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Dennis Alexander Ostwald: Wachstums- und Beschäftigungseffekte der Gesundheitswirtschaft[...]

Cover Dennis Alexander Ostwald: Wachstums- und Beschäftigungseffekte der Gesundheitswirtschaft in Deutschland. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2009. 222 Seiten. ISBN 978-3-939069-84-3. 39,95 EUR.

Reihe: Health capital papers.
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Thema

Die Gesundheitswirtschaft zeichnet sich durch auffällige Wachstums- und Beschäftigungspotenziale aus, denn trotz zahlreicher Unsicherheiten heutzutage bleibt der Gesundheitsmarkt – mit bundesweit ca. 4,2 Mio. Arbeitsplätzen - ein stabiler Wachstumsmarkt. In den HealthCapital Papers, Schriftenreihe der Gesundheitsregionen Berlin-Brandenburg (Hrsg.: Günter Stock) hat der Autor im Rahmen seiner Dissertation diese oft propagierte Wachstumsidee der Gesundheitswirtschaft einer empirischen Überprüfung in Richtung Wertschöpfungskategorien unterzogen. So soll die folgende zentrale Fragestellung der Arbeit beantwortet werden, „ob die deutsche Gesundheitswirtschaft bzw. die dazugehörigen Wirtschaftszweige in der Vergangenheit tatsächlich Wachstums- und Beschäftigungstreiber waren und wie sie sich in Zukunft entwickeln werden“. Die Effekte berücksichtigen die Zeitspanne von 1996- 2030 und nutzen Produktionswerte, als auch Erwerbstätigenzahlen der Jahre 1996- 2005.

Autor

Der Autor publiziert mit diesem Werk seine Dissertation, die an der Universität Darmstadt, Fachbereich Finanz- und Wirtschaftspolitik, Prof. Bernt Rürup, entstanden ist. Rürup und auch Eberhard Wille (Mannheim) widmen diesem Buch ein kurzes Vorwort und betonen neben der Aktualität des Themas auch, dass es an einer „validen Datenbasis“ für die Gesundheitswirtschaft mangelt, um in Wirtschaftsschöpfungskategorien zu diskutieren.

Aufbau und Inhalt

Sieben Kapitel umfasst das Buch (inklusive Einleitung und Fazit), um die zentrale Aussage zu bestätigen, dass die „gängige Wachstumshypothese für die Gesundheitswirtschaft einer validen empirischen Überprüfung allenfalls in engen Grenzen standhält“. Mit Hilfe des „Wertschöpfungsansatzes“ schafft der Autor die Möglichkeit, einzelne Wirtschaftszweige zu quantifizieren.

Im Ergebnis zeigen sich differenzierte Berechnungen und Analysen der Gesundheitsbranche in den Bereichen Wachstum und Beschäftigung. Dazu lassen sich z.B. die Parameter der demografischen Entwicklung, des medizinischen Fortschritts und des wirtschaftlichen Strukturwandels einbeziehen und quantifizieren. Diese klare Erkenntnis zur Werkzeugnutzung und zur Erfolgsmessung ist innovativ und zu würdigen. Denn herkömmliche Statistiken im Gesundheitsbereich berücksichtigen kaum die Operationalisierung von volkswirtschaftlichen Wirkungen bzw. Kategorien der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung /VGR, die als produktiver, „wertschöpfender“ Teil der deutschen Volkswirtschaft abgebildet wird. Sondern sie stellen insbesondere den konsumtiven Ausgabenfaktor (Gesundheitsausgabenrechnung) in den Mittelpunkt.

Der Autor konzentriert sich entsprechend der Systematik der VGR auf die Potenziale und Auswirkungen verschiedener Wirtschaftszweige in ganz Deutschland. Als seine Methodik wählt er die OECD Ansätze, Satellitenkontos für die Gesundheitsbranche. Aus wirtschaftspolitischer Sicht erscheint es relevant, im Satellitenkonto insbesondere auch die zunehmend wachsenden Bereiche außerhalb der typischen Leistungen zu begreifen, da von ihnen entscheidende Auswirkungen auf die Beschäftigung und Produktivität der Volkswirtschaft ausgehen.

Nicht verwunderlich wird als Resultat der Berechnungen deutlich, dass in der untersuchten Zeitspanne der Zuwachs der Erwerbstätigen innerhalb der Gesundheitswirtschaft fast vier mal so hoch war, wie in der Gesamtwirtschaft. Allerdings weisen die einzelnen Wirtschaftszweige der Branche sehr unterschiedliche Wachstums- und Beschäftigungseffekte auf: hohe Zuwächse im Gesundheits- und Sozialwesen, Arbeitsplatzabbau mit bremsenden Effekten im verarbeitenden Gewerbe. Interessant wird die Analyse bei der Betrachtung zukünftiger Entwicklungen, wo die treibende Wirkung bis 2030 im Gesundheits- und Sozialwesen nachlassen wird, wenn doch die Bruttowertschöpfung überdurchschnittlich (ca. plus 58 %) ansteigen wird. Bei der prognostischen Darstellung der Beschäftigungsentwicklung zeigt sich, „dass im Gesundheits- und Sozialwesen (plus 19%) sowie der Forschung und Entwicklung im Bereich Medizin (plus ca. 65%)“ mit deutlichen Zunahmen gerechnet werden kann.

Zielgruppen

Wer sich tiefer mit dieser prosperierenden Branche der Gesundheitswirtschaft auseinandersetzen möchte und Interesse hat, einige Daten der GBE des Bundes unter anderen Vorzeichen zu berechnen sowie den Wertschöpfungsansatz als Werkzeug für die Berechnungen hinzuzuziehen, der wird Gefallen an dem Buch finden. Es bietet zudem wertvolle konzeptionelle Hinweise für Kenner der Branche, zahlreiche ergänzende Hintergrundinformationen und ggf. auch neue Aspekte bei der Berechnung oft publizierter Prognosen für die Gesundheitswirtschaft.

Fazit

Der vieldiskutierte Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen meint nicht nur den Wechsel von der Kostendämpfungsdiskussion hin zu mehr Ergebnisbetrachtung, das z.B. als Krankheitsvermeidungsstrategien oder anhand von mehr Präventions- und Gesundheitsförderungsleistungen insbesondere von Public Health Experten betont wird. Sondern die Gesundheitswirtschaft wird zunehmend als eine der personalintensivsten Dienstleistungsbranchen begriffen und wird selbst bei Ausgabensteigerungen als durchaus positiv eingeschätzt, so dass vielfach von einem Wachstums- und Beschäftigungstreiber die Rede ist. Die Arbeit von Ostwald möchte die Prognose widerlegen, dass die Gesundheitswirtschaft auch in Zukunft als Wachstumstreiber agieren wird.


Rezension von
Prof. Dr. Johanne Pundt
Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft GmbH, Dekanin Fachbereich Gesundheitsökonomie
Homepage www.apollon-hochschule.de
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Zitiervorschlag
Johanne Pundt. Rezension vom 05.01.2011 zu: Dennis Alexander Ostwald: Wachstums- und Beschäftigungseffekte der Gesundheitswirtschaft in Deutschland. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2009. ISBN 978-3-939069-84-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7428.php, Datum des Zugriffs 27.01.2022.


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