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Serge Embacher, Susanne Lang: Lern- und Arbeitsbuch Bürgergesellschaft

Rezensiert von Prof. Dr. Josef Schmid, 31.10.2009

Cover Serge Embacher, Susanne Lang: Lern- und Arbeitsbuch Bürgergesellschaft ISBN 978-3-8012-0379-5

Serge Embacher, Susanne Lang: Lern- und Arbeitsbuch Bürgergesellschaft. Verlag J.H.W.Dietz (Bonn) 2008. 403 Seiten. ISBN 978-3-8012-0379-5. 24,00 EUR.
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Thema

Bürgergesellschaft hat überall Konjunktur – doch wie geht es überhaupt? Welche Fragen und Potenziale stecken in diesem Konzept? Davon handelt dieses Lern- und Arbeitsbuch, das freilich weniger ein konkreter Leitfaden als vielfältige Anstöße und Informationen zum Nachdenken bietet.

Bürgergesellschaft meint in Anlehnung an die Enquete-Kommission Bürgerschaftliches Engagement ein Gemeinwesen, in dem Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer rechtsstaatlichen Demokratie durch das Engagement in selbstorganisierten Vereinigungen und durch die Nutzung von Beteiligungsmöglichleiten die Geschicke des Gemeinwesens wesentlich prägen können. Das versteht sich es Beschreibung eines realen Zustands wie als visionäres Programm

Inhalt

Was in diesem Kontext denn im Einzelnen für Konzepte diskutiert werden, welche empirischen Facetten das Phänomen aufweist (etwa Betätigungsfelder oder die Funktion von Stiftungen) sowie die gesellschaftliche Voraussetzungen und Restriktionen in Form sozialer (Un-)Gleichheit werden im ersten Kapitel diskutiert.

Ein Exkurs im zweiten Kapitel von Roland Roth über die Existenz einer unzivilen Bürgergesellschaft in Gestalt des Rechtsextremismus ist als wohl Warnung vor unrealistischen Hoffnungen gemeint (- passt aber nicht so recht in das Konzept des Bandes).

Sodann wird das Verhältnis von Bürgergesellschaft und Staat behandelt; zuerst konzeptionell- theoretisch (Liberalismus, Kommunitarismus, deliberative Demokratie usw.) und sodann praxisbezogen. Hierbei werden v.a. die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Engagemtentpolitiken der Länder und Kommunen ausführlich dargestellt. Dabei stellen die Autoren in einem Zwischenfazit fest, dass sich die Paradoxie einer Engagementförderung, wonach engagierte Bürger in ihren Partizipationsansprüchen gegenüber den etablierten Institutionen gestärkt werden, nur dann verstehen läßt, wenn man das Phänomen nicht macht-, sondern demokratiepolitisch betrachtet.

Die Bürgergesellschaft bezieht sich jedoch nicht nur auf die Politik, sondern ebenfalls auf die Wirtschaft. Unternehmen können etwas für sie tun im Sinne von Corporate Citizenship, v.a. wenn sie sich auf ihre Stakeholder besinnen.

Diskussion

Die Themen werden mit intensiv mit Beispielen und Vertiefungen verknüpft, die in Kastenform hervorgehoben sind – etwa zum Begriff Stakeholder, aber auch zu parteipolitischen Positionen sowie einer Fülle praktischer Beispiele für bürgerschaftliches Engagement auf allen Ebenen und in allen Feldern. Sie zeigen, so das Fazit, dass sich „aus der Mitte der Gesellschaft, der unmittelbaren Lebenswirklichkeit der Menschen heraus… die Vision einer freien und aufgeklärten Gesellschaft“ verwirklichen kann.

Fazit

Insgesamt handelt es sich um ein gut lesbares Buch, das einen Blick in die verschiedenen Sphären, in denen das Thema behandelt wird – Politik, Wissenschaft und Praxis – gibt und für viele Leser ein Angebot bereit hält.

Rezension von
Prof. Dr. Josef Schmid
Professor für Politische Wirtschaftslehre und Vergleichende Politikfeldanalyse an der Universität Tübingen, lehrt und forscht über Wohlfahrtsstaaten, Arbeitsmarktpolitik und Bürgerschaftliches Engagement in den Bundesländern. Er ist derzeit hauptamtlicher Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
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Es gibt 19 Rezensionen von Josef Schmid.

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Zitiervorschlag
Josef Schmid. Rezension vom 31.10.2009 zu: Serge Embacher, Susanne Lang: Lern- und Arbeitsbuch Bürgergesellschaft. Verlag J.H.W.Dietz (Bonn) 2008. ISBN 978-3-8012-0379-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7519.php, Datum des Zugriffs 05.10.2022.


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