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Christine Rost (Hrsg.): Ressourcenarbeit mit EMDR

Cover Christine Rost (Hrsg.): Ressourcenarbeit mit EMDR. Bewährte Techniken im Überblick. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2008. 187 Seiten. ISBN 978-3-87387-697-2. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR, CH: 39,90 sFr.
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Autoren

Dr. med. Christine Rost, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin. EMDR-Trainerin am EMDR-Institut Deutschland, Traumatherapeutin und Ausbilderin der DeGPT, Mitbegründerin des Zentrums für Psychotraumatologie Frankfurt, niedergelassen als Psychotherapeutin in eigener Praxis

Thema und Entstehungshintergrund

Wurde ehemals in der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen noch nach dem Motto „viel hilft viel“ mit maximaler Belastung das traumatisierende Material durchgearbeitet, so ist man heutzutage dazu übergegangen, verstärkt mit „weicheren“ Methoden, wie z.B. imaginativen Techniken (vgl. Reddemann 2008; Huber 2005) zu arbeiten. Dieses humanere aber dennoch ebenso effektive Vorgehen hat seine Spuren sowohl in den psychoanalytischen, den kognitiv-verhaltenstherapeutischen als auch in den „modernen“ Therapiemethoden, wie z.B. EMDR (vgl. Shapiro 1998; Hofmann 2004) Fuß gefasst. Viele der hier angewendeten Techniken wurden in der Praxis erprobt und anschließend in Fortbildungen oder Kongressmeetings gelehrt bzw. vorgestellt. Eine schriftliche Darstellung, sowohl als Handlungsanweisung, als auch als Grundlage für vertiefende Forschung, fehlte bislang. Diese Lücke soll der vorliegende Band schließen.

Aufbau und Inhalt

Eingebettet zwischen ein kurzes Vorwort zu Beginn und das Stichwortverzeichnis und die Autorenangaben zum Ende des Buches, gliedert sich das Buch in 11 Kapitel:

  1. Einleitung (Franz Ebner & Christine Rost). Diese Einleitung ist mit 24 Seiten recht umfangreich. Sie definiert wichtige Begriffe (psychische Ressourcen, Trauma- und Ressourcennetzwerke, etc.), erläutert das Vorgehen beim Auffinden von Ressourcen, die Indikation für die Anwendung von Ressourcenaktivierung mit EMDR und die daraus folgende Umsetzung in den verschiedenen EMDR-Protokollen. Abschließend wird noch auf mögliche Probleme und Nebenwirkungen der Ressourcenaktivierung mit EMDR eingegangen.
  2. Position of Power (Christine Rost). Diese auch „Kraftort“ genannte Technik ist eine der einfachsten und in der Stabilisierungsphase am häufigsten genutzten Techniken. Im EMDR-Manual erwähnt, wird sie hier ausführlicher vorgestellt.
  3. Die Rolle des Körpers in der Traumatherapie – Der Körper als Ressource im EMDR (Christine Rost & Marc Novoy). Die Körperwahrnehmung traumatisierter Menschen ist häufig gestört. Im Rahmen des EMDR-Standardprotokolls nimmt der Körper mit der Körperverankerung daher einen zentral wichtigen Platz ein. In diesem Kapitel wird auf diesen wichtigen Teil der Ressourcenarbeit noch gezielter eingegangen. So wird ein Augenmerk auf jegliche Körperempfindung, die im Sinne einer Ressource ausschließlich positiv besetzt ist, eingegangen. Diese soll dann gezielt mit EMDR verstärkt werden.
  4. Verbindung von „Innerer Kindarbeit“ und Egostate-Therapie mit EMDR (Christine Rost). Diese Techniken, die ihren Ursprung nicht in der EMDR-Technik haben und häufig in der Therapie komplex traumatisierter Menschen angewandt werden, werden für sich und in Verbindung mit EMDR vorgestellt.
  5. CIPOS – Constant Installation of Present Orientation and Safety (Christine Rost). Die CIPOS-Technik wird im Fortgeschrittenenseminar und im zweiten Teil der Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichen-EMDR-Therapeuten erlernt. Im Manual enthalten, wird sie hier ausführlicher dargestellt. Auch diese Technik wird vor allem bei komplex traumatisierten Menschen genutzt.
  6. Ressourcenaktivierung mit EMDR in der Schwangerschaft (Christine Rost). Hier bekommt der Begriff „innere Kindarbeit“ eine ganz neue Bedeutung. Anhand umfassender Fallbeispiele erläutert die Autorin das konkrete Vorgehen bei Schwangeren.
  7. Ressourcenaktivierung und EMDR bei Kindern und Jugendlichen (Dagmar Eckers). Dagmar Eckers leitet die Ausbildung im (dreiteiligen) Kinder- und Jugendlichencurriculum. Teile dessen, was man dort hervorragend und anschaulich bei ihr erlernen kann, wird hier ausführlich und anschaulich publiziert.
  8. Stationäre Psychotherapie mit essgestörten Patientinnen: die bipolare EMDR-Technik (Reinhard Plassmann). In diesem Kapitel wird deutlich, dass EMDR sich noch in der Evaluationsphase befindet. Als traumatherapeutische Methode entwickelt und konzipiert, stellt der Autor hier die spannende Anwendung bei anorektischen und bulimischen Patientinnen vor – leider zu kurz.
  9. Stabilisierungstechniken bei Abhängigen mit der EMDR-Methode (Michael Hase). Wie auch im vorigen Abschnitt wird hier die Anwendung von EMDR sozusagen Off-Label, bei Suchterkrankten beschrieben. In beiden Kapiteln wird jedoch deutlich, dass Traumata sowohl Ursache als auch Folge von beiden Störungsbildern sein können.
  10. Vom Überleben zum Leben – Ressourcenaktivierung mit EMDR im stationären Kontext (Franz Ebner & Björke Kühn v. Burgsdorff). Hier bekommt man einen Einblick in den therapeutischen Ablauf auf einer auf Traumatherapie spezialisierten Station, der psychiatrischen Frauenstation in der Klinik Hohe Mark in Oberursel. Die Autoren schreiben mit viel Humor und stellen u. a. eine interessante Methode, die Arbeit mit dem Ressourcenpuzzle, vor.
  11. Einheit von Stabilisieren und Prozessieren (Susanne Leutner). Ein kurzer Abschluss des Buches. Hier wird EMDR für Fortgeschrittene vorgestellt. Die Autorin integriert in das EMDR-Standardprotokoll Ressourcenarbeit und schafft so ein „ressourcenintegrierendes Protokoll“. Dies soll „eine Möglichkeit der schonenden Annäherung an die Traumabegegnung nach dem Standardprotokoll“ (S. 176) bieten und dieses ggf. so lange ersetzen, bis der Zugriff auf die Ressource zunehmend seltener notwendig wird. Im Grunde ein ähnlicher, jedoch komplizierterer Ansatz wie ihn auch die CIPOS-Technik verfolgt (s.o.).

Diskussion

Insgesamt handelt es sich bei diesem Herausgeberwerk zur einen Hälfte um ein Buch der Herausgeberin und zur anderen Hälfte um Gastbeiträge. Abgesehen von einer längeren Einleitung, die versucht, die Einzeltexte zusammenzuhalten, handelt es sich hier um eine Sammlung unterschiedlicher Methoden und Schreibstile. So pflegt Michael Hase beispielsweise einen recht akademischen Stil, während andere Autoren (z. B. Franz Ebner & Björke Kühn v. Burgsdorff) eher unterhaltsam formulieren. Dies ist jedoch kein Makel, es macht das Buch gerade lesenswert weil abwechslungsreich. Was fehlt, ist die wissenschaftliche Evidenz. Dies wird in der Einleitung jedoch auch erwähnt. Das Buch soll zur Forschung anregen. Das tut es hoffentlich auch. Hier wird deutlich, dass es sich bei EMDR um eine noch sehr junge, vielversprechende Therapierichtung handelt.

Zielgruppe und Fazit

Eine Zielgruppe wird nicht genannt. Ganz offensichtlich kann es aber nur eine geben: EMDR-Therapeuten. Ohne die Fortbildung werden die Leser vielen Inhalten nicht folgen können. Zuviel Vorwissen wird dafür vorausgesetzt. Für EMDR-Therapeuten ist dieser Band jedoch phantastisch: Danach wünscht man sich auf jeden Fall mehr davon. Toll wäre ein ähnlicher Band, in dem das Vorgehen von EMDR bei unterschiedlichen Indikationen (Krankheitsbildern) außer der klassischen PTBS vorgestellt wird.


Rezension von
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 09.04.2009 zu: Christine Rost (Hrsg.): Ressourcenarbeit mit EMDR. Bewährte Techniken im Überblick. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2008. ISBN 978-3-87387-697-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7316.php, Datum des Zugriffs 18.02.2020.


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ISSN 2190-9245

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