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Traudel Simon, Gabriele Weiss (Hrsg.): Heilpädagogische Spieltherapie

Cover Traudel Simon, Gabriele Weiss (Hrsg.): Heilpädagogische Spieltherapie. Konzepte - Methoden - Anwendung. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2008. 299 Seiten. ISBN 978-3-608-94523-2. 25,90 EUR, CH: 49,00 sFr.

Reihe: Konzepte der Humanwissenschaften.
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Thema

In der Reihe „Konzepte der Humanwissenschaften“ vom Verlag Klett-Cotta erschien 2008 das Buch Heilpädagogische Spieltherapie von Traudel Simon und Gabriele Weiss. In der vorliegenden Veröffentlichung geht es um Kinder mit Verhaltens- oder Entwicklungsproblemen und die Frage, wie diesen Kindern durch therapeutische Angebote geholfen werden kann. Die heilpädagogische Spieltherapie wird als eine mögliche Antwort auf diese Frage vorgestellt und ihre Konzepte, Methoden und Anwendungen als therapeutisches Modell für Kinder mit psychischen Störungen oder Verhaltensproblemen diskutiert.

Entstehungshintergrund

Traudel Simon ist Diplom-Psychologin, Prof. Dr. phil. an der Katholischen Fachhochschule Freiburg und Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin. Gabriele Weiss ist Diplom-Heilpädagogin, Diplom-Sozialpädagogin und Supervisorin an der Katholischen Fachhochschule Freiburg. Beide haben unter Mithilfe von zahlreichen weiteren Autorinnen und Autoren, kontinuierlichen Diskussionen mit Studierenden, ständigem Austausch mit praktizierenden Kolleginnen und Kollegen und der Begleitung vieler Kinder und Familien dieses Buch herausgegeben um eine Lücke zu schließen. Es gab bisher kein umfassendes Werk zum Konzept, zu Methoden und Anwendungsfeldern der Heilpädagogischen Spieltherapie.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Teil des Buches wird die Heilpädagogische Spieltherapie in einer umfassenden aktuellen Konzeption dargestellt. Dazu geht Traudel Simon zunächst auf die Entstehung des Begriffs der Heilpädagogischen Spieltherapie ein. Thomas Hensel erläutert die Personzentrierte Spieltherapie als grundlegenden Baustein. Traudel Simon bezieht sich anschließend auf die Notwendigkeit einer umfassenden Eingangs- und Prozessdiagnostik um die heilpädagogische Intervention begründen zu können. Gabriele Weiss und Traudel Simon gehen weiterhin auf die aktuelle Konzeption der heilpädagogischen Spieltherapie ein, die sich an der in den letzten Jahren vermehrt stattgefundenen Evaluation, der Forschung, Theorienbildung und Methodenentwicklung orientiert. Eine Abgrenzung zu anderen kindertherapeutischen Konzepten wird hier ebenfalls vorgenommen. Herbert Pielmaier und Traudel Simon erläutern schlussendlich im ersten Teil noch die Bedeutung der systemischen Sichtweise auf das Kind. Hier werden systemtheoretische Grundlagen skizziert und die methodischen Konsequenzen aus systemischer Sicht benannt.

Der zweite Teil der Veröffentlichung zeigt auf, welche verschiedenen Methoden die heilpädagogische Spieltherapie bereichern können. Es wird empfohlen, diese oder weitere Methoden in die heilpädagogische Spieltherapie zu integrieren beziehungsweise sie miteinander zu kombinieren. Jede Auswahl einer bestimmten Methode sollte die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Kindes und seine spezielle Situation berücksichtigen. Die Autorinnen betonen, dass diese Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Es werden allerdings nur solche Methoden vorgestellt, die den fachlichen und ethischen Standards der Heilpädagogik entsprechen. Näher vorgestellt werden

  • Verhaltenstherapie
  • Kinderpsychodrama
  • Kunsttherapie
  • Therapeutische Geschichten
  • Sandspieltherapie
  • Therapeutisches Zaubern
  • Entspannungsverfahren

Im dritten Teil werden von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren mögliche Anwendungsfelder der heilpädagogischen Spieltherapie vorgestellt, also Kinder oder Familien mit speziellen Bedürfnissen. Als spezielle heilpädagogische Zielgruppen in diesem Sinne werden hier Kinder mit

  • Bindungsstörungen
  • ADHS
  • Wahrnehmungsstörungen und
  • Störungen aus dem Autismusspektrum
benannt. Eine weitere spezielle Zielgruppe sind Kinder aus Multiproblemfamilien, die von Armut und Benachteiligungen betroffen sind und aus denen sich häufiger Entwicklungsrisiken für Kinder ergeben.
Besonders betont wird für den dritten Teil des Buches, dass ein fließender Übergang von der heilpädagogischen Spieltherapie zu anderen therapeutischen Prozessen oder gezielter Förderung von Kompetenzen von großer Bedeutung ist.

In einem letzten vierten Teil befasst sich Traudel Simon mit der Frage nach der Qualitätssicherung der heilpädagogischen Spieltherapie. Wie grundsätzlich im kinder- und jugendpsychotherapeutischen Bereich muss sich auch die heilpädagogische Spieltherapie einer regelmäßigen Evaluation und Weiterentwicklung stellen um der hohen Verantwortung für die Kinder und Familien, die das Angebot wahrnehmen, gerecht zu werden. Dies kann gelingen durch die Betrachtung der vorhandenen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der vorhandenen Angebote.

Zielgruppen

Heilpädagoginnen und Heilpädagogen und verwandte Berufsgruppen, die die heilpädagogische Spieltherapie anwenden und alle mit Kindern befassten Berufsgruppen, die sich für diese Form der therapeutischen Arbeit mit Kindern interessieren.

Diskussion

Ich halte dieses Buch für sehr gut lesbar und anwendbar. Es gibt einen interessanten, umfassenden und praxistauglichen Einblick in die heilpädagogische Spieltherapie für Kinder. Diese Veröffentlichung kann als Grundlagenwerk für die heilpädagogische Spieltherapie anerkannt werden, da die inhaltliche Struktur den wichtigsten Fragen zum Thema gerecht wird. Mir erscheint die fachliche Qualifikation von Traude Simon und Gabriele Weiss als deutlich erkennbar.

Fazit

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass die Veröffentlichung der „Heilpädagogischen Spieltherapie“ für die Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten die Verhaltens- oder Entwicklungsprobleme zeigen und auch mit deren Familien zu tun haben unbedingt gelesen werden und die nötige Beachtung finden sollte. Die Besonderheit des therapeutischen Angebotes für diese Gruppe von Kindern wird deutlich vermittelt. Innerhalb der heilpädagogischen Arbeit nimmt die heilpädagogische Spieltherapie eine bedeutsame Rolle ein. Dies wird von den Autorinnen und Autoren deutlich vertreten.

Der Aufbau des Buches, der sich an den Grundlagen, den ergänzenden therapeutischen Methoden, den Anwendungsfeldern und der Qualitätssicherung der heilpädagogischen Spieltherapie orientiert, bietet einen sehr guten Einblick in die gesamte Thematik.

Besonders gelungen finde ich den Bezug auf die Notwendigkeit, das gesamte System (also nicht nur die Familie des Kindes) in dem sich das Kind bewegt in den Blick zu nehmen. Die systemische Perspektive, die (auch) der heilpädagogischen Spieltherapie zugrunde liegen sollte, wird sehr gut dargestellt. Die speziellen Aspekte für die Arbeit im Rahmen der Heilpädagogischen Spieltherapie sind hervorragend skizziert.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd Sonja Hees
Leiterin einer integrativen Kindertagesstätte, Fortbildnerin für Erzieher/innen und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Koblenz im Studiengang „Bildungs- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit“.


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Zitiervorschlag
Sonja Hees. Rezension vom 19.09.2009 zu: Traudel Simon, Gabriele Weiss (Hrsg.): Heilpädagogische Spieltherapie. Konzepte - Methoden - Anwendung. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2008. ISBN 978-3-608-94523-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7470.php, Datum des Zugriffs 08.08.2020.


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