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Markus Bühner, Matthias Ziegler: Statistik für Psychologen und Sozialwissenschaftler

Cover Markus Bühner, Matthias Ziegler: Statistik für Psychologen und Sozialwissenschaftler. Pearson Education Deutschland (Hallbergmoos) 2008. 752 Seiten. ISBN 978-3-8273-7274-1. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 67,00 sFr.

Reihe: Pearson Studium - Psychologie.
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Thema

Die hier zu besprechende „Einführung in die Statistik befasst sich mit den Grundlagen häufig angewandter statistischer Methoden in den Sozialwissenschaften“ (Klappentext). Thematisch werden Schwerpunkte gesetzt, die den Bereichen der Bachelorstudiengänge angelehnt sind.

Autoren

Markus Bühner leitet die Abteilung Psychologische Methodenlehre und Evaluation an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit dem 01.04.2009 vertritt er die Professur für Methodenlehre an der Philipps-Universität Marburg.

Von 1990 bis 1996 studiert Bühner Psychologie in Würzburg. 2000 promovierte er zu dem Thema „Die Bedeutung von mentaler Operation und Material bei der Erfassung der Konzentrationstest-Leistung: Ein Beitrag zur Validität von Durchstreichtests.“

2007 habilitierte sich Bühner an der Philipps-Universität Marburg für das Fach Psychologie, insbesondere Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie. Das Habilitationsthema war: „Sind Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit distinkte Funktionen?“

Matthias Ziegler (Jahrgang 1978) ist promovierter Diplompsychologe und zur Zeit Professor für Psychologische Diagnostik an der Humboldt Universität zu Berlin. 2007 promovierte Ziegleran der Ludwig-Maximilians Universität in München zum Thema "Situational Demand and Its Impact on Construct and Criterion Validity of a Personality Questionnaire: State and Trait, a Couple you just can't Study Separately!"

Entstehungshintergrund

Bühner und Ziegler haben sich die Situation vor Augen geführt, wenn eine statistische Frage auftaucht und möglichst schnell beantwortet werden soll. Dies kann der Fall sein, wenn ein Kandidat eine Bachelor- oder Masterarbeit verfasst oder ein Dozent seine Lehrveranstaltung mit korrekten Inhalten füllen will. Die Autoren sehen „Statistik als Tool, das einer Person auf dem Weg im Forschungsprozess […] hilft“ (S. 1). In diesem Buch versuchen die Verfasser das Verstehen der statistischen Grundlagen und die Anwendung mit Statistiksoftware, ein Problem das sonst immer nur mit zwei themenspezifischen Büchern angegangen werden kann, zu vereinigen. Dabei ist es nicht as Ziel den Leser abzuschrecken, sondern denselben auch mit wenig Vorwissen abzuholen und zu begleiten. Die Lektüre des Buches soll den Studierenden im Endstadium dabei helfen, ihre Bachelor- oder Masterarbeit anzufertigen.

Aufbau

Der Einführung, in der u. a. auch die einzelnen Kapitel beschrieben werden folgt in Kapitel 2 die Behandlung der Messtheorie und deskriptiven Statistik (2.1: Messen; 2.2: Deskriptive Statistiken; 2.3: Grafische Darstellungen; 2.4: Vorgehen in SPSS).

Das dritte Kapitel befasst sich mit den Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung (3.1: Begriffsklärung; 3.2: Bestimmung der Wahrscheinlichkeit für ein Ergebnis; 3.3: Bestimmung der Wahrscheinlichkeit für das Eintreten mehrerer Zufallsereignisse; 3.4: Kombinatorik).

Kapitel 4 setzt sich mit der Interferenzstatistik auseinander (4.1: Hypothesentests; 4.2: Effektstärke; 4.3: Fehler 2. Art und Teststärke; 4.4: Der Ärger mit der Wunschhypothese; 4.5: Versuchsplanung mit G*Power; 4.6: Zusammenfassung Hypothesentests; 4.7: Gebräuchliche Verteilungen).

Im fünften Kapitel wird der Leser mit den parametrischen und nonparametrischen Tests zur Unterschiedsprüfung konfrontier (5.1: Parametrische Verfahren bei zwei Gruppen; 5.2: Nonparametrische Verfahren; 5.3: Nonparametrische Verfahren (nominale Messwerte)).

Den Verfahren zur Prüfung von Mittelwertsunterschieden bei mehr als zwei Gruppen widmet sich das sechste Kapitel (6.1: Grundidee; 6.2: Einfaktorielle Varianzanalyse ohne Messwiederholung; 6.3: Kruskal-Wallis-Test; 6.4: Zweifaktorielle Varianzanalyse ohne Messwiederholung; 6.5: Einfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung; 6.6: Friedman-Test; 6.7 Zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung (gemischtes Design); 6.8 A-priori-Kontraste, post-hoc-Tests und Trendtests).

Im siebten und letzten Kapitel wird das Thema Korrelation und Regression behandelt (7.1: Korrelationen; 7.2: Multiple lineare Regressionen; 7.3: Dummy-Kodierung; 7.4: Regression zur Mitte; 7.5: Multiple Regression mit SPSS; 7.6: Hierarchische lineare multiple Regression mit SPSS; 7.7: Mediation und Moderation in SPSS; Mediation mit AMOS)

Der Aufbau der einzelnen Kapitel folgt in der Regel einem ähnlichen Schema. Im ersten Schritt werden die theoretischen Grundlagen der statistischen Methoden dargestellt. Wie sich diese Methoden unter Anwendung von Statistikprogrammen umsetzen lassen, wird im zweiten Schritt erläutert. Im dritten Schritt wird aufgezeigt, wie sich die Analyseergebnisse interpretieren lassen. Am Ende der einzelnen Kapitel befinden sich Übungsaufgaben, die dem Selbststudium dienlich sind. Die Lösungen zu den Übungsaufgaben sind, neben Tabellen und einem Register, im Anhang zu finden.

Da die Kapitel aufeinander aufbauen und der Stoff der vorangegangenen Kapitel vorausgesetzt wird, ist es sinnvoll das Buch von vorne bis hinten durchzuarbeiten. Sollten Vorgriffe notwendig sein, so geschieht dies unter Zuhilfenahme von Querverweisen. Das Buch eignet sich aber auch dazu, „bei bestehendem Vorwissen konkrete Informationen bezüglich Grundlagen, Anwendung oder Interpretation bestimmter Themen zu suchen“ (S. 5). Für dieses Unternehmen ist das sechsseitige Glossar nützlich.

Ausgewählte Inhalte

Aus dem umfangreichen Werk erlaube ich mir hier das zweite Kapitel inhaltlich zu besprechen. Dies tue ich auch, da das Buch, wie weiter vorne ausgeführt, so strukturiert ist das es nur sinnvoll erscheint, selbiges von vorne bis hinten zu rezipieren. Das zweite Kapitel widmet sich der Messtheorie und der deskriptiven Statistik.

Hier werden zunächst die Grundlagen der Messtheorie aufgezeigt. Was ist überhaupt Messen? „In der Psychologie und anderen Wissenschaften geht es oft um die Beschreibung, Erklärung oder Vorhersage von menschlichem Verhalten. Die Statistik bietet hierbei zahlreiche Hilfen, Beobachtungen fassbarer bzw. prüfbarer zu machen. Dazu ist es allerdings nötig, das Beobachtete in Zahlen zu transformieren. Man könnte also sagen, Verhalten wird gemessen“ (S. 15). Es folgen Definitionen zentraler Begriffe, wie Merkmal oder Varablen und eine Einführung in die Messtheorie, die definitionsgemäß im mathematischen Sinne als Zuordnung von Zahlen zu Objekten nach einer Abbildungsvorschrift verstanden wird. Es folgt sodann die Darstellung der unterschiedlichen Skalenniveaus, die durch die zulässigen Transformationen bestimmt werden. Differenziert wird hierbei zwischen Nominal-, Ordinal-, Intervall-, Verhältnis-, Differenz- und Absolutskala. Hier werden die Eigenschaften genannter Skalen und die Aussagen, welche bei jedem Skalenniveau getroffen werden können, diskutiert. Der Abschnitt, welcher sich mit den Grundlagen der Testtheorie befasst, gibt eine Einführung in das Messen von menschlichem Verhalten.

Der Abschnitt 2.2 widmet sich den deskriptiven Statistiken, mit welcher die zentrale Tendenz, Variabilität sowie andere Verteilungseigenschaften numerisch zu veranschaulichen sind. Es wird in diesem Abschnitt eine Übersicht über die einzelnen Möglichkeiten und ihre Aussagekraft bzw. Grenzen deskriptiver Statistiken gegeben. „Das Ziel ist es, sicher die richtigen deskriptiven Statistiken auszuwählen, um Daten beschreiben beziehungsweise deskriptive Statistiken richtig interpretieren zu können. Zunächst wird hier dann der Fokus auf die Häufigkeiten und Kategorienbildung gerichtet. Definitionsgemäß wird in diesem Fall von Kategorien gesprochen, wenn „die Werte einer kontinuierlichen / stetigen Variablen in einer Stichprobe in einzelne Gruppen (Wertebereiche) mit definierten Grenzwerten unterteilt“ (S. 30) werden. Weiter behandelt dieser Abschnitt die Zentrale Tendenz, womit eruiert werden soll wie ausgeprägt der Wert einer Variablen im Schnitt ist. In 2.2.3 werden die Dispersionsmaße besprochen – und mit einer Dispersion ist die Streuung gemeint. „Es handelt sich also um Maße, die angeben, wie stark die Messwerte einer Variablen im Wertebereich um einen bestimmten Wert streuen.“ (S. 42). Mit dem Thema Schiefe und Exzess setzt sich Abschnitt 2.2.4 auseinander. Wie stark eine Verteilung von einer Normalverteilung abweicht wird mit den Termini technici Schiefe und Exzess bezeichnet. Da bei vielen psychologischen Konstruktionen davon ausgegangen wird, dass sämtliche Messwerte in der Population normalverteilt sind, geht der 5. Abschnitt des Kapitels 2.2 auf die Normalverteilung ein, welche symmetrisch ist und aus diesem Grund nur einen Maximalpunkt besitzt. Mit der Bedeutung von Transformationen für die deskriptive Statistik setzt sich der folgende Abschnitt auseinander.

Kapitel 2.3 diskutiert die grafischen Darstellungsweisen in der deskriptiven Statistik. Einer genaueren Betrachtung werden die folgenden grafischen Darstellungsformen unterzogent:

  • Polygon
  • Histogramm
  • Stem-Leaf-Plot
  • Balken- und Kreisdiagramm
  • Fehlerdiagramm
  • Box-Plot

und

  • Scatter-Plot (Streudiagramm)

Inhaltlich abgeschlossen wird das zweite Kapitel in 2.4 mit der Darstellung der Vorgehensweise in SPSS.

Am Ende des Kapitels befinden sich Übungsaufgaben, deren Lösungen im Anhang zu finden sind.

Diskussion

Es mach Spaß das Buch durchzuarbeiten. So finden sch beispielsweise für den geübten Statistiker am Kapitelanfang jeweils Überblicksinhaltsverzeichnisse, mit deren Hilfe dann ganz schnell das entsprechende ‚Problem‘ oder Thema aufgefunden werden kann. Auch sind die Einführungen in die Kapitel immer gut. Hier wird darauf hingewiesen, wie das Kapitel aufgebaut und was an welchem Ort zu finden ist.

Für das Selbststudium gut und sinnvoll sind die Übungsaufgaben am Ende eines jeden Kapitels. Auf diese Weise kann auch der gehörte universitäre Vorlesungsstoff an Beispielaufgaben nachvollzogen werden.

Fazit

Insgesamt handelt es sich hierbei um ein ausgefeiltes Lehrbuch, welches in keiner Lehrbuchsammlung eines psychologischen Institutes fehlen sollte. Die Autoren haben eine wertvolle und umfangreiche Arbeit vollbracht.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 23.06.2009 zu: Markus Bühner, Matthias Ziegler: Statistik für Psychologen und Sozialwissenschaftler. Pearson Education Deutschland (Hallbergmoos) 2008. ISBN 978-3-8273-7274-1. Reihe: Pearson Studium - Psychologie. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7465.php, Datum des Zugriffs 21.11.2018.


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