Justin Akers Chacon, Mike Davis: Crossing the Border (Migration USA)
Rezensiert von Diplom Sozialpädagogin Jamila Vidas, 24.03.2009
Justin Akers Chacon, Mike Davis: Crossing the Border. Migration und Klassenkampf in der US-amerikanischen Geschichte. Assoziation A (Berlin) 2007. 349 Seiten. ISBN 978-3-935936-59-0. 20,00 EUR. CH: 33,90 sFr.
Thema
Die Vereinigten Staaten von Amerika, das seit jeher als Land der unbegrenzten Möglichkeiten wahrgenommen und geträumt wird, blickt auf eine lange und mannigfaltige Migrationsgeschichte zurück. Es ist der „melting pot“, der Schmelztiegel der Welt, in dem sich hunderte verschiedene Kulturen vermischen und miteinander verschmelzen. Unvermeidbar sind daher Konflikte und Rassen- und Klassenkämpfe - einerseits derjenigen, die aus dem Ausland nach Nordamerika gekommen sind, um dort zu arbeiten und / oder zu leben, andererseits derjenigen, die dort schon lebten und sich als DIE US-Amerikaner sehen.
Die Autoren Justin Akers Chacón und Mike Davis beschreiben die Geschichte der Migration in die Vereinigten Staaten seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis ins 21. Jahrhundert in all ihren Facetten und Auswirkungen wie den militanten Ausschreitungen, Protesten, Widerstandsbewegungen und den politischen, ethnischen und sozialen Problemen, mit denen die Einwanderer aus Asien und Lateinamerika damals und auch heute noch konfrontiert sind. Gleichzeitig werden die Erfolge der Forderungen und Kämpfe aufgezeigt, welche den Weg für mehr Rechte der Migranten geebnet haben.
Autoren
Mike Davis studierte Geschichte und Wirtschaft an der University of California sowie irische Geschichte in London, Belfast und Edinburgh. Bekannt wurde Davis durch seinen Bestseller im Jahre 1990 „City of Quartz“. Seit 2002 lehrt er an der Department of History an der University of California in Irvine und lebt mit seiner Familie in San Diego.
Justin Akers Chacón ist Professor für Geschichte und Chicano- Studien an der Universität in San Diego, Kalifornien. Er ist außerdem Mitarbeiter der sozialkritischen Zeitschrift „International Socialist Review“.
Aufbau und Inhalt
Das Buch ist in fünf Teil übersichtliche Teile gegliedert, die sich mit verschiedenen Themen wie Gewalt gegen die Migranten, staatlichen Abhängigkeiten und Repressionen beschäftigen.
- Im ersten Teil „Was ist ein Vigilante Man - weiße Gewalt in der Geschichte Kaliforniens“ erklärt Mike Davis die Ankunft der Migranten seit dem 19. Jahrhundert, unmittelbare Zusammenhänge von Protesten der Einwanderer und deren gewaltsame Niederschlagung durch sogenannte Vigilante Men (selbsternannten Wachmännern, die Selbstjustiz verüben), verschiedene Repressionsformen, die in den USA vorherrschen und die Ausschreitungen rassistischer Gewalt gegenüber asiatischen Arbeitern.
- Justin Akers Chacón untersucht im zweiten Teil Mexiko - Gefangen im Netz des US-Imperiums die wirtschaftliche Abhängigkeit Mexikos von den USA, das Nordamerikanische Freihandelabkommen NAFTA und die illegale Migration von Mexiko in die Staaten.
- Der dritte Teil Mexikanische Arbeitskräfte – die „ andere“ Arbeiterklasse beschäftigt sich hauptsächlich mit der Benachteiligung und Armut der mexikanischen Arbeiterklasse, unter der sie vor allem durch die ökonomische Abhängigkeit ihrer Regierung von dem Nachbarn im Norden zu leiden haben.
- Teil vier Der Krieg gegen die ImmigrantInnen beleuchtet die Einwanderungspolitik der USA, die Grenzen von Rasse und Klasse, die illegalen mexikanischen Einwanderer und die Bekämpfung der Immigranten als Personifizierung des Feindes und als passende Rechtfertigung für militärische (Gegen-) Angriffe.
- Der letzte Teil mit dem Titel und der gleichzeitigen Forderung Queremos un mundo sin fronteras (wir wollen eine Welt ohne Grenzen) stellt verschiedene Menschenrechtsbewegungen und Gewerkschaften vor, die sich alle für das Ziel einsetzen, gleichberechtigte Arbeits- und Menschenrechtsbedingungen zu schaffen.
Diskussion
Den Autoren ist es gelungen, ein ausführliches Geschichtszeugnis der Einwanderung in den USA abzuzeichnen und die Historie spannend und detailliert zu beschreiben - eine fundierte und manchmal auch erschreckende Analyse, unterlegt mit Zahlen und Fakten, die viele Hintergründe aufdeckt. Interessant ist, dass die USA von einer anderen Seite beleuchtet wird, in Verbindung mit rassistischer Gewalt und repressiven Mitteln, die damals und zum Teil auch heute noch im Kampf gegen die Auflehnung von fremden Arbeiterklassen eingesetzt werden, um die vorherrschenden Hierarchien beizubehalten.
Justin Akers Chacón und Mike Davis plädieren für eine Abschaffung der Grenzen, für grenzübergreifende Gleichheit und Gerechtigkeit und zeigen den mühsamen und steinigen Weg des Migrationskampfes und den erreichten Zielen der Arbeiterbewegungen verschiedener Nationen. Der einstimmige Appell der beiden und gleichzeitiger Originaltitel des Buches lautet: No one is illegal!
Fazit
Ein sehr gelungenes Buch über die Migrationsgeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, das für jedermann ansprechend und aufklärend geschrieben ist. Empfehlenswert für alle, die sich einen tieferen Einblick in die amerikanische Einwanderungsgeschichte wünschen. Das Buch schneidet viele unterschiedliche Themen an, ohne jedoch den roten Faden zu verlieren und das macht es besonders lesenswert.
Rezension von
Diplom Sozialpädagogin Jamila Vidas
Interkultureller Coach für Hochbegabte und Hochsensible in Köln
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Es gibt 2 Rezensionen von Jamila Vidas.





