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Peter Vogler: Soziale Arbeit mit Kindern von alkoholabhängigen Vätern

Peter Vogler: Soziale Arbeit mit Kindern von alkoholabhängigen Vätern. Edition Soziothek (Bern) 2002. 73 Seiten. ISBN 978-3-03796-003-5. 14,90 EUR.

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Einführung ins Thema

Kinder aus Suchtfamilien sind lange Zeit von Suchtforschung und Suchthilfe ignoriert worden, obwohl die Zahl der betroffenen Kinder seit langen Jahren überraschend hoch ist. Auch im späteren Lebensverlauf als erwachsene Kinder aus suchtbelasteten Familien sind vermutlich über sechs Millionen Personen durch eine erhöhte Vulnerabilität gegenüber psychischer Störungen gefährdet.

"Kinder leiden vielfach ihr Leben lang an den Verwundungen, Lügen und Verletzungen, die sie in ihrer Kindheit haben erfahren müssen" (Vogler). Das Aufwachsen in einem derart geprägten, dysfunktionalem Familienklima ist häufig eine ernsthafte Bedrohung für die körperliche und psychische Gesundheit.

Die Lebenssituation von Kindern Alkoholabhängiger bedeuten deutliche Konsequenzen an die soziale Arbeit sowohl im Rahmen der Suchtkrankenhilfe als auch der Jugendhilfe. Erst langsam macht sich in diesem Praxisfeld ein Umdenken bemerkbar. Dieses schlägt sich auch in Veröffentlichungen in den Bereichen Forschung und Praxis nieder und bleibt nicht mehr ausschließlich "Hobby einzelner Sozialarbeiter" (Vogler). Mittlerweile gibt es fortgeschrittene Bemühungen der internationalen Vernetzung auch im europäischen Raum.

Entstehungshintergrund

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um eine veröffentlichte Diplomarbeit an der FHS Hochschule für Technik, Wirtschaft und Soziale Arbeit, St. Gallen, Fachrichtung Sozialarbeit.

Aufbau und Inhalte

Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert.

"In der Debatte über die weitere Entwicklung, Gestaltung und Generierung von spezifischen Hilfsangeboten für die betroffenen Kinder ist ein solides Basiswissen über die generelle Alkoholproblematik und über die möglichen Lebenswelten der Kinder unerlässlich" (Presseinformation Edition Soziothek) Dementsprechend beschäftigt sich der erste Teil mit allgemeinen Grundlagen bzw. Begriffsklärungen zur Alkoholproblematik (Alkoholismus, Sucht, Missbrauch, Abhängigkeit). Diese werden schwerpunktmäßig medizinisch (WHO, ICD, DSM) wiedergegeben. Eine passende kurze Abhandlung zur Geschichte und Kulturen des Alkohols werden ergänzt durch einen Überblick der Situation in der Schweiz. Der erste Teil endet mit den Ursachen und Auswirkungen von Alkoholabhängigkeit im biologischen, psychischen und sozialen Bereich.. Es gelingt dem Autor, auf nur 22 Seiten alle wesentlichen Aspekte gebündelt und schlüssig zusammenzufassen. Sowohl erste Gedanken über eine präventiven Arbeit als auch die Breite des Arbeitsansatzes werden deutlich.

Der Zweite Teil benannt: "Die Kinder von alkoholabhängigen Vätern" bietet eine Zusammenfassung von Forschungsergebnissen und Basisliteratur zur o.g. Thematik. Erwähnenswert ist die Vollständigkeit der verarbeiteten Literatur und Aktualität der Forschungsergebnisse, welche Herr Vogler in seine Arbeit mit einbezieht. Die Themen Familie, Atmosphären, Co-Abhängigkeit, Rollenverhalten , Auswirkungen auf die Kinder, Ressourcen, Resilienzen werden zügig und vollständig beschrieben. Neu ist der kurze Anriss einer geschlechtsspezifischen Betrachtung,. Auch im zweiten Teil des Buches werden alle themenrelevanten Studien und Autoren mit einbezogen (u.a. Black, Köppel/Reiners, Arenz-Greiving, Klein, Zobel). Vorhandene widersprüchliche Forschungsergebnisse werden dargestellt und gegeneinander abgewogen. Genau wie im ersten Teil findet man die wesentlichen Inhalte in einer sprachlich angenehmen und schnell lesbaren Form wieder.

In der Praxis arbeitende MitarbeiterInnen der Suchtkrankenhilfe, bzw Jugendhilfe mag der dritte Teil als Vorlage für Konzeptionen oder Argumentationshilfen bei Leitung auf den Leib zugeschrieben sein. Neben organisatorischen Rahmenbedingungen (Multidisiplinarität, Vernetzung der Suchtkranken u. Jugendhilfe, etc.) entwickelt Herr Vogler konkret Aufgaben und Ziele, die vielen PraktikerInnen in ihrer gebündelten Art und Weise als Kopiervorlage dienen könnten. Fachlich konkret und logisch aufeinander abgestimmt, plaziert der Autor die Arbeit mit Kindern aus Suchtfamilien in die Bereiche Prävention/Gesundheitsförderung, Case Management und soziale Gruppenarbeit. Hierbei wird jeder Punkt für sich ausführlich besprochen. Als Praxisbeispiel wird ein Projekt des Caritas Verbandes aus Freiburg beschrieben, ergänzt von den Möglichkeiten und Grenzen einer Arbeit mit Kindern aus Familien von Suchtkranken. Herr Vogler richtet im Abschluß seiner Arbeit in wenigen Sätzen den Blick auf die Verantwortlichkeit der verschiedenen Organisationen und der sozialen Fachdienste.

Im Anhang befindet sich ein ausführliches Literaturverzeichnis, leider ohne Auflistung von entsprechenden Hilfeangeboten in der Schweiz oder in Deutschland.

Fazit

Diese Arbeit besticht vor allem in ihrer hervorragenden sprachlichen Lesbarkeit, sowie in der Vollständigkeit der benutzten Studien und Literatur. Kurz und knapp werden alle relevanten Eckpunkte und Spannungsfelder des Arbeitsfeldes beschrieben. Dank der flüssigen Darbietung des Fachwissens wird bei weiterem "Lesebedarf" die Lust auf die Lektüre der entsprechend genannten Primärliteratur geweckt.

Der Titel klingt ein wenig geschlechtsspezifischer als der Inhalt wiedergibt. Schön wären im Anhang themenorientierte Mail und Hilfeadressen gewesen, (eventuell als Hinweis für eine zweite Auflage) Insgesamt gesehen ist diese Diplomarbeit eine geglückte Einführung theoretischer Art in das Arbeitsfeld "Kinder von Suchtkranken", welche sowohl ältere, aber immer noch aktuelle Literatur mit neuesten Studien und Trends zu verbinden versteht.


Rezension von
Sabine Böing
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Zitiervorschlag
Sabine Böing. Rezension vom 30.06.2003 zu: Peter Vogler: Soziale Arbeit mit Kindern von alkoholabhängigen Vätern. Edition Soziothek (Bern) 2002. ISBN 978-3-03796-003-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/759.php, Datum des Zugriffs 14.07.2020.


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