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Eva Wunderer, Andreas Schnebel u.a.: Interdisziplinäre Essstörungstherapie

Cover Eva Wunderer, Andreas Schnebel , Vera Baumer, Eveline Müller, Lisa Pecho, Sigrun Schönburg: Interdisziplinäre Essstörungstherapie. Psychotherapie, medizinische Behandlung, sozialpädagogische Begleitung, Ernährungstherapie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2008. 326 Seiten. ISBN 978-3-621-27682-5. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 49,90 sFr.
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Autorinnen und Autor

  • Dr. Eva Wunderer ist Diplompsychologin sowie systemische Paar- und Familientherapeutin (DGSF). Seit 2000 Tätigkeit im Essstörungsbereich, seit 2002 wissenschaftliche Leitung von ANAD e.V. in München: http://www.anad-pathways.de/index.html
  • Dipl.-Psych. Andreas Schnebel war Mitbegründer von Cinderella e.A. und ANAD e.V. sowie von 1985 bis 1989 beteiligt am Aufbau der Essstörungs-Station der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee. Er ist geschäftsführender Vorstand von ANAD e.V. München.
  • Vera Baumer ist staatlich anerkannte Diätassistentin. Von 1993 bis 2000 war sie Ernährungstherapeutin am Therapiezentrum für Essstörungen TCE am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Sie leitet das Team der ErnähungstherapeutInnen bei ANAD e.V.
  • Dipl.-Psych. Eveline Müller ist psychologische Psychotherapeutin (DBT) sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (Verhaltenstherapie). Seit 1999 ist sie Teamleiterin im Bereich intensivtherapeutische Wohngruppen für Jugendliche bei ANAD e.V. und Fachsprecherin für Psychotherapie.
  • Dr. Lisa Pecho ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Seit 2001 ist sie ärztliche Leiterin von ANAD e.V. München und sie ist auch in freier Praxis tätig.
  • Dipl.-Sozialpädagogin (FH) Sigrun Schönburg ist staatlich anerkannte Erzieherin und systemische Pädagogin. Sozialpädagogin bei ANAD e.V.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in drei Hauptteile:

  • Teil I – „Essstörungen erkennen und erklären“,
  • Teil II – „Essstörungen behandeln“ und einen
  • Teil III, der Anhänge enthält.

Dem Buch liegt zudem eine CD-ROM bei, die 35 ausdruckbare Arbeitsblätter und einige Kurzinformationen für TherapeutInnen und PatientInnen beinhaltet.

Zu Teil I – „Essstörungen erkennen und erklären“: Anhand kurzer Fallbeispiele wird zunächst erklärt, was unter Anorexie, Bulimie und Binge-Eating-Störung zu verstehen ist. Anschließend wird auf die diagnostischen Kriterien für diese drei Essstörungen ausführlich eingegangen und es werden die, durch diese Erkrankungen verursachten, somatischen Beeinträchtigungen beschrieben. Es folgt ein Kapitel, das versucht, diese drei Essstörungen voneinander abzugrenzen und gleichzeitig Überschneidungen herauszuarbeiten. Wichtig erscheinen auch die Kapitel „Screening auf Essstörungen“ und „standardisierte Essstörungsdiagnose“.

Teil II: „Essstörungen behandeln“ beschäftigt sich mit Inhalt, Setting und Prognose der Essstörungstherapie, mit den in der Therapie von Essstörungen sehr wichtigen Themen Motivationsarbeit und Anamnese sowie mit medizinischer Behandlung von essgestörten Patientinnen und Patienten. Dieses Unterkapitel ist sehr informativ und gibt auch praktische Tipps für MedizinerInnen, die sich in die Behandlung von PatientInnen mit Essstörungen einarbeiten möchten. Weiter geht es in Teil II um Interventionsmöglichkeiten zur Normalisierung des Essverhaltens sowie um die Themen Körperbild und Körperfürsorge. Im Unterkapitel „Die kognitive Seite der Essstörung“ wird die Arbeit an dysfunktionalen Denkmustern sehr gut beschrieben und auch auf die Bedeutung des sokratischen Dialogs in der Therapie von Essstörungen wird kurz eingegangen. Im Kapitel „Selbstwert, Emotion und soziale Integration“ wird das Thema „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ relativ unkritisch behandelt, dabei gäbe es dazu sehr hilfreiche und differenzierte, kritische Literatur, z.B. von Vaillant (1992) oder von Liechti et al. (2008, vgl. die Rezension). Es folgt ein Unterkapitel, das sich mit dem familiären Umfeld essgestörter Patientinnen und Patienten befasst, u.a. geht es dabei um Ziele in Gesprächen mit Angehörigen. Dabei wird die Situation Angehöriger recht einfühlsam beschrieben. Gegen Ende dieses Kapitels wird besprochen, welche professionelle Grundhaltung seitens der Helferinnen und Helfer in der Behandlung essgestörter Patientinnen und Patienten aus der Sicht von ANAD angemessen ist. Zuletzt wird besonders am Beispiel eines Wohngruppenkonzepts für adipöse Patientinnen der Ansatz von ANAD näher vorgestellt.

Teil III enthält Anhänge mit Kontaktadressen, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und eine Beschreibung der Inhalte der auf CD-ROM beiliegenden Arbeitsblätter.

Fazit

Das Buch gibt im Wesentlichen einen Überblick über die von ANAD praktizierte interdisziplinäre Essstörungstherapie und deren theoretische Fundierung. Es stellt eine gute, wenn auch wenig kritische Überblickslektüre dar. Seine Praxisnähe, begründet in der umfangreichen Erfahrung der AutorInnen in der Behandlung essgestörter Patientinnen und Patienten, die bei der Lektüre sehr gut spürbar wird, macht dieses Buch lesenwert. Auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es bisher verhältnismäßig wenig gute Lektüre über interdisziplinäre Ansätze in der Therapie von Essstörungen gab, ist dieses Werk empfehlenswert.


Rezensentin
Prof. Dr.phil. Dr.rer.nat. Annemarie Rettenwander
Professorin für Psychologie – Organisationspsychologie, Kommunikationspsychologie und Psychologie der Essstörungen an der Hochschule Niederrhein/ Mönchengladbach
Homepage web.hs-niederrhein.de/oecotrophologie/ueber-den-fac ...


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Zitiervorschlag
Annemarie Rettenwander. Rezension vom 20.11.2009 zu: Eva Wunderer, Andreas Schnebel , Vera Baumer, Eveline Müller, Lisa Pecho, Sigrun Schönburg: Interdisziplinäre Essstörungstherapie. Psychotherapie, medizinische Behandlung, sozialpädagogische Begleitung, Ernährungstherapie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2008. ISBN 978-3-621-27682-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7146.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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