnen und Projektlehrern erstellt wurde.

Am Ende findet sich ein knapp über sechs Seiten langes Literaturverzeichnis sowie einige Seiten mit Links und Adressen (u.a. von einigen deutschen Kliniken, die auf die Behandlung von Essstörungen spezialisiert wird). Es folgt ein Stichwortverzeichnis und am Ende des Buches sind ein paar Poster, die in den Präventionsprogrammen verwendet werden, abgebildet.

Fazit

Präventionsarbeit im Bereich Essstörungen ist essentiell, obwohl deren Bedeutung immer noch unterschätzt wird. Aus diesem Grund sind dieses Buch und die darin vorgestellten Programme als hilfreich einzuschätzen. Wünschenswert wäre es, auch differenziertere, gesellschaftskritischere Aspekte in die Programmbausteine einfließen zu lassen, beispielsweise – wie bereits erwähnt – gesellschaftliche Ursachen von Essstörungen nicht vorwiegend auf das vorherrschende Schlankheitsideal zu reduzieren, sondern sich auch mit tradierten Rollenbildern und Rollenzwängen eingehender auseinanderzusetzen. Nichtsdestotrotz ist das Buch jedenfalls empfehlenswert.


Rezensentin
Prof. Dr.phil. Dr.rer.nat. Annemarie Rettenwander
Professorin für Psychologie – Organisationspsychologie, Kommunikationspsychologie und Psychologie der Essstörungen an der Hochschule Niederrhein/ Mönchengladbach
Homepage web.hs-niederrhein.de/oecotrophologie/ueber-den-fac ...


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Zitiervorschlag
Annemarie Rettenwander. Rezension vom 14.04.2010 zu: Uwe Berger: Essstörungen wirkungsvoll vorbeugen. Die Programme "PriMa", "TOPP" und "Torera" zur Prävention von Magersucht, Bulimie, Fressanfällen und Adipositas. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2008. ISBN 978-3-17-019846-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7138.php, Datum des Zugriffs 14.11.2019.


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