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Rainer Kilb, Jochen Peter (Hrsg.): Methoden für die Soziale Arbeit in der Schule

Cover Rainer Kilb, Jochen Peter (Hrsg.): Methoden für die Soziale Arbeit in der Schule. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2009. 352 Seiten. ISBN 978-3-497-02051-5. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 30,90 sFr.
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Thematischer Rahmen

Schule organisiert im Gewande von verlässlichen Schulsystemen, Ganztagsschulen und ergänzenden Angeboten den Alltag von Kindern und Jugendlichen tagumspannend mit; die Träger der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit, müssen hierauf reagieren (siehe dazu zum Beispiel Bettina Pauli: Kooperation von Jugendarbeit und Schule. Chancen und Risiken, vgl. die Rezension; oder Ulrich Deinet und Maria Icking: Jugendhilfe und Schule. Felder - Themen - Strukturen, vgl. die Rezension). Aus diesen Suchbewegungen resultieren weitere Fragestellungen: Wie positioniert sich Soziale Arbeit konkret im „System Schule“, wie begegnet sie der „Herausforderung Ganztagsschule“, wie „passen“ ihre Methoden in den schulischen Alltag? Auch die vorliegende, von Kilb und Peter herausgegebene Sammlung reiht sich in Überlegungen ein, wie die Antworten hierzu lauten können, so wie sich andere bereits hierzu geäußert haben, zum Beispiel Karl-Heinz Braun und Konstanze Wetzel 2006 mit ihrem Band „Soziale Arbeit in der Schule (vgl. die Rezension).

Herausgeber

Dr. Rainer Kilb (Dipl.-Pädgoge) und Dr. Jochen Peter (Dipl.-Psychologe) sind als Professoren an der Fakultät für Sozialwesen der Hochschule Mannheim tätig: Kilb lehrt Theorie und Praxis Sozialer Arbeit, Gemeinwesenarbeit und Konfliktmanagement, Peter Psychologie in der Sozialen Arbeit.

Aufbau und Inhalt

In ihrem Vorwort stellen die Herausgeber eine wachsende Relevanz von Schule für Exklusion fest: Schule sei „die – biografisch betrachtet – erste Institution, in der über Leistungsbewertungen und die entsprechende Zuordnung zu den verschiedenen Schullaufbahnen zumindest Vorsortierungen mit exkludierenden Folgeprozessen ausgelöst werden können“ (S. 10). Das zwingt Soziale Arbeit, sich dort „zu platzieren“, besitze die doch „eigentlich nur in dieser Form wirklich präventive Möglichkeiten“. Mag man sich dieser Logik freilich nicht unbedingt nur aufgeschlossen zeigen und Bedarf an einer präziseren Diskussion über den „präventiven Charakter“ Sozialer Arbeit entwickeln, so wird doch unstreitig bleiben, dass die von Kilb und Peter zutreffend diagnostizierte Notwendigkeit an „Platzierung“ zu einer Schärfung der in diesem kritischen Arbeitsfeld notwendigen Zugänge und Verfahren führen muss. Jedenfalls würde es jeder unreflektierte Zugang in Schule jenen Inpflichtnahme- und Instrumentalisierungsstrategien leicht machen, denen Soziale Arbeit – auch unter dem Siegel der Prävention – ohnehin schon ausgesetzt ist.

Die Veröffentlichung wird durch die Trennung in eine Grundlegung und einen Methodenteil gut strukturiert:

  • Im ersten Teil, den „Grundlagen“ (S. 14 – 125), wird zunächst „Bildung und Soziale Arbeit als gemeinsame Zukunftsaufgabe“ hinterfragt (erstes Kapitel), der Zusammenhang von Lebenswelt und „Sozialraum Schule“ konturiert (drittes Kapitel) und abschließend schulnahe Felder Sozialen Arbeit (und hier insbesondere die bereits stark schulisch orientierten Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe) vorgestellt (viertes Kapitel). Verschiedene Aspekte methodischen Handels im Arbeitsfeld Schule werden prägnant im zweiten Kapitel dargestellt; die Herausgeber weisen hier selbst darauf hin, es sei ihnen darum gegangen, herauszuarbeiten, wie wichtig methodisches Arbeiten im Verhältnis etwa zum Gewicht von Persönlichkeitsfaktoren in Beziehungskontexten sei und auch ethische Fragestellungen methodischen Arbeitens zu konturieren, wie sie sich auch in der Diskussion neurowissenschaftlicher Befunde zu dieser Fragestellung ergeben.
  • Im zweiten, handlungsorientierten Teil („Handlungspraktische Strategien und Methoden“, S. 128 – 326) werden zunächst grundlegende konzeptionelle Eckpunkte für methodisches Arbeiten im schulischen Feld dargestellt (fünftes Kapitel) und schließlich ein Überblick zu den gegenwärtig dort oft angewandten Prinzipien und Methoden der Sozialen Arbeit gegeben (sechstes Kapitel).

17 Abbildungen, beispielsweise eine Skala zu „Erziehungs- und Entwicklungsbedingungen – Risiken und Ressourcen“ (S. 309), unterstützen die Anschaulichkeit der Darstellung. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis bildet den aktuellen Stand Sozialer Arbeit an und mit Schule ab (S. 327 – 348)

Zielgruppen

Der Band wendet sich Fachkräfte in der Schulsozialarbeit sowie aus der Kinder- und Jugendhilfe, Lehrkräfte, Schulpsycholog/inn/en, Studierende und Lehrende der Sozialen Arbeit, der Pädagogik, der Sozialwissenschaften und alle, die in der Schulsozialarbeit tätig oder am Thema interessiert sind. Insbesondere aber Fachkräfte (vor allem solche, die sich in diesem Arbeitsfeld mit wachsender Relevanz neu orientieren wollen) und Studierende werden von dieser Veröffentlichung profitieren können.

Fazit

„So klappt die Zusammenarbeit von Sozialer Arbeit und Schule!“ – so lautet der Begleittext des Ernst Reinhardt Verlages auf dem Rückeneinband der Veröffentlichung. Dieser Anspruch dürfte sich, trotz aller Wertschätzung für die Veröffentlichung, als allzu leicht und optimistisch erweisen, suggeriert doch eine solche Präsentation eher eine Rezepthaftigkeit, die die Herausgeber nicht wirklich bieten wollen können.

Davon abgesehen: Der Handbuchcharakter, eine strikte Anwendungsorientierung und das breite Spektrum (beispielsweise vom Umgang bei einem Verdacht von Kindeswohlgefährung [S. 246 – 255] bis hin zu Methoden zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit [S. 320 – 326]) sind Kennzeichen des Bandes, der durch gute und logische Strukturierung vom Allgemeinen (zum Beispiel den lebensweltlichen Aspekten) zum Besonderen (das heißt dann lebensweltorientierten Methoden, etwa Community Organizing in- und außerhalb von Schule) überzeugt. Einzelne Passagen können auch isoliert gelesen werden, ohne vermuten zu müssen, den „roten Faden“ zu verlieren. Erfreulich sind die meist kurz gehaltenen Darstellungen, zum Beispiel zu den Handlungsprinzipien der Sozialen Arbeit in der Schule (S. 145), worunter Empowerment (drei Seiten), systemisches Arbeiten (sechs Seiten), Diversity-Management (drei Seiten) und Integration/Community-Spirit (drei Seiten) gebündelt werden; der Nutzwert ist daher und aufgrund der gelungenen Präsentationsform auch für andere Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit hoch. Besonders animativ für die Praxis dürfte es sein, dass die Autorinnen und Autoren – unbeschadet des wirklich umfassenden Literaturverzeichnisses – nach jedem Abschnitt einen Titel zur weiteren Bearbeitung empfehlen, also von dem im Praxissystem oft als „Unsitte“ betrachteten Verfahren Abstand nehmen, Literatur möglichst breit, wenn nicht umfassend, nahe zu legen

Die Herausgeber und die ganz überwiegende Zahl der Autor/inn/en stammen von der Fachhochschule Mannheim oder aus ihrem Umfeld; lediglich drei der 19 Verfasser/innen repräsentieren andere Kontexte. Es ist also nicht ganz auszuschließen, dass sich damit – nochmals: bei aller Wertschätzung des Werkes – eine Verengung der Blickwinkel ergeben könnte. Doch in den verschiedenen Beiträgen werden durchaus unterschiedliche Zugänge und Positionen, zum Beispiel Frage der Methoden, deutlich. Für eine Veröffentlichung dieser Art wäre wohl eine etwas breitere „Streuung“ der Verfasser/innen durchaus angeraten gewesen.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 12.01.2010 zu: Rainer Kilb, Jochen Peter (Hrsg.): Methoden für die Soziale Arbeit in der Schule. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2009. ISBN 978-3-497-02051-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7317.php, Datum des Zugriffs 21.07.2017.


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