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Hilde von Balluseck, Elke Kruse u.a. (Hrsg.): Von der ErzieherInnen-Ausbildung zum Bachelor-Abschluss

Cover Hilde von Balluseck, Elke Kruse, Anke Pannier, Pia Schnadt (Hrsg.): Von der ErzieherInnen-Ausbildung zum Bachelor-Abschluss. Mit beruflichen Kompetenzen ins Studium. Schibri-Verlag (Uckerland) 2008. 301 Seiten. ISBN 978-3-86863-010-7. 16,80 EUR.

Reihe: Praxis, Theorie, Innovation - Band 7.
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Entstehungshintergrund

In der Schriftenreihe „Praxis-Theorie-Innovation, Berliner Beiträge zu Bildung, Gesundheit und Sozialer Arbeit“ der Alice Salomon Hochschule in Berlin werden seit 2003 aktuelle Erkenntnisse und Positionen thematisiert. Ziel der Schriftenreihe ist es, Diskussionen auf den Weg zu bringen und zu einem wechselseitigen Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Sozialer Arbeit beizutragen. Bisher sind sieben Bände in dieser Schriftenreihe erschienen, die sich jeweils mit einer aktuellen Entwicklung bzw. Diskussion zwischen Theorie und Praxis beschäftigen. In dem 2008 erscheinenden siebten Band wird auf die aktuelle Diskussion bzw. die aktuellen Entwicklungen in der Ausbildung der in der frühkindlichen Erziehung tätigen Fachkräfte eingegangen. Der Band befasst sich mit den Möglichkeiten und den Schwierigkeiten bei der Anrechnung von außerhalb der Hochschule erworbenen Kompetenzen für ein Studium an der Hochschule.

Thema

Der vorliegende Band der Schriftenreihe der Alice Salomon Hochschule befasst sich mit den Erfahrungen der Kooperation zwischen Fachschulen und universitären Ausbildungsstätten. Dieses Thema ist in den letzten Jahren durch die Veränderungen in unserem Bildungssystem zum Beispiel durch den Bologna- Prozess in den Focus der Fachwelt gerückt. Die damit verbundene verstärkte Anerkennung von außerhalb der Hochschule erworbenen Kenntnissen für ein Studium und den beruflichen Veränderungen bei den Anforderungen an den Beruf des Erziehers bzw. Erzieherin haben zu dieser Diskussion beigetragen. In den letzten Jahren ist so neben der klassischen Ausbildung der Erzieher und Erzieherinnen an den Fachschulen für Sozialpädagogik eine akademische Ausbildung für Mitarbeiter in Tageseinrichtungen für Kinder entstanden. Im Sinne einer sinnvollen Durchlässigkeit sollten Fachschulen und universitäre Ausbildungseinrichtungen die schon vorhanden Kenntnisse und Fertigkeiten nutzen und verlässliche Möglichkeiten der Anrechnung bieten. Hier sind erste Kooperationen entstanden. Ein Erfahrungsbericht einer dieser Kooperationen in Berlin ist die Grundlage dieses Buches.

Aufbau und Inhalt

Der Band ist in vier Teile gegliedert. Der erste Teil des Buches befasst sich unter anderem mit der historischen Entstehungsgeschichte der ErzieherInnenausbildung in Deutschland. Dabei werden die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen aufgeführt, die bisher einer Akademisierung der ErzieherInnenausbildung in Deutschland entgegen gewirkt haben. Im weiteren Verlauf werden aber auch aktuelle Entwicklungen aufgeführt, die den Weg zur Akademisierung der Ausbildung beeinflussen.

Im zweiten Teil des Buches werden die Anrechnungsverfahren aus Sicht der beteiligten Akteure beschrieben. Dabei werden auch die Interessen der Politik an der Integration der außerhochschulisch erworbenen Kompetenzen für das Studium dargestellt. Die Notwendigkeit der Durchlässigkeit wird aus der Sicht der Fachschulen, Weiterbildungsträgern und auch der Perspektive der zukünftigen Arbeitgeber, den Trägern der Tageseinrichtungen für Kinder, geschildert.

Der dritte Teil des Buches stellt die Grundlagen für die Anrechnung von beruflichen Kompetenzen für eine Hochschulausbildung vor. Aus diesen allgemeinen Grundlagen werden dann zwei Möglichkeiten der Anrechnung herausgearbeitet und dargestellt. Das pauschale Anrechnungsverfahren eignet sich zum Aufbau von Kooperationen zwischen Fachschulen und universitären Ausbildungseinrichtungen, um die Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungsorten zu gewährleiten. Das zweite vorgestellte Anrechnungsverfahren befasst sich mit individuellen Anrechnungsmöglichkeiten für einzelne am Studium interessierte Erzieherinnen und Erzieher. Dazu werden Möglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Anrechnung von Weiterbildungskompetenzen vorgestellt. Am Ende des dritten Teiles ist ein umfangreicher Verweis auf weiterführende Literatur zu finden.

Der vierte Teil des Buches umfasst einen sehr umfangreichen Materialanhang, der ein Drittel des Buchumfanges bildet. Gerade diese detaillierte Darstellung der Materialien, die die Alice Salomon Hochschule bei dem Projekt der Entwicklung von Anrechnungsverfahren verwendet hat, macht dieses Buch für Fachschulen, Fachhochschulen und Hochschulen interessant, die selber über Kooperationen mit möglichen Anrechnungsverfahren nachdenken. Der Materialteil beinhaltet:

  • Formulare für Befragungen (leitfadengestützte Experteninterviews, Fragebogen zur Selbsteinschätzung), die im Bereich der Fachschulausbildung und im Bereich der Weiterbildung eingesetzt wurden
  • Materialien (Antrag, Gegenüberstellung eines Moduls, Kriterien für eine Kompetenz- Äquivalenz-Feststellung), die zur Entwicklung des pauschalen Anrechnungsverfahrens benutzt wurden
  • Unterlagen (Portfolio, Bewertungsbogen für das Portfolio), die für ein individuelles Anrechnungsverfahren von vorhandenen Kompetenzen entwickelt wurden
  • Rechtliche Grundlagen und Informationsmaterial, die sich auf direkt auf die Situation in Berlin beziehen (Anlage zur Prüfungsordnung, Kooperationsvereinbarung, Informationsblatt für am Studium interessierte Personen bzw. Studierende und einen Antrag für die Anerkennung von Modulprüfungen).

Diskussion

Die Bewertung dieses Buches erscheint nicht ganz einfach. Je nach Erwartungen des Lesers kann das Fazit zum Buch ganz unterschiedlich aussehen. Ich möchte deshalb aus der Sicht von verschiedenen Personengruppen vorgehen, für die dieses Buch meiner Meinung nach geeignet bzw. ungeeigneter ist. Für Personen, die an den Fachschulen für Sozialpädagogik, an den Fachhochschulen und Universitäten bzw. im Weiterbildungsbereich für Erzieherinnen und Erzieher tätig sind, bietet das Buch eine gute Übersicht, wie die Kooperationsprozesse zwischen den verschiedenen Einrichtungen möglich sein könnten. Hier finden sich gute Anregungen und Erfahrungen hinsichtlich der Veränderungsprozesse, die meiner Ansicht nach auf die Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten im Rahmen der Veränderungen der Ausbildung der ErzieherInnen zur Akademisierung zukommen. Für MitarbeiterInnen und Einrichtungen der Weiterbildung von ErzieherInnen kann das Buch ebenfalls Anregungen, geben wie man sich an diesem Kooperationsprozess beteiligen kann. Für ErzieherInnen und Studierende der Fachschulen für Sozialpädagogik ist dieses Buch nur sehr begrenzt geeignet. Dies liegt aber auch an der Problematik der Kooperation zwischen den Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Hier haben am Studium interessierte ErzieherInnen nur einen sehr begrenzten Spielraum, um sich Inhalte und Kompetenzen individuell anerkennen zu lassen. Daher erscheint auch nur dieser Teil des Buches (dritter Teil mit individuellen Anrechnungsverfahren) interessant für diese Personengruppe.

Meine inhaltliche Kritik fällt besonders für die ersten beiden Zielgruppen positiv aus. Von der Entstehung der Ausbildung zur Erzieherin bzw. Erzieher bis hin zu den Kooperationsprozessen ist das Material sinnvoll aufgebaut und gibt einen guten Überblick. Hier können je nach Interesse aus den Beiträgen die interessanten Bereiche und Informationen ausgewählt werden. Besonders hervorzuheben ist vor allem der umfangreiche Materialteil, der aber auf die Bedingungen vor Ort angepasst werden muss. Etwas von Nachteil sind die zum Teil kurzen inhaltlichen Wiederholungen in den verschiedenen Beiträgen, da viele Personen an dem Buch beteiligt waren.

Fazit

Das vorliegende Buch gibt einen guten Einblick in die Schwierigkeiten, Chancen und Erfahrungen hinsichtlich der Kooperation zwischen Fachschulen, Fachhochschulen, Universitäten und Weiterbildungsträgern. Damit wendet sich das Buch insgesamt an eine sehr spezielle Zielgruppe. Für diese Personen bietet das Buch aber eine gute Möglichkeit, um auf Erfahrungen für eine angestrebte Kooperation zurückzugreifen.


Rezensent
Diplom Pädagoge Volker Raupach-Keimer
Lehrtätigkeit an einer Fachschule
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Zitiervorschlag
Volker Raupach-Keimer. Rezension vom 04.06.2009 zu: Hilde von Balluseck, Elke Kruse, Anke Pannier, Pia Schnadt (Hrsg.): Von der ErzieherInnen-Ausbildung zum Bachelor-Abschluss. Mit beruflichen Kompetenzen ins Studium. Schibri-Verlag (Uckerland) 2008. ISBN 978-3-86863-010-7. Reihe: Praxis, Theorie, Innovation - Band 7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7530.php, Datum des Zugriffs 24.04.2018.


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