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Jörg Althammer , Uwe Andersen u.a. (Hrsg.): Handbuch ökonomisch-politische Bildung

Cover Jörg Althammer , Uwe Andersen, Joachim Detjen, Klaus P. Hufer (Hrsg.): Handbuch ökonomisch-politische Bildung. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2007. 525 Seiten. ISBN 978-3-89974-363-0. 39,80 EUR.

Reihe: Politik und Bildung - Band 51.
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Thema

Das Handbuch behandelt unter fachdidaktischen Gesichtspunkten, die Zusammenführung von Wirtschafts- und Politikwissenschaften im schulischen Unterricht.

Herausgeber und AutorInnen

Bei der (einen) Autorin und den Autoren und Herausgebern handelt es sich um ausgewiesene Fachleute aus Politik- und Wirtschaftswissenschaften und gleichzeitig der Didaktik/Hochschullehre.

Entstehungshintergrund

Die Herausgeber gehen - nicht unrealistischerweise - davon aus, dass die bundesweite Tendenz sich hin zu einem Politik und Wirtschaft umfassenden Schulfach entwickelt, welches die derzeit in den einzelnen Bundesländern unter unterschiedlichen Bezeichnungen firmierenden politischen und insgesamt nur in einzelnen Bundesländern angebotenen wirtschaftlichen Fächern ablöst. Das Handbuch richtet sich an Akteure bei der Umsetzung eines solchen Designs, sowie an Lehrende, die im Rahmen jedweder Möglichkeiten einen fächerübergreifenden, integrativen Ansatz pädagogischer Wissensvermittlung anstreben.

Aufbau

Das Werk beleuchtet jeweils aus wirtschaftswissenschaftlicher, politikwissenschaftlicher und der fachdidaktischer Perspektive zehn klassische Handlungsfelder von Politik und Wirtschaft, die in besonderem Maße überlappen. In zehn entsprechenden Kapiteln werden nach einer fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Einführung diese Handlungsfelder hintereinander weg interdisziplinär bearbeitet

Inhalt

Die o.g. bearbeiteten Handlungsfelder sind:

  • Wirtschaftsordung/Soziale Marktwirtschaft
  • Märkte und Akteure
  • Geld und Währung
  • Wachstum und Strukturen
  • Beschäftigung
  • Verteilung und Sozialpolitik
  • Umweltpolitik
  • Finanzpolitik
  • Außenwirtschaft und Globalisierung
  • Weltwirtschaftsordnung

Der Umgang des Bandes mit dem allgemeinen Interdependenzverhältnis von Wirtschaft und Politik sei hier exemplarisch dargestellt an zwei dieser Handlungsfelder:

Im 6. Kapitel ‚Verteilung und Sozialpolitik‘ wird zunächst dargestellt – und darin sind beide Ansätze sich einig -, dass und wie Sozialpolitik auf die ‚Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation benachteiligter Personenmehrheiten‘ (282) bzw. ‚Herstellung menschenwürdiger Lebensverhältnisse‘ (301) abzielt.

Während ökonomische Theorien soziale Sicherung im Sinne eines Versicherungsmarktes mit seinen Vor- und Nachteilen, Schwächen und Risiken analysieren und die Auswirkungen staatlicher Interventionen auf ökonomisches Wachstum und Stabilität betrachten behält ein politikwissenschaftlicher Ansatz eher den Aspekt gesellschaftlicher Willensbildung und kollektiver Entscheidungsmöglichkeiten sowie die politischen Institutionen, Prozesse und Akteure im Blick.

Im fachdidaktischen Teil wird das Spannungsverhältnis direkt aufgegriffen und die ‚unterrichtliche Erhellung‘ (326) der komplexen Zusammenhänge eingefordert. Dazu werden Menschenwürde und Ethik einerseits, Anwendung ökonomisch qualifizierten Handwerkszeugs andererseits sowie fundamentale Einsichten in unterschiedliche politische Abläufe als zentrale Stichworte genannt sowie unterschiedliche didaktische Methoden empfohlen.

Auch bezüglich einer vordergründigen Definition des Begriffes ‚Weltwirtschaftsordnung‘ mit dem sich das 10. Kapitel befasst, ist man sich fachübergreifend einig, dass die ‚multilateralen … Regeln, die den Ablauf der Weltwirtschaft in einem bestimmten Zeitraum bestimmen‘ (480) gemeint sind. Aus wirtschaftswissenschaftlicher, außenhandelstheoretischer Sicht werden globale Verflechtungsfaktoren wie sinkende Transport- und Kommunikationskosten, internationaler Handel und internationale Finanzmärkte, multinationale Unternehmen und Direktinvestitionen sowie Entflechtungsfaktoren wie z.B. internationale Finanzkrisen, sprunghafte Wechselkursschwankungen und außenwirtschaftliche Ungleichgewichte, analysiert (481ff), um die Wirkkräfte verständlich zu machen während aus politikwissenschaftlicher Sicht eher die der weltpolitischen Wirtschaftsorganisationen sowie andere Akteure der internationalen Wirtschaftsszene im Hinblick auf ihre Machtorientierung und ihren Machterhalt hin beleuchtet werden.

Auch bei dieser Thematik ist es wieder der Fachdidaktiker, der sozusagen die Schlichterrolle einnimmt und zugleich exemplarisch didaktisch kompetente Zugriffe entwickelt. Wie auch von den anderen fachdidaktischen Kollegen wird das Lernziel Urteilsvermögen im Zusammenhang mit ökonomischen und politischen Systemen betont.

In der dargestellten Herangehensweise nähern die Autoren sich auch den anderen acht oben aufgezählten Handlungsfeldern. Dabei wird allerorts deutlich gemacht, wie sehr Lernende Einblick in die Mechanismen der (Welt)wirtschaft benötigen, um zu mündigen, entscheidungs- und partizipationsfähigen Menschen werden zu können und wie sehr aus demselben Grund die Wissensvermittlung zu gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein und zum Verständnis des Solidarprinzips unabdingbar sind.

Diskussion

Das Handbuch ist einerseits ein sachlich und außerordentlich kompetenter Beitrag zur mitunter heftig geführten Debatte um die Wertigkeit ökonomischen Grundverständnisses in einer globalisierten Welt und ökonomischem Urteilsvermögen im Rahmen politischen, staatsbürgerlichen Handelns, andererseits stellt es ein hervorragendes Instrument für die Entwicklung von Lehrplänen dar. Die in der fachwissenschaftlichen Einleitung (S. 11-18) postulierte unterrichtsspezifische Integration der gemeinhin und nicht vollständig zu Recht als gegensätzlich positionierten Wissenschaften Ökonomie und Politologie hätte allerdings noch weitgehender erreicht werden können, wenn die Autoren der einzelnen Beiträge ihre Sichtweisen nicht nur empathisch dargestellt sondern noch besser verschränkt hätten. Zum Teil entsteht der Eindruck, die Autoren bemühten sich die Perspektive ihrer jeweiligen Partner im interdisziplinären Gespann vorwegzunehmen, was z.T. zu recht eigenwilligen, aber durchaus interessanten Positionen und Darstellungen führt. Insgesamt dürfte Leserinnen und Lesern ohne fundiertes Grundwissen die ergebnisorientierte Verknüpfung nicht ganz leicht fallen. Der pragmatisch fachdidaktische Blickwinkel kompensiert dies jedoch weitgehend.

Fazit

Zehn klassische Themenfelder der Politikwissenschaften und der Wirtschaftswissenschaften bilden die Klammer für jedes Kapitel, jeweils ergänzt durch einen fachdidaktischen Beitrag. Eine angesichts der formulierten integrativen Zielstellung konsequente Kombination, die die Verschränkung und Überlappung der beiden Disziplinen ausleuchtet und zur Didaktik in Beziehung setzt. Das Handbuch ist ein sorgfältig konzipiertes, gut geschriebenes, wissenschaftlich anspruchsvolles Werk, welches ganz besonders interdisziplinär und gesellschaftlich vorausschauenden Lehrkräften politikwissenschaftlich und/oder ökonomisch orientierte Lehrfächer als hervorragend nutzbar zu empfehlen ist. Besonders interessant auch für Lehrplanentwickler, da es in die Debatte um Schwerpunktsetzung im Fächerkanon der Disziplinen an Schulen wichtige Impulse durch realitätsnahe Kompetenz und weniger durch ideologische Argumentation einbringt.


Rezensentin
Prof. Dr. Birgit Ammann


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Zitiervorschlag
Birgit Ammann. Rezension vom 27.01.2010 zu: Jörg Althammer , Uwe Andersen, Joachim Detjen, Klaus P. Hufer (Hrsg.): Handbuch ökonomisch-politische Bildung. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2007. ISBN 978-3-89974-363-0. Reihe: Politik und Bildung - Band 51. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7489.php, Datum des Zugriffs 18.10.2018.


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