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Sabine Maur-Lambert, Andrea Landgraf u.a.: Gruppentraining (Selbstunsicherheit)

Cover Sabine Maur-Lambert, Andrea Landgraf, Klaus-Ulrich Oehler: Gruppentraining für ängstliche und sozial unsichere Kinder und ihre Eltern. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2003. 176 Seiten. ISBN 978-3-86145-246-1. 29,80 EUR.

mit Kopiervorlagen, Format DIN A 4, Ringbindung.
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Einführung in die Themenstellung

Sozialängstliche Störungen im Kindes- und Jugendalter nehmen sehr häufig einen chronischen Verlauf und können zu erheblichen, langdauernden psychosozialen Beeinträchtigungen führen. Dieses hohe Chronifizierungsrisiko spricht an sich für einen möglichst frühen Einsatz psychotherapeutischer Unterstützung. Allerdings muss die psychotherapeutische Behandlungsprognose im Durchschnitt als noch nicht zufriedenstellend bewertet werden; bislang kann auch das frühzeitige Aufsuchen professioneller Hilfe einem ungünstigen Verlauf sozialer Angststörungen oft nicht ausreichend entgegenwirken. Eine Neuorientierung und Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Ansätze und Methoden zur Behandlung der sozialen Angststörung ist daher geboten. Dieser Aufgabe haben sich die Autoren für den Altersbereich 7- bis 10jähriger Kinder gestellt, und - um es vorwegzunehmen - ein sehr überzeugendes Behandlungsmanual entwickelt.

Entstehungshintergrund des Buches

Das hier besprochene Gruppentraining für ängstliche und sozial unsichere Grundschulkinder und ihre Eltern wurde in einer Würzburger kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis entwickelt und wird dort seit 4 Jahren angewendet. Das Training steht in der Tradition kognitiv-verhaltenstherapeutischer Therapiemanuale, unterscheidet sich aber deutlich von vorliegenden Programmen zur Förderung sozialer Kompetenzen im Kindesalter.

Im Jahr 2001 wurde dem Trainingsmanual der Förderpreis der Stiftung für ambulante Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes und Jugendalter - Christian K.D. Moik Stiftung verliehen.

Aufbau und Inhalte

Der Schwerpunkt des kindbezogenen Trainingsteils liegt auf den emotionalen und kognitiven Basiskompetenzen, die soziale Verhaltensweisen steuern und mit psychischer Bedeutung füllen. Im ersten Trainingsabschnitt stehen Übungen zur Wahrnehmung und Symbolisierung von Emotionen, im zweiten Abschnitt Übungen zur Emotionsbewältigung. Das klassische "Einüben sozialer Fertigkeiten" nimmt vergleichsweise wenig Raum ein und ist dabei, wie die anderen Übungen auch, erfreulich spielerisch angelegt. Der kindbezogene Teil des Trainings umfasst 10 Stunden 60 Minuten. Die Einbeziehung der Eltern erfolgt im Anschluss an jede Trainingstunde und durch Elternabende. Ansatzpunkte der Elternarbeit sind die Unterstützung von Empathie für die Kinder und die Vermittlung eines Störungsmodells, das aufrechterhaltende Zirkel in der Eltern-Kind-Interaktion herausarbeitet. Zu jeder Einheit gibt das Manual genaue Leitfäden und Materialien mit Kopiervorlagen. Die Vorlagen für Kinder und Eltern sind ansprechend und freundlich gestaltet; das Kopieren ist durch die Ringbindung des Manuals kein Problem. Weitere Kopiervorlagen sind eine differenzierte Elterninformation zur sozialen Angststörung, Anamnese- und Fragebögen sowie ein Rückmeldebogen zur Bewertung des Trainings.

Die theoretische und literaturkritische Einleitung zum Trainingsmanual ist knapp gehalten, dabei aber gut fundiert. Allein die Abgrenzung normaler, subklinischer und störungswertiger Ängste hätte etwas umfassender diskutiert werden können. Hinzuweisen ist noch auf einen Überblick themenbezogener Bücher für Eltern und Kinder mit kurzen Kommentierungen und einer Bewertung durch die Autoren im Literaturteil des Manuals.

Zielgruppen und Fazit

Die Autoren empfehlen das Training zur primären Anwendung bei subklinischer, leichter und mittlerer Ausprägung folgender Angststörungen: soziale Ängste und Unsicherheit, Überängstlichkeit und spezifische Phobien. Eine ergänzende gruppenbezogene Behandlungsmöglichkeit durch das Manual wird für depressive und angstbedingte psychosomatische Störungen gesehen. Für schwere Ausprägungen der Angststörungen, selektiven Mutismus, primäre Trennungsangst, Schulverweigerung, Panikstörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen, Bindungsstörungen und Zwangsstörungen wird primär eine einzeltherapeutische beziehungsweise stationäre Therapie empfohlen, eventuell mit späterer Teilnahme an dem Gruppentraining. Die Empfehlungen sind schlüssig, das Manual ist überzeugend aufgebaut und freundlich gestaltet. Man kann sich gut vorstellen, dass es den Anspruch der Autoren, das Training solle auch Spaß machen, einzulösen vermag. Aufgrund seiner Ausrichtung ist das Manual nicht nur für kinder- und jugendpsychiatrische und kinderpsychotherapeutische Praxen, sondern auch für Beratungsstellen zu empfehlen.


Rezension von
Dr. Christian Brandt
Psychologischer Psychotherapeut, Diplom Soziologe,
Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie Weinsberg
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Zitiervorschlag
Christian Brandt. Rezension vom 01.04.2003 zu: Sabine Maur-Lambert, Andrea Landgraf, Klaus-Ulrich Oehler: Gruppentraining für ängstliche und sozial unsichere Kinder und ihre Eltern. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2003. ISBN 978-3-86145-246-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/725.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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