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Ulrike Petermann, Franz Petermann u.a.: Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation

Rezensiert von Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann, 15.10.2009

Cover Ulrike Petermann, Franz Petermann u.a.: Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation ISBN 978-3-589-24611-3

Ulrike Petermann, Franz Petermann, Ute Koglin: Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Krippen und Kindergärten. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2008. 184 Seiten. ISBN 978-3-589-24611-3. 27,95 EUR.
Reihe: Frühe Kindheit - Beobachten & Dokumentieren.

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Thema

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um die Veröffentlichung eines strukturierten Beobachtungsverfahrens für Kinder im Alter von 3 bis 48 Monaten, welches eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Krippen und Kindergärten darstellt.

Autorinnen und Autor

  • Prof. Dr. phil. Ulrike Petermann ist Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinderpsychologie am ZKPR der Universität Bremen.
  • Prof. Dr. phil. Franz Petermann hat einen Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Diagnostik an der Universität Bremen inne und ist Direktor des Zentrums für Klinische Psychologie und Rehabilitation (ZKPR).
  • Dr. phil. Ute Koglin ist als Mitarbeiterin am Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen tätig.

Entstehungshintergrund

Das Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren wurde im Rahmen eines Praxisprojektes von 2006 bis 2008 für die Stadt Mannheim entwickelt. Die wissenschaftlichen Auswertungen an der Universität Bremen ermöglichten die Stadt Mannheim und die Firma Roche Diagnostics. Für das Verfahren wurden die Vorarbeiten zum Entwicklungstest EF 6-6 berücksichtigt, die bereits 1995 von den Autor/innen erprobt wurden. Gleichzeitig flossen Erkenntnisse aus dem Praxisprojekt zur Förderung der sozial-emotionalen Entwicklung ein, die von den Autor/innen 2004 in Luxembourg gewonnen wurden. Die Auswahl der Beobachtungsaufgaben beruhte auf der Analyse einschlägiger Entwicklungstests.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einem Vorwort. Anschließend folgen auf knapp 50 Seiten 6 Kapitel mit fachlichen Informationen. Dem schließen sich auf ca. 110 Seiten die Beobachtungsaufgaben an. Im Anhang finden sich dann Protokollbögen und eine Übersicht über den Entwicklungsverlauf. Dem Buch liegt eine CD-ROM bei, auf der noch einmal alle Protokoll- und Übersichtsbögen zum Ausdrucken enthalten sind.

1 Entwicklungsüberprüfung in Tageseinrichtungen

Hier wird begründet, warum Erzieherinnen und Erzieher den altersgerechten Entwicklungsstand der Kinder kennen sollen. Dabei soll es darum gehen, frühzeitig Informationen über Auffälligkeiten in der Entwicklung von Kindern zu erhalten. Der Beobachtungsfokus liegt auf Fertigkeiten in verschiedenen Bereichen.

2 Die Entwicklungsbereiche

Es geht um folgende Entwicklungsbereiche:

  • Haltungs- und Bewegungssteuerung,
  • Fein- und Visuomotorik,
  • Sprachentwicklung,
  • kognitive Entwicklung,
  • soziale Entwicklung und
  • emotionale Entwicklung.

In jedem der kurzen Abschnitte zu den einzelnen Entwicklungsbereichen werden knapp die Wichtigkeit des Bereiches und die Entwicklung erläutert, sowie welche aktuellen Probleme es in dieser Hinsicht gibt.

3 Konzeption der Entwicklungsbeobachtung und –dokumentation (EBD 3-48)

Ziel der Entwicklungsbeobachtung und –dokumentation war es für die Autorinnen und den Autor, ein Screening-Verfahren zu erstellen, damit Fachkräfte systematisch die Entwicklungsfortschritte jedes Kindes verfolgen können. Anforderungen waren: der Einsatz im Krippenalter, der geringe Zeit- und Kostenaufwand, Verwendung von alltagsnahem Testmaterial, Erfassung wesentlicher Entwicklungsbereiche und das Geben von eindeutigen Hinweisen für die Interpretation und folgende Handlungsschritte.

4 Durchführung der Beobachtungen

Neben dem notwendigen Material werden die Anforderungen an die Beobachtungssituation beschrieben. Die Erhebungen sollen jeweils im halbjährlichen Abstand durchgeführt werden, am Anfang ist der Abstand ein viertel Jahr (vom 3. bis zum 6. Lebensmonat des Kindes). Erfasst wird, ob eine Aufgabe zu dem bestimmten Zeitpunkt erfüllt (X) oder nicht erfüllt (0) wurde.

5 Auswertung und Interpretation der Beobachtungen

Bei der Auswertung und Interpretation ist zu berücksichtigen, dass es sich das Verfahren an das Meilensteinprinzip anlehnt und es darum geht, ob ein Kind auffällig ist oder nicht. Die Aufgaben sind so einfach, dass sie von 90 % der Gleichaltrigen bewältigt werden. Das bedeutet, dass die Erfüllung der Aufgabe der späteste Zeitpunkt ist, an dem ein Kind dies tun sollte. Klappt das nicht, so sollen die Kinder nicht mehr als Spätentwickler angesehen werden. Damit hat man einen Warnhinweis, um das Kind einer weiteren Diagnostik durch Spezialisten zuzuweisen und gezielte Fördermaßnahmen einzuleiten.

Jeder Beobachtungsbereich enthält vier Aufgaben, für deren Erfüllung es einen Punkt gibt. Bei 3 – 4 Punkten je Bereich werden als Entwicklungsziele die Aufgaben des nächsten Altersbereiches abgeleitet. Eine nicht gelöste Aufgabe zieht weitere Beobachtungen nach sich.

Bei nur 2 Punkten je Bereich handelt es sich um einen grenzwertigen Befund, der eine engmaschige Kontrolle zur Folge haben soll.

Erhält ein Kind keinen oder nur einen Punkt je Bereich, dann wird eine Entwicklungsdiagnostik empfohlen.

Darüber hinaus enthält das Kapitel noch die kurze Beschreibung von fünf Fallbeispielen, wo Erzieherinnen das Material angewendet, anschließend Elterngespräche durchgeführt und Förderziele abgeleitet haben.

6 Förderung der Kinder

Anhand des Beobachtungsverfahrens können für alle Kinder Bildungs- und Entwicklungsziele abgeleitet werden, entweder die noch nicht erreichten oder die Ziele der nächsten Altersgruppe. Dabei wird angeregt, die Aufgaben zu variieren und sich ähnliche Aufgaben selbst zu überlegen. Einige Beispiele für solche Variationen werden vorgestellt. Darüber hinaus gibt es Hinweise zur Arbeit mit den Eltern, wie ihnen das Verfahren erläutert werden kann.

7 Beobachtungsaufgaben für die jeweiligen Altersgruppen

In diesem Teil der Buches, der der umfangreichste ist, sind alle Beobachtungsaufgaben für alle Altersstufen und alle sechs oben genannten Bereiche aufgeführt. Folgende Altersstufen werden berücksichtigt: 3, 6, 12, 18, 24, 30, 36, 42, 48 Monate.

Anhang

  • Protokollbögen zum Aufgabenkatalog
  • Übersicht über den Entwicklungsverlauf
  • CD-ROM

Die CD-ROM enthält noch einmal alle Protokoll- und Übersichtsbögen zum Ausdrucken.

Diskussion

Das Buch stellt eine Veröffentlichung eines Beobachtungs- und Dokumentationsverfahrens für Krippenkinder da, welches auf der Grundlage anderer Verfahren entwickelt wurde. Damit reiht es sich ein in einen umfangreichen Markt der zur Entwicklungsbeobachtung in den letzten Jahren entstanden ist. Das Verfahren ist recht unkompliziert und erfüllt damit den Anspruch, im Kita-Alltag einsetzbar zu sein. Allerdings stellt sich auch bei diesem Verfahren die Frage, ob ein so großer Beobachtungs- und Dokumentationsaufwand in einer Kindertageseinrichtung unter den gegenwärtigen personellen Bedingungen realisierbar ist und gerechtfertigt, um die von den Autor/innen angegebenen 10 % der Kinder mit Entwicklungsstörung einer weiteren Diagnostik zuzuleiten. Viele Aufgaben, die in den Testen enthalten sind. werden von den Kinderärzten in den regulären Untersuchungen ohnehin durchgeführt. Trotzdem sollte jede Erzieherin in einer Kindertageseinrichtung mit Kindern bis 4 Jahren die beschriebenen Entwicklungsbereiche gut kennen. Sie kann sich dadurch anregen lassen, welche Betätigungsangebote sie den kleinen Kindern unterbreiten könnte, außerdem kann sie im Alltag so Auffälligkeiten erkennen. Trotzdem sollte sie nicht zu andauernden Kindertests verleitet werden. Außerdem kann das Material die Entwicklung eines defizitorientierten Blickes bei Erzieherinnen und Erziehern verstärken, was für eine positive pädagogische Grundhaltung gegenüber den Kindern hinderlich ist.

Leider finden sich im Buch keine Angaben, ob das Verfahren wissenschaftlichen Gütekriterien standhält. Auch ist zu den bisherigen Erfahrungen beim Einsatz im Kita-Alltag wenig ausgesagt. Die fünf Fallbeispiele geben da nur einen ganz kleinen Einblick.

Das Buch ist gut gegliedert, kurze und verständliche Texte geben Hinweise zum Einsatz und zur Durchführung. Wer auf der Suche nach einem Verfahren zur Entwicklungsbeobachtung ist und bisher noch kein anderes benutzt, kann dieses Buch wahrscheinlich gut gebrauchen.

Fazit

Das vorliegende Buch enthält ein Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren zur Entwicklungsbeobachtung von Kindern im Alter von 3 – 48 Monaten, das bei Bedarf gut einsetzbar ist.

Rezension von
Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann
Fachhochschule Erfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Professur "Erziehungswissenschaften, Erziehung und Bildung von Kindern"
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Es gibt 67 Rezensionen von Michaela Rißmann.

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Zitiervorschlag
Michaela Rißmann. Rezension vom 15.10.2009 zu: Ulrike Petermann, Franz Petermann, Ute Koglin: Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Krippen und Kindergärten. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2008. ISBN 978-3-589-24611-3. Reihe: Frühe Kindheit - Beobachten & Dokumentieren. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7217.php, Datum des Zugriffs 27.01.2023.


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