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Henri Julius, Barbara Gasteiger-Klicpera u.a. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter

Rezensiert von Prof. i.R. Dr. Peter Bünder, 15.09.2009

Cover Henri Julius, Barbara Gasteiger-Klicpera u.a. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter ISBN 978-3-8017-1613-4

Henri Julius, Barbara Gasteiger-Klicpera, Rüdiger Kißgen (Hrsg.): Bindung im Kindesalter. Diagnostik und Interventionen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2009. 329 Seiten. ISBN 978-3-8017-1613-4. 29,95 EUR. CH: 49,90 sFr.

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Thema

Das Buch erläutert die Grundzüge der Bindungstheorie, bietet einen Einblick in verschiedene diagnostische Verfahren und zeigt die Praxis bindungsgeleiteter Interventionen bei verhaltensauffälligen Kindern auf.

Autoren

  • Dr. Henri Julius ist Professor am Institut für Sonderpädagogische Entwicklungs-förderung der Universität Rostock
  • Dr. Barbara Gasteiger-Klicpera ist Professorin für Pädagogische Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Weingarten
  • PD Dr. Rüdiger Kißgen arbeitet am Department Heilpädagogik und Rehabilitation der Universität zu Köln.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch gliedert sich in drei große Teile, die durch 15 verschiedene Beiträge behandelt werden. Den einzelnen Teilen ist jeweils eine kurze Einführung vorangestellt, die in die folgende Thematik kurz umreißen.

Teil 1 führt ein in die Grundlagen der Bindungstheorie. Julius stellt eine komprimierte Einführung in die Bindungstheorie von Bowlby und Ainsworth vor und verknüpft diese Gedanken mit familiärer Gewalt-, Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen, die er am Beispiel einer Studie aus Berlin und Wien beschreibt. Daran schließt sich ein Exkurs über die psychischen Folgen familiärer Gewalt-, Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen von Gasteiger-Klicpera an, welcher auf einer beeindruckenden Literaturliste basiert. Schleiffer thematisiert die möglichen Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität am Beispiel von Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsproblemen. Er fokussiert auf Psychopathologie, Dissozialität und Lernstörung. Den Abschluss dieses ersten Teils bildet ein Beitrag von Kißgen zu Kontinuität und Diskontinuität von Bindung. Es findet sich hier ein Plädoyer für eine Betrachtung bindungstheoretischer Aussagen mit Augenmaß. Häufig werden bindungstheoretische Aussagen verabsolutiert, ohne das dies durch die vorliegenden Untersuchungen bestätigt werden könnte.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Diagnostik. Die Beiträge von Kißgen (Fremde Situation), Bretherton / Kißgen (Attachment Story Completion Task), Julius (Separation Anxiety Test – SAT), Grossmann / Grossmann (Konstruktive Internale Kohärenz), Trudewind / Steckel (Bochumer Bindungstest) und George / West / Kißgen (Adult Attachment Projective) bieten einen fundierten Einblick in die gängigen diagnostischen Verfahren der Bindungstheorie. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, Bindungsmuster zu rekonstruieren. Dabei sind diese Verfahren nicht nur aus einer Forschungsperspektive von Relevanz, sondern durchaus auch für Praktiker/innen, da auf einer validen Basis von Untersuchungsergebnissen besser spezifische Interventionen überlegt werden können.

Der dritte Teil thematisiert Aspekte von Interventionen. Dabei wird eine praktische Unterteilung vorgenommen. Die beiden ersten Beiträge fokussieren auf die Arbeit mit Eltern. Der Beitrag von Kißgen stellt das amerikanische STEEP-Programm vor, welches für die Arbeit mit so genannten Hochrisikofamilien entwickelt wurde. Der Beitrag von Suess / Scheuerer-Englisch weist – vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen in einer Erziehungsberatungsstelle – auf, wie eine konkrete Arbeit mit Eltern bzw. Pflegeltern angegangen werden kann. Eine zweite Abteilung ist der Arbeit von pädagogischen Bezugspersonen vorbehalten. Eingegangen wird auf drei Arbeitsfelder. Strohband führt aus, welche Aspekte der Bindungstheorie im Bereich Kindertagesstätte zu beachten sind. Sie legt einen Schwerpunkt auf die Eingewöhnungszeit und die Bindung zu den Erzieherinnen. Julius verweist auf bindungsgeleitete Interventionen in der schulischen Erziehungshilfe und legt seinen Schwerpunkt auf pädagogische Strategien. Unzner schließlich bezieht sich in seinem Beitrag auf bindungsgeleitete Interventionen im Heim. Fallbeispiele illustrieren dabei, wie Bindungsaspekte in der pädagogischen Arbeit einbezogen werden können.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich zum einen an professionelle Fachkräfte aus den Bereichen Soziale Arbeit, Pädagogik und Psychotherapie, die mit verhaltensauffälligen Kindern arbeiten. Zum anderen ist es eine wertvolle Quelle für Studierende aus diesen Bereichen.

Fazit

Dieses Buch stellt eine gelungene Verbindung zwischen theoretischer Darstellung und praktischen Bezügen der Bindungstheorie dar. Es ist verständlich geschrieben und gut lesbar. Die angeführte Literatur ist auf dem aktuellen Stand der Fachdiskussion. Mitglieder in den angeführten Berufsgruppen, die mit Kindern und Eltern arbeiten, können von der Lektüre dieses Buchs sehr profitieren. Darüber ist zu wünschen, dass es in einschlägigen Hochschulbibliotheken präsent sein sollte.

Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Es gibt 89 Rezensionen von Peter Bünder.

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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 15.09.2009 zu: Henri Julius, Barbara Gasteiger-Klicpera, Rüdiger Kißgen (Hrsg.): Bindung im Kindesalter. Diagnostik und Interventionen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2009. ISBN 978-3-8017-1613-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7594.php, Datum des Zugriffs 21.02.2024.


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