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Irmhild Poulsen: Burnoutprävention im Berufsfeld Soziale Arbeit

Cover Irmhild Poulsen: Burnoutprävention im Berufsfeld Soziale Arbeit. Perspektiven zur Selbstfürsorge von Fachkräften. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2008. 137 Seiten. ISBN 978-3-531-16327-7. 22,90 EUR.
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Thema

Burnout von Fachkräften ist in Zeiten steigender Fallzahlen, paradoxer Arbeitsaufträge und verschärfter gesellschaftlicher Ausgrenzungsprozesse wieder zu einem wichtigen Thema in der Sozialen Arbeit geworden. Irmhild Poulsen will in ihrem Band der Frage nachgehen, was dazu beiträgt, dass Fachkräfte der Sozialen Arbeit auch nach Jahren der Berufstätigkeit Freude und Sinn im Beruf finden und der Burnout-Gefahr entgehen. Dazu führt sie ein von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Forschungsprojekt bei Fachkräften der Sozialen Arbeit durch und stellt ihr Fazit in diesem Band vor.

Autorin

Dr. Irmhild Poulsen kommt selbst aus der Sozialen Arbeit. Die Sozialpädagogin war insgesamt 10 Jahre als Professorin an den Fachhochschulen Freiburg und Lüneburg tätig. Sie ist heute Leiterin eines Instituts, das Seminare zur Burnout-Prävention vor allem für Fachkräfte aus Sozialen Tätigkeitsfeldern anbietet.

Inhalt

In ihrem Forschungsprojekt befragt Irmhild Poulsen insgesamt 30 MitarbeiterInnen aus der Sozialen Arbeit aus sehr breit gestreuten Arbeitsfeldern, davon 24 Diplom-SozialpädagogInnen und Diplom-SozialarbeiterInnen. Voraussetzung für die Teilnahme an der Untersuchung war eine mindestens zehnjährige Berufstätigkeit auf der MitarbeiterInnen- (nicht Leitungs-Ebene) und keine eigene aktuelle Burnout-Betroffenheit. 27 der 30 TeilnehmerInnen hatten einen unbefristeten Arbeitsvertrag (meist bei Kommunen oder großen Trägern der Wohlfahrtspflege); die TeilnehmerInnen an der Untersuchung waren berufserfahren und älter (im Durchschnitt Mitte 40).

In einem anonymen Fragebogen wurden die Fachkräfte nach Belastungen und gelingenden Strategien der Burnout-Prävention befragt. Dabei fokussiert der Fragebogen vor allem auf die Mikro- und Meso-Ebene, d.h. die individuellen Strategien sowie die team- und trägerspezifischen Unterstützungen.

Im Ergebnis der Untersuchung zeigt sich, dass wenig Zeit und hohe Fallzahlen zwar eine deutliche Belastung darstellen, wie aber die Meisten der Befragten Strukturen und Strategien entwickeln mit dieser Belastung fertig zu werden ohne auszubrennen. Wertschätzung und konkrete Unterstützung des Arbeitgebers und der Leitungsebene finden dabei nicht immer im gewünschten Ausmaß statt. Die wichtigste Unterstützung leisten dagegen KollegInnen im Team. Dazu kommen noch die persönlichen Haltungen, Strategien und Gewohnheiten im Arbeitsalltag und Privatleben, die ein Ausbrennen verhindern.

Die förderlichen Aspekte fasst Irmhild Poulsen unter griffige Überschriften wie „Kann immer auf Unterstützung des Teams bauen“ oder „Ich kann die Kirche im Dorf lassen“.

Die Grundstrategien der befragten MitarbeiterInnen ordnet Irmhild Poulsen nach Kategorien:

  • Selbsterkenntnis – Bewusstsein – innere Klarheit
  • Freunde / Austausch / Reflexion
  • Team / Kollegen / Fortbildungen
  • Hobbys, Ausgleich, Sport, Bewegung, Spaß und Freude
  • klare Strukturen, gute Planung, flexibel bleiben
  • Selbstwertschätzung
  • Privatleben und Beruf trennen
  • Um Hilfe bitten
  • Erfolge außerhalb organisieren
  • Das Ende der Larmoyanz

Die einzelnen Aussagen der UntersuchungsteilnehmerInnen werden anschaulich verdichtet, durch viele Beispiele verdeutlicht und prägnant dargestellt. Ein Wermutstropfen ist die Darstellung differenzierter Farbgraphiken in Schwarz-Weiss – hier findet die Leserin die notwendigen Informationen erst im Text.

Diskussion

Der Band von Irmhild Poulsen stellt keine grundlegende Einführung ins Burnout dar (hierzu verweist die Autorin auf die Fülle der vorliegenden Literatur), sondern beschäftigt sich vor allem mit Burnout-Prävention auf der Mikro- und Meso-Ebene Sozialer Arbeit. Burnoutgefährdung durch die gesellschaftliche Makroebene (Arbeitsgesellschaft und Arbeitslosigkeit, Kapitalzentriertheit und zunehmende Verelendung) taucht im Fragebogen nicht auf. Durch ihre Konzentration auf langjährige und abgesicherte MitarbeiterInnen Sozialer Arbeit werden auch die speziellen Stressoren prekärer und unabgesicherter Tätigkeiten in der Sozialen Arbeit hier ausgeklammert. Ich denke, dass diese Einschränkung nur für die vorliegende Untersuchung gilt und Irmhild Poulsen durchaus struktur- und institutionskritisch denkt – in ihrem eigenen Burnout-Institut steht das Ziel:

  • B - Belastungen mindern

groß und deutlich vor den weiteren Zielen:

  • U - Unruhe abstreifen
  • R - Ruhe und Entspannung finden
  • N - Nervosität abbauen                                      
  • O - Oasen schaffen
  • U - Umdenken lernen
  • T - Turbulenzen bewältigen

Für die untersuchte Mikro- und Mesoebene langjähriger MitarbeiterInnen arbeitet der Band in kluger und interessanter Weise eine Fülle von Anregungen heraus. Durch die anschauliche Schilderung mit vielen Beispielen kann die Leserin ihren eigenen Berufsalltag auf Gefährdungs- und Unterstützungspotentiale hin überdenken. Auch für SupervisorInnen und Führungskräfte finden sich wertvolle Hinweise.

Fazit

Der Band ist klar strukturiert und sehr gut verständlich und kann auch Studierenden der Sozialen Arbeit als eine gute Vorbereitung auf ihr Berufsleben dienen. Ich habe dieses Buch mit viel Freude gelesen.


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 03.06.2009 zu: Irmhild Poulsen: Burnoutprävention im Berufsfeld Soziale Arbeit. Perspektiven zur Selbstfürsorge von Fachkräften. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2008. ISBN 978-3-531-16327-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7207.php, Datum des Zugriffs 12.12.2018.


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