Helge-Ulrike Hyams: Kinder wollen keine Scheidung
Rezensiert von Dipl.-Psych. Christian Hemschemeier, 29.04.2003
Helge-Ulrike Hyams: Kinder wollen keine Scheidung. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2002. 186 Seiten. ISBN 978-3-608-94044-2. 13,00 EUR.
Über die Autorin
Helge-Ulrike Hyams ist Professorin für Pädagogik an der Universität Bremen. Zudem ist sie Begründerin und Leiterin des Kindheitsmuseums in Marburg/Lahn. Sie hat selbst 4 Kinder.
Zum Thema des Buches
In den letzten Jahrzehnten standen im Bereich Ehe und Familie die Emanzipation und Autonomie der Partner stark im Vordergrund. Die Starre der Ehe wurde aufgelöst sowohl durch gesellschaftliche als auch rechtliche Veränderungen. Es wurde davon ausgegangen, dass eine Trennung oder Scheidung auch für die Kinder richtig ist, wenn dies für die Eltern der Fall ist. In jüngster Zeit tritt eine Art "Gegenbewegung" in den Vordergrund, die beleuchtet, dass die Beeinträchtigungen und Schäden für Kinder oft viel gravierender sind, als vermutet wurde. Kindern scheinen oftmals "schlechte" Ehen einer Trennung vorzuziehen. Das vorliegende Buch thematisiert eingehend die Problematik der Trennung aus der Sicht des Kindes.
Aufbau des Buches
Das Buch enthält eine Einleitung, 24 Kapitel sowie zwei Nachworte. Zunächst wird die Frage beleuchtet, warum überhaupt geheiratet wird und warum Beziehungen eine so große Bedeutung haben. Danach werden die kurz- und langfristigen Folgen einer Scheidung für Kinder und Eltern ausführlich beleuchtet, allerdings im Wesentlichen unter der Annahme, dass der Vater die Familie verlässt. Hierbei werden auch die "Patchwork"-Familie (u.a. die Stiefelternschaft, Halbgeschwister, die Position der vielen Großeltern), die Problematik der zwischen den Eltern pendelnden Kinder sowie die Beziehungskonzepte erwachsener Scheidungskinder kritisch besprochen. Das Fazit des Buches entspricht dem Titel: Kinder wollen keine Scheidung.
Einschätzung des Buches
Helge-Ulrike Hyams beschriebt ausführlich die Problematik von Scheidungskindern. Die Argumentation ist teilweise tiefenpsychologisch geprägt, wird aber auch ergänzt durch viele Ergebnisse von Studien anderer Herkunft. Das Buch ist sehr gut zu lesen und inhaltlich überzeugend. Nur das Nachwort ist sehr enttäuschend: Hier wird die naheliegende Frage gestellt, was Eltern eigentlich tun sollen, die sich nicht mehr verstehen. Hierbei verweist die Autorin auf das "Wollen", Einsicht, Nachsicht und Humor. Sie verharmlost damit die teilweise emotional desaströse Lage dieser Ehen. Es fehlt ein Hinweis auf Paartherapie bzw. Mediation.
Außerdem ist kritisch anzumerken, dass Scheidung vor allem unter dem Aspekt einer "Entscheidung" gesehen wird, und die möglichen Störungen der Beziehungsfähigkeit der Eltern zu kurz kommen. Zudem werden die negativen Auswirkungen einer Scheidung auf die Mutter deutlich weniger dargestellt als die der Väter.
Fazit
Insgesamt liegt ein sehr flüssig geschriebenes Buch vor, das sowohl für Betroffene, Interessierte als auch Fachleute lesenswert sein dürfte.
Rezension von
Dipl.-Psych. Christian Hemschemeier
Psychologische Praxis Alstertal
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Es gibt 10 Rezensionen von Christian Hemschemeier.





