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René Bendit, Marina Hahn-Bleibt (Hrsg.): Youth transition

Rezensiert von Prof. Dr. Dirk Plickat, 16.09.2011

Cover René Bendit, Marina  Hahn-Bleibt (Hrsg.): Youth transition ISBN 978-3-86649-144-1

René Bendit, Marina Hahn-Bleibt (Hrsg.): Youth transitions. Processes of social inclusion and patterns of vulnerability in a globalised world. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2010. 379 Seiten. ISBN 978-3-86649-144-1. D: 36,00 EUR, A: 34,00 EUR, CH: 56,50 sFr.

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Thema, Herausgeberin und Herausgeber

Mit der englischsprachigen Programmlinie des Verlages Barbara Budrich steht seit einiger Zeit ein attraktives Instrument zur Einbindung deutscher Diskussionslinien in den internationalen Austausch zur Verfügung. Neben Themen allgemeiner Erziehungswissenschaften und didaktischer Konzepte hat sich diese Publikationsmöglichkeit glücklicher Weise auch als Plattform für Themenfelder Sozialer Arbeit etablieren können. Die von René Bendit, international renommierter Psychologe und Sozialwissenschaftler und Marina Hahn-Bleibt aus dem DJI-Kreis herausgegebene Übersicht zu sozialpädagogischen Hilfen für Jugendliche in Übergängen ist eine fundiert, kompakt und übersichtlich gehaltene Arbeits- und Kommunikationshilfe, die den Internationalen Austausch durch eine Grundlegung erheblich erleichtern und bereichern dürfte, weil auch deutsche Denkmuster und dies ohne die sonst oft übersetzungsbedingten Verkürzungen eingebunden sind.

Aufbau und Inhalt

Im Zuge der Europäisierung und Globalisierung tritt das Phänomen hervor, dass wesentliche Spezifika des sog. „deutschen Weges“ im Ausland weitestgehend unbekannt sind. Bedingt durch die wirtschaftliche Bedeutung Deutschlands ist zwar mittlerweile eine verstärkte ausländische Auseinandersetzung mit den deutschen Formen der beruflichen Bildung festzustellen. Kaum geläufig hingegen sind wohl die ebenfalls zum „deutschen Weg“ gehörenden sozialpädagogischen Deutungen und Entwicklungen.

Der Stellenwert sozialpädagogischer Angebote offenbart sich besonders in Phasen des Übergangs, in denen abgebende Bildungsinstitutionen nicht mehr und aufnehmende noch nicht zuständig sind, wenn Sinnperspektiven von Schule überhaupt fragwürdig erscheinen, Schritte in Arbeit und Beruf zu gehen sind, Liebe und Sexualität entdeckt werden, eigener Lebenssinn gesucht sowie Elternratschläge und sog. Vorbilder brüchig erscheinen.

Spezifisch für „Jugend“ als Statuspassage sind ebensolche Übergänge und mit ihnen einhergehende Orientierungs- und Zugangsprobleme, was sich in besonderer Weise in der Form von Verletzlichkeiten und einhergehenden Beistandsbedürfnissen spiegelt, wie die etwa Studien zu Biographien und Risikolagen Heranwachsender ausweisen. Eben den Herausforderungen, denen sich professionelle Sozialpädagogik mit ihren Angeboten für Sinnperspektiven Jugendlicher alltäglich stellt.

Durch historisch anders gewachsene Verständnisse und Zuständigkeiten von Schule und Socialwork ist diese deutsche Spezifik der sozialpädagogischen Hilfen bei Übergängen ausländischen Studierenden ebenso wie ausländischen Kolleginnen und Kollegen nur schwer zu vermitteln. Ebenso problematisch erweist es sich wiederum, deutschen Studierenden und auch manchen deutschen Kolleginnen und Kollegen mit Wegen des Eindenkens in Konzepte und Ausrichtungen anderer Länder zu helfen.

Angesichts der nicht nur europaweit feststellbaren Erosionen gewohnter nationaler Wege Jugendlicher in Arbeit sowie soziale und ökonomische Eigenständigkeit sind zunehmend europäische Konzepte gefordert, die jedoch ein wechselseitiges Kennen und Verstehen voraussetzen. Bereits die sprachliche Verständigung von europäischen Expertinnen und Experten zu Jugendfragen im gemeinsamen Wissens- und Wirtschaftsraum vergegenwärtigt deutliche Grenzen.

Die Übersetzung und Übertragung deutscher sozialpädagogischer Begriffs- und Aussagemodelle mitsamt ihrer Motivkontexte in eine passende englische Sprachform erfordert einen Arbeitsaufwand, welcher in der Dichte des Alltags bei Trägern und auch in Hochschulen kaum nebenbei bewältigt werden kann. Allein bereits die Souveränität, mit der die sprachlichen Herausforderungen bewältigt wurden, beeindruckt. In Verbindung mit den eloquenten Synopsen treten dann die eigentlichen Gewinne hervor, wobei allerdings in die Lektüre von denjenigen, welche die englische Sprache nicht so souverän wie die Autorengruppe beherrschen, eine ohne Zweifel lohnende Zeit für die Lektüre zu investieren ist.

Fazit

Die vorliegende Übersicht hat ihre Stärken darin, dass in kompakter und übersichtlicher Form „basics“ deutscher Sozialpädagogik zugeordnet zu globalen Problemstellungen verständlich vorgestellt werden. Sowohl für die Einbettung neuerer Entwicklungen mitsamt von Zuordnungen zu Forschungsbefunden als auch in der Funktion von Orientierungshilfen und Landkarten professionellen sozialpädagogischen Handelns, etwa bei Projektpräsentationen in internationalen Kontexten ist die vorliegende Schrift, wie auch eigene Erfahrungen zeigen, in besonderer Weise geeignet.

Zu wünschen bliebe, dass diese Schrift verstärkt Verwendung im europäischen Austausch über Jugendfragen findet. Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland hilft die Lektüre mit Vergegenwärtigungen zu ihren Arbeitsfeldern ebenso wie mit einem „up-date“ themenspezifischen Vokabulars und entsprechender Sprachformen. Ausländischen Kolleginnen und Kollegen bietet die Darstellung neben internationalen Orientierungen auch eine kompakte Einführung in deutsche Denkmuster und Strukturen - damit das, was Einzelbeiträge bei Tagungen, Kongressen und in Austauschprojekten nicht bieten können, Verständnishilfen über Zusammenhänge, Zuständigkeiten und Entwicklungen in Übersichtsform.

Rezension von
Prof. Dr. Dirk Plickat
Ostfalia, Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbuettel, Campus Suderburg, Fakultät Handel und Soziale Arbeit, Forschungs- und Lehrfeld: Bildung und Beschäftigung. Nach langjähriger pädagogischer Praxis in Jugendhilfe und Schule als Erziehungswissenschaftler in Hochschule in Schnittfeldern von Schule, Kinder- und Jugendhilfe sowie beruflicher Bildung (auch historisch und vergleichend) tätig
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Es gibt 31 Rezensionen von Dirk Plickat.

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Zitiervorschlag
Dirk Plickat. Rezension vom 16.09.2011 zu: René Bendit, Marina Hahn-Bleibt (Hrsg.): Youth transitions. Processes of social inclusion and patterns of vulnerability in a globalised world. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2010. ISBN 978-3-86649-144-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7518.php, Datum des Zugriffs 26.05.2024.


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