Sozialpädagogisches Institut im SOS – Kinderdorf e.V. (Hrsg.): Migrantenkinder in der Jugendhilfe
Rezensiert von Dipl.-Sozialwirt Prof. Roderich Kulbach, 25.02.2003
Sozialpädagogisches Institut im SOS – Kinderdorf e.V. (Hrsg.): Migrantenkinder in der Jugendhilfe.
Sozialpädagogisches Institut im SOS-Kinderdorf
(München) 2002.
188 Seiten.
3,50 EUR.
ISSN 1435-301.
Aufbau und Inhalte
Das Buch umfaßt fünf Beiträge, die aber nicht immer zum eigentlichen Thema geschrieben worden sind. Dies gilt insbesondere für den Beitrag von Franz Hamburger, Universität Mainz, mit dem Titel "Migration und Jugendhilfe", der sehr kundig Auskunft zu Begriffsbestimmungen (Migration, Migranten, Ausländer) gibt und zu Integrationsprozessen und interkulturellem Lernen Stellung nimmt. Den Anforderungen an die Jugendhilfe werden jedoch nur vier Seiten gewidmet, wobei diese auf wünschenswerte Kompetenzen der dort arbeitenden Sozialpädagogen reduziert werden. Letztere sind, wie auch aus den weiteren Beiträgen z.T. deutlich wird, jedoch nicht das Hauptproblem für das Versagen der Jugendhilfe gegenüber den Migrationsanforderungen.
Auf dieses Versagen wird in dem Beitrag von Ursula Boos-Nünning und Yasemin Karakasoglu , Universität Essen, (Partizipation und Chancengleichheit von zugewanderten Kindern und Jugendlichen - Ergebnisse und Konsequenzen aus dem zehnten Kinder- und Jugendbericht) hingewiesen. Weder werden die kommunalen Regeldienste mit ihrem Beratungsangebot den Bedürfnissen ausländischer Familien gerecht noch gilt dies - nach Auffassung der Autorinnen- für die Spezialdienste der Wohlfahrtsverbände. Erstere haben zu wenig interkulturelle Beratungskompetenz, letztere zu wenig fachliches Wissen. Darüber hinaus lassen sich Unterversorgungen in nahezu allen anderen Formen der Beratung im Rahmen der Hilfe zur Erziehung ausmachen. Ein ganzheitliches Beratungs- und Hilfesystem, das auch die Migranten mit einschließt, muss stadtteilnah organisiert sich an den Interessen der Bewohner orientieren, um angenommen zu werden.
Worauf es in der Jugendhilfe für Migranten ankommt und warum die deutsche Jugendhilfe die Migrantenkinder nicht erreicht, problematisiert Kristin Teubner (Mitarbeiterin am SPI im SOS Kinderdorf e.V.) in ihrem Beitrag "Migrationssensibles Handeln in der Kinder- und Jugendhilfe. Obwohl Migrantenkinder und -jugendliche bei allen Risiko- und Problemlagen überrepräsentiert sind, sind sie in allen Formen der Erziehungshilfen unterrepräsentiert. Die Gründe hierfür sind noch wenig erforscht, liegen jedoch nicht nur bei Regelungssystemen der Migrantenfamilien oder den Fachkräften in den Einrichtungen. Vielmehr gibt es offensichtlich konkrete Arbeitsstrukturen in den Jugendämtern und zwischen ihnen und den Einrichtungen, die ein frühzeitiges genaues Hinsehen verhindern. Die Autorin führt dies u.a. auf einen Mangel an migrationsensiblem Handeln zurück, das an den konkreten Interessen der Migranten ansetzt. Stichworte hierzu sind: Interkulturelle Kompetenzen und Arbeitshaltungen fördern, Selbstreflexion erhöhen, Erkennen der eigenen Ressourcen, migationspezifische Arbeitsstrukturen bis hin zu neuen Konzepten von Jugendhilfeleistungen.
Beiträge zur Auswertung eines Modellprojekts im Rahmen des bundesweiten Programms "Mobile Jugendsozialarbeit für junge Menschen ausländischer Herkunft " des BMFSFJ (Kerstin Frank, Karin Haubrich, DJI) sowie der Journalistin Christel Sperlich zu den Erfahrungen geflohener Kinder runden den Band ab.
Fazit
Das Buch stellt ein weiteres Beispiel für die verdienstvollen Bemühungen des SPI im SOS - Kinderdorf e.V. dar, Probleme von Kindern und Jugendlichen in den Kontext von aktuellen Bearbeitungsversuchen zu stellen und dies einer breiteren Öffentlichkeit schnell und kostenlos zugänglich zu machen.
Rezension von
Dipl.-Sozialwirt Prof. Roderich Kulbach
Ev. Fachhochschule Bochum, Fachbereich Sozialarbeit
Lehrgebiet: Sozialmanagement, Verwaltung und Organisation. EFQM - Assessor
Es gibt 12 Rezensionen von Roderich Kulbach.





