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Bertram Scheufele, Ines Engelmann: Empirische Kommunikationsforschung

Cover Bertram Scheufele, Ines Engelmann: Empirische Kommunikationsforschung. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2009. 253 Seiten. ISBN 978-3-8252-3211-5. 19,90 EUR.

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Thema

Behauptungen über die Wirkung von Medien spielen in öffentlichen Debatten immer wieder eine große Rolle. So gründete sich im Jahr 2009 ein „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ und forderte ein Verbot sogenannter „Killerspiele“. Auf öffentlichen Plätzen wollte das Bündnis solche Spiele „einsammeln“. Man machte Computerspiele dafür verantwortlich, dass ein 17-jähriger Schüler im März des Jahres 15 Personen ermordet hatte. Es ist offenbar für viele Menschen schwer zu akzeptieren, dass sich nicht jedes Verbrechen erklären und herleiten lässt und dass menschliche Wesen irrational, grausam und böse handeln können. Also sucht man nach Ursachen und hält sich an vermeintlichen Plausibilitäten fest. Da im Zimmer des Amokläufers von Winnenden Computerspiele gefunden wurden, schien mindestens eine Ursache für den Amoklauf festzustehen. Der gesunde Menschenverstand sage, dass ein Dauerkonsum solcher Produkte schade, hieß es auf der Trauerfeier für die Ermordeten.

Orientierte man sich bei der Beurteilung von Medienwirkungen nur am „gesunden Menschenverstand“, könnten etliche kommunikationswissenschaftliche Institute schließen. Wer Alltagstheorien allerdings misstraut und den Dingen auf den Grund gehen will, kommt um wissenschaftliche Forschungen nicht herum. Mit welchen Methoden die Kommunikationsforschung und besonders ihr auf empirischen Studien basierender Zweig arbeitet, wollen Bertram Scheufele und Ines Engelmann in ihrem Band „Empirische Kommunikationsforschung“ darlegen. Das Buch richtet sich vor allem an Studenten ohne Vorkenntnisse und möchte einen „ersten Gesamtüberblick über die empirische Kommunikationsforschung“ (S. 9) bieten. Es ist als Lehrbuch konzipiert. Die Autoren streben eine „Symbiose aus Verständlichkeit und wissenschaftlichem Anspruch“ (S. 10) an.

Gleich zu Beginn stellen Bertram Scheufele und Ines Engelmann ihren wissenschaftstheoretischen Standpunkt heraus: Sie fühlen sich dem Kritischen Rationalismus verpflichtet, für den Namen wie Karl Raimund Popper und Hans Albert stehen. Innerhalb der Kommunikationswissenschaft vertreten die Verfasser das „quantitative Paradigma“, das auch den Schwerpunkt des Buches bildet. Sie kündigen an, den Gegensatz dieser Position zum „qualitativen Paradigma“ nachvollziehbar zu erklären. Auf Dogmatismus wollen sie verzichten.

Das Thema des Buches von Scheufele und Engelmann darf aus zwei Gründen als besonders wichtig gelten: Zum einen schrecken manche Studenten vor dem scheinbar trockenen und schwierigen Gegenstand zurück – eine Einführung, die methodische Fragen anschaulich erörtert und bei den Lesern Interesse weckt, könnte Studenten die Forschungspraxis näherbringen. Zum anderen besteht, wie Initiativen für Medienverbote stets von neuem zeigen, ein Zusammenhang zwischen Behauptungen von Medienwirkungen und Politik. Befürworter von Zensurmaßnahmen und Medienverboten berufen sich immer wieder auf angebliche Medienwirkungen – die empirische Kommunikationsforschung könnte hier zu einer differenzierteren Sicht beitragen.

Autoren

Bertram Scheufele ist Professor für empirische Methoden der Kommunikationswissenschaft an der Universität Jena. Er hat seine Magisterarbeit bei Hans Mathias Kepplinger in Mainz geschrieben und bei Hans-Bernd Brosius in München promoviert. Ines Engelmann arbeitet ebenfalls an der Universität Jena, sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin von Scheufele. Ihre Magisterarbeit wurde von Werner Früh in Leipzig betreut.

Aufbau und Inhalt

Bertram Scheufele und Ines Engelmann gliedern ihr Buch in fünf Kapitel:

  1. Grundlagen und Grundbegriffe
  2. Stichprobenbildung
  3. Untersuchungsanlagen
  4. Methoden der Datenerhebung
  5. Statistische Auswertungsverfahren

Im ersten Kapitel „Grundlagen und Grundbegriffe“ erläutern Scheufele und Engelmann zunächst die Abläufe empirischer Forschung. Dabei betonen sie, dass auch in empirische Studien unbewusste Annahmen und bestimmte Menschenbilder einfließen können. Die Autoren vergleichen immer wieder gegensätzliche Positionen wie den „erkenntnistheoretischen Realismus“ und den „erkenntnistheoretischen Konstruktivismus“, den „Kritischen Rationalismus“ und die „Kritische Theorie“, das „quantitative“ und das „qualitative Paradigma“ oder „erklären“ versus „verstehen“. Sie machen deutlich, welche Auffassungen sie selbst vertreten, bemühen sich aber um eine faire und vermittelnde Darstellung. Als Prinzipien empirischer Forschung heben die beiden Autoren das Falsifikationsprinzip und die Intersubjektivität hervor.

Den Begriff des „Informationsgehalts von Hypothesen“ erklären Bertram Scheufele und Ines Engelmann an einem Beispiel aus der Computerspielforschung. Die Hypothese „Wenn eine Person den Ego-Shooter ,Counter-Strike‘ spielt, dann wird sie aggressiver“ (H 1) lasse sich durch Veränderungen der „Dann-Komponente“ oder der „Wenn-Komponente“ präzisieren: „Wenn eine Person den Ego-Shooter ,Counter-Strike‘ spielt, dann wird sie um 50 Prozent aggressiver“ (H 2) oder „Wenn eine Person den Ego-Shooter ,Counter-Strike‘ jeden Tag spielt, dann wird sie aggressiver“ (H 3). Der Informationsgehalt von H 2 sei höher als der von H 1, weil es mehr Fälle gebe, durch die die These falsifiziert werden könne. Demgegenüber sei der Informationsgehalt von H 3 niedriger als der von H 1; denn hier sei die Zahl der falsifizierenden Fälle geringer: Falsifikatoren dieser Hypothese seien hier nur Menschen, die täglich ,Counter-Strike‘ spielten, aber nicht aggressiver würden. Die Autoren formulieren daraus einen „Merksatz„: „Wenn wir nur die Dann-Komponente präzisieren, steigt der Informationsgehalt der Hypothese. Wenn wir nur die Wenn-Komponente präzisieren, sinkt er.“ (S. 47)

Ebenfalls mit vielen Beispielen reichern Scheufele und Engelmann ihr zweites Kapitel „Stichprobenbildung“ an. Da man so gut wie nie die gesamte Bevölkerung eines Landes befragen kann, kommt es darauf an, eine Auswahl zu treffen. Diese sollte Schlüsse auf die „Grundgesamtheit“ zulassen. Die Autoren gehen darauf ein, welche Regeln für die Auswahl einer Stichprobe sinnvoll sind und wie man bei der Auswahl verfahren sollte. Sie führen eine Vielzahl von Begriffen ein und bringen den Lesern mathematische Modelle näher. Man erfährt etwas über „Stichprobenmittelwerteverteilung“, „Konfidenz“, den „Einstichprobentest des arithmetischen Mittels“ sowie „einfache“ und „systematische Zufallsstichproben“, um nur einige Begriffe zu nennen.

Wichtig sind Hinweise auf mögliche Fehlerquellen bei der Stichprobenziehung, etwa auf das Problem, dass Online-Umfragen in der Regel nur die Internetnutzer erfassen, die sich eine bestimmte Seite ansehen und die bereit sind, auf die Umfrageseiten zu klicken. Scheufele und Engelmann beziehen sich nicht nur auf Umfragen, sondern auch auf Inhaltsanalysen und Experimente. So beschreiben sie zum Beispiel die Auswahl von Untersuchungspersonen bei einem Experiment, welches untersuchen soll: Verstärken Gewaltfilme das Aggressionspotential von Menschen?

Das dritte Kapitel ist den „Untersuchungsanlagen“ gewidmet. Bevor die Autoren ausführen, wie man empirische Studien anlegen kann oder sollte, erläutern sie wiederum einige zentrale Begriffe, allen voran den Begriff der „Kausalität“, welcher als „Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen zwei Variablen“ (S. 85 f.) definiert wird. Bertram Scheufele und Ines Engelmann heben mit Bezug auf den Kommunikationsforscher Paul F. Lazarsfeld hervor, dass man nur dann von Kausalität sprechen sollte, wenn drei Bedingungen erfüllt seien: ein Zusammenhang zwischen den Variablen X und Y, eine eindeutige Kausalrichtung zwischen X und Y und der Ausschluss von Drittvariablen Z. An der häufig erwähnten Korrelation zwischen rückläufiger Storchenpopulation (X) und sinkender Geburtenrate (Y) zeigen die Verfasser, wie problematisch es sein kann, wenn man Drittvariablen – wie in diesem Fall die Urbanisierung (Z) – nicht beachtet.

Die Autoren nennen drei Kriterien oder „Dimensionen“, mit deren Hilfe man Untersuchungsdesigns auseinanderhalten kann:

  • die „Kontrolldimension“: die Frage, wie sehr man die Bildung von zwei Vergleichsgruppen bestimmen und überprüfen kann; bei Experimenten ist das möglich, bei nicht-experimentellen Designs nicht;
  • die „Zeitdimension“: die Unterscheidung, ob Daten zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben werden („Querschnittdesign“) oder zu mindestens zwei Zeitpunkten über einen längeren Zeitraum („Längsschnittdesign“);
  • die „Erhebungsdimension“: Erhebt man die Daten selbst und nimmt beispielsweise selbst eine Inhaltsanalyse vor („Primärerhebung“, „Primäranalyse“), oder greift man auf schon vorhandene Daten und Statistiken zurück („Sekundärerhebung“, „Sekundäranalyse“)?

Scheufele und Engelmann stellen die einzelnen Verfahren sodann im Detail vor. Dabei beleuchten sie sowohl Probleme als auch Möglichkeiten einzelner Forschungsdesigns. Zu den Beispielen, welche die Autoren erwähnen, gehören die Experimente von Albert Bandura, Dorothea Ross und Sheila A. Ross zur sozialen Lerntheorie, in denen Kinder beobachten, wie Gewalt gegen eine Stehaufpuppe, die „Bobo Doll“, ausgeübt wird.

Im vierten Kapitel „Methoden der Datenerhebung“ beschäftigen sich Bertram Scheufele und Ines Engelmann ausführlich mit drei empirischen Methoden: der Befragung, der Inhaltsanalyse und der Beobachtung. Sie definieren „Methode“ als „Verfahren zur primären Erhebung empirischer Daten“ und grenzen davon den Begriff des „Instrumentes“ ab, der „alle Regeln zur konkreten Durchführung“ umfasse (S. 118). Eine Tabelle, die auf Hans-Bernd Brosius, Friederike Koschel und Alexander Haas zurückgeht, bietet ein Raster zur Unterscheidung an, und zwar nach „Instrument“, „Merkmalsträger“, „Merkmal“ und „Erhebungsform“. Danach ist beispielsweise die Erhebungsform bei einer Befragung das Interview, bei einer Inhaltsanalyse die Codierung und bei einer Beobachtung die Protokollierung. Als Instrumente gelten demgegenüber ein Fragebogen oder Leitfaden bei der Befragung, ein Codebuch oder Codierleitfaden bei der Inhaltsanalyse und ein Beobachtungsschema bei der Beobachtung.

Auch in diesem Kapitel nennen die Autoren nicht nur Vorzüge der einzelnen Methoden, sondern auch Schwierigkeiten. So antworten manche Menschen bei Befragungen verzerrt, weil ein Interviewer oder ein Familienmitglied anwesend ist oder weil sie zu sozial erwünschten Antworten neigen, etwa bei Fragen nach extremistischen oder pornographischen Medien. Bei der Inhaltsanalyse kann es vorkommen, dass Codierer dieselben Nachrichten unterschiedlich auffassen und unterschiedlich codieren. Wenn die Beobachteten bei einer Beobachtung wissen oder bemerken, dass sie beobachtet werden, verhalten sie sich möglicherweise nicht mehr so wie sonst. Auch der Beobachter selbst kann Fehler machen: Er erinnert sich nicht mehr genau, formuliert sein Protokoll unklar oder schätzt das beobachtete Verhalten falsch ein.

Wie die erhobenen Daten ausgewertet werden können, ist schließlich Gegenstand des fünften und letzten Kapitels „Statistische Auswertungsverfahren“. Bertram Scheufele und Ines Engelmann betonen, es gehe ihnen nicht darum, statistische Detailkenntnisse zu vermitteln. Vielmehr wollten sie zeigen, welche Verfahren bei welchen Forschungsfragen sinnvoll eingesetzt werden könnten; es gehe ihnen nicht um den „Rechenweg“. Die Autoren erwähnen drei Zweige der Statistik:

  • die „deskriptive Statistik“: Ihr Ziel ist es, mit Hilfe von Tabellen oder Kennziffern Daten wiederzugeben;
  • die „Inferenzstatistik“: Sie bietet die Mittel, um von einer Stichprobe auf die Grundgesamtheit zu schließen;
  • die „Wahrscheinlichkeitstheorie“: Sie liefert die mathematischen Grundlagen für die Inferenzstatistik.

Scheufele und Engelmann beschränken sich danach auf die Darstellung von drei Auswertungsverfahren, nämlich von „univariaten“, „bivariaten“ und „multivariaten“ Auswertungsverfahren. Außerdem geben sie Einblicke in „multivariate Verfahren zur Datenexploration“. Als „univariates Auswertungsverfahren“ wird demnach die Beschreibung der empirischen Verteilung eines einzelnen Merkmals bezeichnet, also zum Beispiel der TV-Sehdauer. Will man die Verteilung zweier oder mehrerer Merkmale oder die Zusammenhänge zwischen zwei oder mehreren Merkmalen beschreiben, dann nimmt man eine „bivariate“ oder eine „multivariate“ Analyse vor. Man betrachtet dann etwa den Zusammenhang zwischen TV-Sehdauer und Lebensalter. Die Autoren gehen auf bestimmte Verfahren näher ein: etwa auf die Regressionsanalyse, die Varianzanalyse, die Faktorenanalyse und die Clusteranalyse.

Zu erwähnen ist schließlich noch, wie die Verfasser ihre Informationen präsentieren. Bertram Scheufele und Ines Engelmann bieten dem Leser vielfältige Orientierungshilfen. Sie stellen jedem Kapitel noch einmal ein Verzeichnis der Untergliederungen und eine kurze Zusammenfassung voran. Auf fast jeder Seite finden sich Randnotizen, die die zentralen Gegenstände benennen. Beispiele, Definitionen und sogenannte „Merksätze“ werden in eigenen „Informationskästen“ dargeboten. Mit Hilfe von 18 Übungsaufgaben kann der Leser testen, was er verstanden hat. Die Lösungen stehen am Ende des Buches. Neben einem Literaturverzeichnis enthält der Band einen Sachindex.

Diskussion

Bei einem vorgegebenen Umfang ergibt sich oft das Problem, dass manches nur kurz erwähnt werden kann und die Darstellung an der Oberfläche bleibt. Auf 253 Seiten kann man eben nicht alles unterbringen, was wünschenswert wäre. Gleichwohl drängt sich an einzelnen Stellen der Wunsch nach mehr Ausführlichkeit auf, so bei den Erläuterungen zum Verhältnis von Theorie und Empirie und in den Abschnitten, die sich mit mathematischen Fragen befassen.

Bei einigen Forschern und Studenten ist ein äußerst naives Verständnis von Theorie und deren Entstehung zu beobachten. So liest man zuweilen, eine Theorie müsse „hergeleitet“ werden oder „empirisch fundiert sein“. Den Vertretern des Kritischen Rationalismus zufolge ist es dagegen völlig gleichgültig, woher eine Theorie stammt oder worauf sie fußt. Wichtig ist nur, dass sie an der Erfahrung scheitern kann, dass sich aus ihr also Hypothesen ableiten lassen, die man empirisch überprüfen kann. Der Entdeckungs- oder Entstehungszusammenhang der Theorie spielt dabei keine Rolle. Darauf sollte in einer Einführung in die empirische Kommunikationsforschung deutlich hingewiesen werden. Dass sich Bertram Scheufele und Ines Engelmann überhaupt länger mit wissenschaftstheoretischen Grundlagen beschäftigen, ist sehr hilfreich. Sie erwähnen sogar Kritiker des Kritischen Rationalismus, die ihm eigentlich nahestehen, wie Imre Lakatos, Paul Feyerabend oder Thomas S. Kuhn, gehen auf sie allerdings nicht näher ein, „weil auch die Vorstellungen der Kritiker (…) nicht ohne Widerspruch blieben“ (S. 23).

Für die ins Auge gefasste Zielgruppe von Studenten ohne Vorkenntnisse könnten auch die Teile des Buches, in denen es um mathematische Fragen geht, etwas umfassender ausfallen, so zum Beispiel der Abschnitt „Testen“ oder das Kapitel „Statistische Auswertungsverfahren“. Wer Kommunikationswissenschaft studiert, interessiert sich in der Regel für Medien und für Menschen und gerade nicht für Zahlen. Deshalb würde sich besonders in solchen Abschnitten eine einfache und breitere Darstellung empfehlen.

Im Kapitel über Methoden der Datenerhebung hätte man sich schließlich gewünscht, dass sich die Autoren auch mit qualitativen Interviews gründlicher befasst hätten. Sie beschränken sich auf Erläuterungen zur standardisierten Befragung. Hier scheint sich die Grundposition der Autoren als Anhänger quantitativer Forschung doch auszuwirken. Auch die Auseinandersetzung mit abgelehnten Auffassungen wirkt vereinzelt wenig überzeugend, etwa wenn Scheufele und Engelmann über eine bestimmte methodologische Position schreiben, an ihr sei mehrfach und berechtigt Kritik geübt worden, und dann einen Text von Scheufele als Beleg anführen (S. 77). Sich selbst zu bescheinigen, dass man recht hat, ist nicht sehr erhellend.

Diese Einwände sollten allerdings den sehr guten Gesamteindruck nicht schmälern. Scheufele und Engelmann erklären ihren Gegenstand kenntnisreich und verständlich. Das Buch ist flüssig geschrieben. Dass die Verfasser gleich zu Anfang ihren eigenen Standpunkt darlegen, ist ein Zeichen wissenschaftlicher Fairness, das man sich auch bei anderen Publikationen wünschte. Dogmatismus ist dem Buch fremd. Es löst den Anspruch, Verständlichkeit und wissenschaftlichen Anspruch zu verbinden, in hohem Maße ein. Hervorzuheben ist, dass Scheufele und Engelmann ihre Erläuterungen immer wieder mit anschaulichen Beispielen illustrieren und dem Leser so verdeutlichen, welchen Sinn und Zweck empirische Untersuchungen überhaupt haben. Sie wecken damit zugleich Neugier auf die Studien, die sie in ihren Beispielen erwähnen.

Schön wäre es gewesen, wenn die Autoren diese Neugier in mindestens einem Fall einmal befriedigt hätten: Sie erwähnen Forschungen zu Computerspielen und zu Fragen von Medien und Gewalt. Man vermisst hier einen kurzen Blick auf vorhandene Studien und deren Ergebnisse. Dies hätte die Darstellung noch überzeugender wirken lassen und dem Leser Argumente für politische Debatten an die Hand gegeben, aber wahrscheinlich den Rahmen und die Konzeption des Buches gesprengt.

Fazit

Bertram Scheufele und Ines Engelmann legen eine gelungene Einführung in die empirische Kommunikationsforschung vor. Sie gehen auf zentrale Gebiete der empirischen Forschung ein: wissenschaftstheoretische Grundlagen, Stichprobenbildung, Untersuchungsanlagen, Methoden der Datenerhebung, statistische Auswertungsverfahren. Auch wenn man sich bei manchen Themen ausführlichere Erläuterungen erhofft hätte, wird man über die empirische Kommunikationsforschung umfassend informiert. Es handelt sich um eine fundierte und kenntnisreiche Darstellung. Trotz eines klaren Bekenntnisses zur quantitativen Forschung vermeiden die Autoren Engstirnigkeit oder Polemik. Der Band ist verständlich geschrieben, übersichtlich aufgebaut und leserfreundlich gestaltet. Gerade für Studenten ohne Vorkenntnisse ist das Buch von Scheufele und Engelmann unbedingt empfehlenswert. Es könnte sich zum Standardwerk in kommunikationswissenschaftlichen Einführungskursen entwickeln.


Rezension von
Prof. Dr. Stephan Buchloh
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Homepage www.ph-ludwigsburg.de/kumebi


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Zitiervorschlag
Stephan Buchloh. Rezension vom 17.11.2009 zu: Bertram Scheufele, Ines Engelmann: Empirische Kommunikationsforschung. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2009. ISBN 978-3-8252-3211-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7356.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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