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Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Eine Stadt für uns alle

Cover Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Eine Stadt für uns alle. Handbuch zur Entwicklung kommunaler Strukturen für die Jugendbeteiligung. Verlag Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) 2008. 188 Seiten. ISBN 978-3-89204-986-9. 25,00 EUR, CH: 43,90 sFr.
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Thema

Seit Anfang der 1990iger Jahre ist die Partizipation von Kindern und Jugendlichen ein Thema, das stetig an Bedeutung gewinnt. Überlegungen zu Standortmarketing und die Sorge um einen künftigen Mangel an staatsbürgerlichem Engagement, fördern die Bereitschaft von Städten und Gemeinden, sich für Kinder- und Jugendmitwirkung einzusetzen. Im Zuge dieser Entwicklung sind immer mehr Kommunen bereit, die Partizipation von Kindern und Jugendlichen strukturell zu verankern. Beim vorliegenden Buch handelt es sich um eine Praxisanleitung für die Initiierung, die Umsetzung und die Evaluation ebensolcher Projekte. Sie fußt auf den Erfahrungen, die mit der Initiative „mitWirkung!“ gesammelt wurden, welche die Stiftung Bertelsmann mit UNICEF, dem Deutschen Kinderhilfswerk, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und der Gemeinschaftsaktion „Schleswig-Holstein – Land für Kinder“ im Jahr 2004 gestartet hat. Die Erfahrungen, die in den Modellkommunen Essen und Saalfeld gesammelt wurden, wurden für diese Publikation ausgewertet und verdichtet. Herausgekommen ist dabei eine Best Practice-Empfehlung, die sich Schritt für Schritt an Praxisverfahren orientiert.

Autoren/Hintergrund

Die Bertelsmann Stiftung führt diverse Projekte durch, die zum Ziel haben, den Staat marktwirtschaftlich zu liberalisieren und dessen Bürgerinnen und Bürger vermehrt in die Pflicht zu nehmen. Das vorliegende Buch passt sich in die Bemühungen der Bertelsmann Stiftung um diese verstärkte Forderung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements ein. Dem Leitbild der Stiftung nach sollen „die Grundsätze unternehmerischer, leistungsgerechter Gestaltung in allen Lebensbereichen zur Anwendung gebracht werden“, stets nach dem Prinzip „so wenig Staat wie möglich“. Als Autorinnen und Autoren werden aufgeführt:

  • Sigrid Meinhold Henschel (Projektleiterin von „mitWirkung!“)
  • Stephan Schack (Sozialarbeiter/ Sozialpädagoge FH) von der Bertelsmann Stiftung
  • Friedrich-Wilhelm Meyer (Diplom-Pädagoge; Dr. rer.soc.),
  • Elke Bruckner (Diplom-Soziologin)
  • Kathrin Opitz (Diplom-Betriebswirtin) von „GEBIT“, einem privaten sozialwissenschaftlichen Institut mit Firmensitz in Münster (Westfalen).

Aufbau

Das Handbuch „Eine Stadt für uns alle“ ist in vier Abschnitte unterteilt.

  1. Den Prozess auf den Weg bringen
  2. Den Prozess in der Kommune verankern
  3. Über den Prozess informieren
  4. Die Qualität im Prozess sichern und evaluieren

Auf der beigelegten CD-ROM befinden sich diverse Vorlagen und Hilfsmittel für den Eigengebrauch.

1. Den Prozess auf den Weg bringen

Das erste Kapitel befasst sich mit den Voraussetzungen und den Startbedingungen der kommunalen Verankerung von Kinder- und Jugendpartizipation. Dabei wird unterschieden zwischen drei möglichen Wegen zur Partizipation: „Top Down“, Anstoß aus der Mitte und „Bottom Up“. Die AutorInnenschaft räumt der ersten Variante, in der von politischen Entscheidungsträgern der Impuls gegeben wird, die größten Chancen zur nachhaltigen Verankerung ein, währenddessen eine Initiative, die von Kindern oder Jugendlichen ausgeht, erfahrungsgemäß kaum Chancen hat, bis zur Verankerung von Rechten auf kommunaler Ebene durchzustoßen. Anhand einiger Leitfragen am Ende des ersten Teils lässt sich eine erste Standortbestimmung über die Voraussetzungen der Verankerung von Kinder- und Jugendbeteiligung in Kommunen durchführen. Der zweite Teil des ersten Kapitels besteht aus einer Sammlung von Argumenten für Kinder- und Jugendpartizipation, die von der Kinderrechtskonvention über den pädagogischen Effekt von Beteiligung bis hin zu Partizipation als „weichem Standortfaktor“ reichen. Der dritte Teil schließlich, befasst sich mit der konkreten Vorbereitung eines Vorhabens: wer verfolgt welche Interessen in Bezug auf das angestrebte Projekt und wie muss ich mein Vorhaben legitimieren?

2. Den Prozess in der Kommune verankern

Das zweite Kapitel beschreibt die Rollenverteilung in, und die Steuerung von Partizipationsprozessen. Detailliert aufgeführt werden die Anforderungen an Verwaltung, strategische Partner, Steuerungsgruppe und Formen der Kinder- und Jugendbeteiligung. Die AutorInnen beschreiben sehr praxisorientiert Schwierigkeiten, die während des Prozesses auftauchen können und gibt Empfehlungen ab, wie sich diese verhindern, respektive wie mit den Problemen im Verlauf des Projekts umgegangen werden könnte. Darüber hinaus findet sich in diesem Kapitel eine Fülle von wichtigen Grundlageninformationen für Partizipationsprozesse Kinder- und Jugendliche betreffend, wie Tipps im Umgang mit Jugendlichen während des Prozesses, die Rollen von Jugendhilfe und Schule eine Anleitung zur Zielbestimmung und vieles mehr.

3. Über den Prozess informieren

Um Kinder- und Jugendpartizipation in der Kommune zu verankern, bedarf es verschiedener Kommunikationsmaßnahmen. Das dritte Kapitel führt auf, wie Kommunikation gelingen kann und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. Die Kommunikationsansprüche an jede Zielgruppe werden dabei einzeln beschrieben. Hilfreich wären hier sicherlich ein paar Praxisbeispiele, da eine solch umfangreiche Zahl an Tipps und Handlungsanweisungen unter Umständen einschüchternd wirken kann.

4. Die Qualität im Prozess sichern und Evaluieren

Auch in diesem Kapitel wird eine Fülle von Instrumenten angeboten: Auf der beigelegten CD-ROM finden sich diverse Fragebögen und Vorlagen, welche individuell übernommen werden können.

Diskussion

Das Handbuch ist, wie der Name schon sagt, sehr praktisch ausgerichtet. Es eignet sich als Hintergrundinformation für Profis, die Projekte begleiten und steuern, welche zum Ziel haben, Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen in der Kommune verankern. Die Bedeutung des Handbuchs sollte jedoch nicht überschätzt werden. Die dort beschriebenen Methoden und Werkzeuge sind eigentlich hinlänglich bekannt. Die Methoden können auch nicht mithilfe des Handbuchs durchgeführt werden, dazu bedarf es profunderer Kenntnisse und Erfahrungen der Projektleitenden. Das Handbuch eignet sich jedoch sehr wohl als Nachschlagewerk, welches vor und während einem Projekt zwischendurch immer wieder konsultiert werden könnte, um zu kontrollieren, ob an alle wichtigen Punkte gedacht wurde.

Fazit

Obwohl das Handbuch nicht viel neues an Methoden zu bieten hat, ist es doch sehr geeignet und hilfreich für Projektleitende. Es enthält eine große Fülle an praktischen Informationen, deren gelungene Gliederung es erlaubt, das Handbuch direkt projektbegleitend einzusetzen.


Rezension von
Line Boser
Soziokulturelle Animatorin FH Projektleiterin Mega!phon, Kinder- und Jugendpartizipation Stadt Zürich


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Zitiervorschlag
Line Boser. Rezension vom 27.10.2009 zu: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Eine Stadt für uns alle. Handbuch zur Entwicklung kommunaler Strukturen für die Jugendbeteiligung. Verlag Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) 2008. ISBN 978-3-89204-986-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7400.php, Datum des Zugriffs 14.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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