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Reinhold Hedtke: Ökonomische Denkweisen

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 22.04.2009

Cover Reinhold Hedtke: Ökonomische Denkweisen ISBN 978-3-89974-443-9

Reinhold Hedtke: Ökonomische Denkweisen. Eine Einführung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2008. 335 Seiten. ISBN 978-3-89974-443-9. 24,80 EUR.
Reihe: Ökonomie
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Ökonomisch und politisch denken und handeln lernen

In den Zeiten der globalen und lokalen Kapital- und Wirtschaftskrisen werden die Stimmen lauter, die den Einzelnen in der Gesellschaft auffordern, sich nicht mehr (ausschließlich) auf Experten- und Marktmeinungen zu verlassen, sondern danach zu streben, die Zusammenhänge zwischen ökonomischen und politischen Fragestellungen und Problemen zu erkennen. Der Didaktiker für Sozialwissenschaften und Wirtschaftssoziologie an der Universität Bielefeld, Reinhold Hedtke, macht sich an das sicherlich nicht leichte Geschäft, eine Einführung in ökonomisches Denken und ökonomische Konzepte verständlich zu schreiben. Damit möchte er zu einem Perspektivenwechsel beitragen, indem er „eine multiperspektivische Sichtweise auf wirtschaftliche Phänomene … (vornimmt), alternative ökonomische Erklärungsansätze vor(stellt) und zeigt, wie die jeweilige Sicht auf die ökonomischen Dinge diese in einem jeweils anderen Licht erscheinen lassen“; nach der bekannten, jedoch gerade bei ökonomischen Fragestellungen raren Anwendung: „Das Denken verändert die Dinge“.

Multiperspektivität als Grundlage

Die Multiperspektivität seiner Argumentationen zeigt sich vor allem darin, dass der Autor zwischen verschiedenen ökonomischen Perspektiven und Prinzipien wechselt und Theorie und Praxis ökonomischen Denkens und Handelns thematisiert. Dabei wird ein scheinbar richtiges „Richtig“ in Beziehung gesetzt zu einem anderen „Richtig“ und damit „Richtig“ und „Falsch“ relativiert. Die Grundeinsicht, „dass man nur mit ökonomischen Denkansätzen allein ökonomische Zusammenhänge weder gut verstehen, noch wirksam beeinflussen kann“, wäre sicherlich in die Stammbücher so mancher Ökonomen und Wirtschaftspolitiker zu schreiben. Es kommt auf die gleichgewichtige Einbeziehung von gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen an! Perspektivenwechsel also ist angesagt, und zwar in mehrfacher Hinsicht: „Der Wechsel zwischen gewohntem und ungewohntem Denken, der Wechsel zwischen einer und einer anderen ökonomischen Denkweise, sowie der Wechsel zwischen wirtschafts-, politikwissenschaftlichen und soziologischen Denkansätzen“. Exemplarisch stellt Hedtke mikroökonomische Basiskonzepte vor, indem er sich auf die Akteure konzentriert, die in den privaten Haushalten, beim Konsum und Marktgeschehen agieren. Dabei bringt er zahlreiche Beispiele in den Diskurs und zeigt damit verbreitete Alltagsvorstellungen über Wirtschaft und ökonomisches Handeln auf.

Aufbau und Inhalt

Reinhold Hedtke beginnt seine Einführung mit dem Komplex „Wirtschaft und ökonomisches Handeln“, indem er verschiedene Akteursmodelle diskutiert, über Nützlichkeit, Brauchbarkeit und Werte reflektiert und diese mit den ökonomischen Handlungstheorien verbindet.

Im zweiten Bereich geht es um „Haushalte“. Dabei werden die unterschiedlichen (privaten) Haushaltsmodelle systematisiert, die Einkommens- und Güternachfrage behandelt, sowie Aufwendungs- und Produktionsbedarf erläutert.

Im dritten Bereich geht es um Unternehmensmodelle, die Güterangebote und Arbeitsnachfrage.

Im vierten Teil thematisiert der Autor die „Märkte“, indem er auf die verschiedenen Beispiel von ökonomischen Marktmodellen eingeht, die Funktionen und Verflechtungen anspricht, insbesondere ökonomische Qualitätskriterien aufführt und über Markt-Wettbewerb und Markt-Macht reflektiert. Weil Märkte selten ungeplant und ungewollt entstehen, kommt dem Bereich „Konstruktion von Märkten“ ein besonderes Gewicht zu. Es ist die Marktpolitik, die in der jeweiligen gesellschaftlichen Situation die Marktbildung bestimmt, fördert, steuert oder behindert.

Schließlich ist die „Konsumpolitik“ die Voraussetzung dafür, dass sich eine „Konsumgesellschaft“ bilden kann und nach welchen Leitbildern sie funktioniert. Alle aufgeführten Bereiche werden mit Hinweisen auf weiterführende Literatur versehen.

Fazit

Für den Benutzer der Einführung – das können sowohl Studierende (nicht nur der Volkswirtschaftslehre und der Wirtschaftswissenschaften), als auch Lehrerinnen und Lehrer der allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen sein; natürlich auch interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher; nicht zuletzt Politikerinnen und Politiker – ist das angehängte Glossar als Worterklärung für die nicht alltäglich benutzten Begriffe einer multiperspektivischen Ökonomik hilfreich. Die insgesamt 102 in der Argumentation eingebundenen Quellentexte sind eine Fundgrube für alltägliches wie theoretisches ökonomisches Handeln.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1554 Rezensionen von Jos Schnurer.

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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 22.04.2009 zu: Reinhold Hedtke: Ökonomische Denkweisen. Eine Einführung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2008. ISBN 978-3-89974-443-9. Reihe: Ökonomie. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7485.php, Datum des Zugriffs 15.08.2022.


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