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Hans-Jürgen Lüsebrink: Interkulturelle Kommunikation

Cover Hans-Jürgen Lüsebrink: Interkulturelle Kommunikation. Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer. J. B. Metzler´sche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH (Stuttgart, Weimar) 2008. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. 213 Seiten. ISBN 978-3-476-02140-3. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 31,00 sFr.
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Thema

Das Buch befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Interkulturellen Kommunikation. Neben der Erläuterung historischer Hintergründe werden Definitionen aufgeführt, Theorien werden vorgestellt, und die aktuelle Bedeutung der Interkulturellen Kommunikation wird diskutiert.

Autor

Hans-Jürgen Lüsebrink ist Professor für Romanische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation an der Universität des Saarlandes. Er hat verschiedene Gastprofessuren in Europa, Nordamerika und Afrika ausgeübt.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einem vom Autor verfassten Vorwort. Es ist in sechs Kapitel gegliedert:

  • Interkulturelle Kommunikation: Herausforderungen, Praxisfelder, Wissenschaftsdisziplinen
  • Konzepte und Problembereiche
  • Interaktion
  • Fremdwahrnehmung
  • Kulturtransfer
  • Bilanz und Perspektiven der Interkulturellen Kommunikation – Problembereiche und Herausforderungen.

Das Literaturverzeichnis ist in einzelne Abschnitte gegliedert, die den jeweiligen Kapiteln des Buches zugeordnet sind. Das Personenregister und das Sachregister folgen im Anschluss.

Inhalt

Das erste Kapitel beschreibt die Herausforderungen, denen die Interkulturelle Kommunikation gegenübersteht und die Praxisfelder und Wissenschaftsdisziplinen, die sich mit Interkultureller Kommunikation auseinandersetzen. Als Herausforderungen nennt der Autor die Beziehung zwischen unterschiedlichen Kulturen, die Globalisierung (der Weltwirtschaft), die Vernetzung der Volkswirtschaften, die Ausbildung einer globalen Informations- und Mediengesellschaft, Migration, Entwicklungskooperation mit Ländern der so genannten Dritten Welt und das Phänomen des Massentourismus.

Im Kapitel „Konzepte und Problembereiche“ werden Konzepte der Interkulturellen Kommunikation, der Interkulturellen Kompetenz, der Kultur, der Interkulturalität, der Multikulturalität und Transkulturalität sowie der Kulturstandards vorgestellt. Zu den Konzepten der Kulturstandards werden beispielsweise die Untersuchungen des niederländischen Psychologen Hofstede beschrieben, der fünf Kulturdimensionen zählt, des US-amerikanischen Anthropologen Hall, der zwei Kulturdimensionen unterscheidet und des niederländischen Forschers Trompenaars, der sieben Kulturdimensionen unterscheidet.
Als Problemfelder führt der Autor den Zivilisationskonflikt und die Globalisierung an und nennt in diesem Zusammenhang den US-amerikanischen Politikwissenschaftler Huntington und die von ihm postulierten neun Kulturräume. Zu weiteren Problembereichen zählt Hans-Jürgen Lüsebrink Missverständnisse und Konfrontationen sowie das Vergleichen und Verstehen, d. h. die Komparatistik in der Interkulturellen Kommunikation.

Das dritte Kapitel „Interaktion“ beinhaltet eine Zusammenstellung interkultureller und kulturkontrastiver Ansätze in der Interaktionsanalyse, psychologische und linguistische Analyseansätze, Makro- und Mikroanalysen interkultureller „Problem-Kommunikation“, Interkulturelles Lernen, Interkulturelle Trainingsformen und Trainingsmethoden.

Im Kapitel „Fremdwahrnehmung“ beschäftigt sich der Autor mit kulturanthropologischen Perspektivierungen, u. a. mit nationalen Feindbildern im nationalistischen Diskurs. Er unterscheidet zwischen Images als reduktionistische Formen der Fremdwahrnehmung und Klischees und Vorurteilen, und er benennt die Funktionen von Stereotypen. Die mediale Bedingtheit von Fremdwahrnehmungsmustern erläutert er an Beispielen aus der Werbung. Weitere Schwerpunkte dieses Kapitels sind kulturanthropologische Dimensionen und historische Brechungen, methodische Analyseansätze wie der semiotische, der diskursanalytische und der sozialpsychologische Ansatz sowie die Stereotypenanalyse. Die Faszination durch fremde und ferne Gesellschaften, das Interesse an exotischen Gerichten und der Tourismus zählen zur wahrgenommenen Exotik. Die Wahrnehmung des Fremden in den Medien führe zu Asymmetrien zwischen soziokulturellen Realitäten und ihrer medialen Wahrnehmung. Für eine Analyse von Fremdwahrnehmungsmustern in interkulturellen Interaktionssituationen beschreibt Hans-Jürgen Lüsebrink die Ansätze der interaktionalen Soziolinguistik und der Kommunikationspsychologie.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit dem Konzept des Kulturtranfers und mit dessen Strukturelementen wie auch mit der interkulturellen Dynamik von Kulturtransferprozessen. Beispiele für Literatur und Medien im Kulturtransfer sind die Übersetzung und Übertragung fremdsprachiger Literatur und die Titelübersetzungen fremdsprachiger Literatur ins Deutsche. Beispiele für eine produktive Rezeption von Literatur- und Medienangeboten sind filmische Remakes. Mit der Amerikanisierung und dem Antiamerikanismus im interkulturellen Vergleich veranschaulicht der Autor politische, wirtschaftliche und soziokulturelle Dimensionen des Kulturtransfers. Interkulturelles Marketing fordere eine Berücksichtigung der unterschiedlichen Kommunikations- und Werbestile in den Ländern, in denen für das gleiche Produkt geworben werden soll.

Im letzten Kapitel resümiert der Autor die Problembereiche der Interkulturellen Kommunikation und führt die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen an, die er in den Bereichen Amerikanisierung, Immigration, Exotismus und Fremdwahrnehmung, postkoloniale Interkulturalität, interkulturelle Kompetenz und interkulturelles Lernen sowie interkulturelle Wirtschaftskommunikation im Kontext der Globalisierung identifiziert.

Diskussion

Das Werk ist eine gut gegliederte, inhaltlich umfangreiche und vielschichtige Darstellung des Themenbereiches Interkulturelle Kommunikation. Als Einführungs- und als Überblickslektüre ist es für Leser geeignet, die sich gern mit theoretischen Erklärungsansätzen und mit Modellen beschäftigen. Unterschiedliche Abbildungen innerhalb des Textes (Tabellen, Grafiken, Printmedienwerbung) sowie Beispiele fördern den Lesefluss.

Fazit

Interkulturelle Kommunikation von Hans-Jürgen Lüsebrink ist eine komplexe Einführung in diese Thematik. Berücksichtigt werden sowohl historische Hintergründe als auch die Bedeutung der Interkulturellen Kommunikation für die moderne Informations- und Medienvielfalt. Neben der Darstellung der theoretischen Ansätze der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen integriert der Autor eine Vielzahl von Beispielen in seinen Text.


Rezension von
Dr. Barbara Mahmoud
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Zitiervorschlag
Barbara Mahmoud. Rezension vom 19.12.2009 zu: Hans-Jürgen Lüsebrink: Interkulturelle Kommunikation. Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer. J. B. Metzler´sche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH (Stuttgart, Weimar) 2008. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-476-02140-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7301.php, Datum des Zugriffs 09.08.2020.


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