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Thomas Schreiber: Individuelle Hilfeplanung

Cover Thomas Schreiber: Individuelle Hilfeplanung. Behinderten Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2010. 123 Seiten. ISBN 978-3-88414-471-8. 34,95 EUR, CH: 58,90 sFr.

Reihe: Psychosoziale Arbeitshilfen - 27. Arbeitsmaterialien auf CD.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-86739-083-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Das Erscheinen eines Buches zur Hilfeplanung in einem Verlag wie dem Psychiatrie-Verlag verweist auf das Arbeitsfeld, auf das hier Bezug genommen wird: Es geht um Hilfeplanung als eine im SGB XII und im SGB IX verankerte Aufgabe – und nicht um Hilfeplanung in der Erziehungshilfe (SGB VIII), wo dieser Begriff eine starke konzeptionelle Verankerung hatte und immer noch hat. Anliegen des vorliegenden Buches ist das Darbieten einer praxisbezogenen Arbeitshilfe, mit der die Hilfeplanung als methodisches Instrument zum selbständigen Wohnen von Menschen mit Behinderungen in einer Stadt/ Gemeinde produktiv genutzt werden kann. Das Anliegen der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, ihrer Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben steht im Zentrum der Arbeitshilfe. „Arbeitshilfe“ bedeutet hier tatsächlich: unmittelbar praxisbezogene Anleitungen, Anregungen, Tipps, Darbietung von Hilfsmaterialien bei weitgehendem Verzicht auf die Erörterung theoretischer oder konzeptioneller Hintergründe.

Aufbau und Inhalt

Nach einer kurzen Erläuterung, worin das Anliegen von individueller Hilfeplanung besteht, welche Bereiche in die Hilfeplanung einzubeziehen sind und wie die Hilfeplanung mit der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) verknüpft ist, folgen unter der Fragestellung „Was können sie dazu beitragen, dass individuelle Hilfeplanung gelingt?“ Ausführungen zum Einbezug von drei Personengruppen: Menschen mit Hilfebedarf („Betroffene“), Angehörige und Freunde, Nachbarn und Mitbürger. Es werden jeweils methodische Leitorientierungen angegeben (z.B. für die Menschen mit Hilfebedarf: Ressourcen aktivieren, Fähigkeiten zur Selbsthilfe und Hilfe aus dem sozialen Umfeld vorrangig beachten), mit Beispielen aus Fällen unterlegt, die das gesamte Buch durchziehen, und die Kapitel werden abgeschlossen mit einem kurz gefassten Fazit und Hinweisen auf Schwierigkeiten („Risiken und Nebenwirkungen“). In ähnlicher Weise werden Aufgaben und Voraussetzungen bei Einrichtungen Diensten vorgestellt, die Aufgaben von Kostenträgern werden markiert, und es werden Handlungsanleitungen für die Durchführung von Hilfeplankonferenzen formuliert. Im letzten Teil werden die auf der beiliegenden CD enthaltenen Arbeitsmaterialien erläutert, und es werden Anregungen zum Umgang mit diesen Arbeitsmaterialien gegeben. Das Buch schließt mit einem kurzen Kapitel „Woran erkennt man eine gute Hilfeplanung“, in dem Fragestellungen benannt werden, die zur Überprüfung der Qualität einer Hilfeplanung anregen sollen.

Die beigefügte CD beinhaltet Arbeitsmaterialien, die bei der Hilfeplanung einzusetzen sind und den Prozess der Erarbeitung eines individuellen Hilfeplans erleichtern sollen: von Übersichtsbögen zur Bewertung des Hilfebedarfs in verschiedenen Lebensbereichen über einen Anamnesebogen, über schriftliche Orientierungshilfen als Handreichungen für den Menschen mit Behinderung oder für Angehörige bis hin zu einem Musterhilfeplan für ein Fallbeispiel, der sich an der Hilfeplanlogik des Landschaftsverbandes Rheinland ausrichtet.

Diskussion

Die fachlichen Grundlagen für die Hilfeplanung werden nur sehr knapp erläutert, sodass das Buch bei all seinem praktischen Nutzen möglicherweise etwas in Gefahr gerät, als eine Art „Rezeptbuch“ benutzt zu werden. Leider ist nicht so ganz deutlich, wen der Autor beim Schreiben als Zielgruppe vor seinem geistigen Auge hatte. Er richtet sich in seinem Vorwort „an alle, die an der Umsetzung individueller Hilfeplanung beteiligt sind: die Menschen mit Hilfebedarf, ihre Angehörigen, Freunde und Nachbarn, Mitarbeiter der Einrichtungen und Dienste, die Hilfen anbieten, und der Kostenträger“ (S. 9). In dieser mangelnden Spezifität der Zielgruppe kann man ein Problem sehen. Wenn es um „Mitarbeiter“, also Sozialarbeiter und Sozialpädagogen geht, so ist es sicherlich erforderlich, mehr fachliche Grundlage, mehr Profil von Hilfeplanung zu vermitteln. Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sollen nicht nur „Praktiker“ sein, sondern dem Leitbild eines „reflexionsfähigen Praktikers“ folgen können. Und hier sieht der Rezensent in seiner beruflichen Tätigkeit als Hochschullehrer schon die Bachelor-Studierenden vor sich, die begeistert sind von einem Buch, das ihnen endlich auf knappem Raum unmittelbare praktische Handlungsanleitungen bietet, ohne dass sie viel lesen müssen und ohne dass sie sich mit „Theorie-Kram“ beschäftigen müssen – eine nicht ganz erfreuliche Vorstellung! Dem mag vielleicht das vorliegende Buch durch seine unklare Zielgruppen-Ausrichtung Vorschub leisten – als unbeabsichtigte Nebenfolge einer in anderen Kontexten sicherlich gut verwendbaren und nützlichen Arbeitsanleitung.

Fazit

Das Buch ist sehr nützlich für Personen, die unmittelbare praktische Hilfen, Anregungen, Tipps für die Hilfeplanung bei Menschen mit Behinderung suchen. Es bietet auf knappem Raum vielfältige praktische Hilfen und Anregungen, die gut unterstützt werden durch die Materialiensammlung auf der CD. Im Buch wird jeweils Bezug genommen auf die Materialien der CD, sodass eine gute Verknüpfung zwischen diesen beiden Medien gegeben ist. Die praktische Bedeutung der einzelnen Tipps zur Hilfeplanung wird anhand der Fallbeispiele, die das Buch durchziehen, treffend plausibilisiert. Die eingängige und einfache Sprache ermöglicht ein schnelles Verstehen.


Rezension von
Prof. Dr. Joachim Merchel
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Zitiervorschlag
Joachim Merchel. Rezension vom 25.07.2011 zu: Thomas Schreiber: Individuelle Hilfeplanung. Behinderten Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2010. ISBN 978-3-88414-471-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7504.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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