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Roland Stein, Dagmar Bless (Hrsg.): Integration in Arbeit und Beruf bei Behinderungen und [...]

Cover Roland Stein, Dagmar Bless (Hrsg.): Integration in Arbeit und Beruf bei Behinderungen und Benachteiligungen. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2009. 238 Seiten. ISBN 978-3-8340-0523-6. 18,00 EUR.

Reihe: Basiswissen Sonderpädagogik - Band 4.
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Reihe „Basiswissen Sonderpädagogik“ und Ziel des 4. Bandes

Allgemeine Informationen zur Reihe finden sich unter Reihe: Basiswissen Sonderpädagogik.

Ziel dieses vierten Bandes ist die Vorstellung zentraler Institutionen der beruflichen Eingliederung von jugendlichen und erwachsenen Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen und die Analyse ihrer pädagogischen Konzepte. Ein besonderes Kapitel ist dem Leben ohne Erwerbsarbeit gewidmet.

Aufbau und Inhalt

In seinem einführenden Beitrag zu diesem Band „Integration in Arbeit und Beruf bei Behinderungen und Benachteiligungen" gibt Roland Stein zunächst eine knappe Darstellung der historischen Entwicklung der Einbindung von Menschen mit Behinderungen ins Berufsleben - von z. T. problematischen Vorstellungen wie „Erziehung durch Arbeit" im 18./19. Jahrhundert bis zu einem sehr differenzierten System von Förderung bei Behinderungen und Benachteiligungen in der Gegenwart, das durch verstärkte Bemühungen um Integration und Inklusion gekennzeichnet ist.
Problematische Entwicklungen in der Gegenwart sind u. a. die Zunahme von Hauptschülern in „Behindertenberufen", gewachsene Anforderungen in Facharbeiterberufen zu Lasten einfacher Tätigkeiten und eine steigende Zahl (lebenslang) Erwerbsloser über alle Benachteiligungsformen hinweg. In der anschließenden Vorstellung der Einzelbeiträge werden Aufbau und grundlegende Inhalte erläutert.

Stephan Hirsch stellt in seinem Beitrag „Werkstätten für behinderte Menschen" zunächst einige Widersprüche in der aktuellen Entwicklung dar: Trotz zahlreicher Projekte zur Förderung des Übergangs in den ersten Arbeitsmarkt ist die Zahl der Plätze in den Werkstätten für Behinderte in den letzten Jahren erheblich angestiegen und steigt noch weiter. Diese sind nach wie vor vorwiegend im handwerklichen und produzierenden Gewerbe tätig, obwohl der allgemeine Trend in Richtung Dienstleistungsgesellschaft geht.
Nach einer kurzen Darstellung historischer Aspekte wird die Werkstatt in ihrer heutigen Form mit den vier Bereichen „Eingangsverfahren", „Berufsbildungsbereich", „Arbeitsbereich" und „Außenarbeitsplätze" ausführlich vorgestellt. Ein besonderer Abschnitt wird der „Tagesförderstruktur" für diejenigen Behinderten gewidmet, die keine wirtschaftlich verwertbaren Arbeitsleistungen liefern können. Nur in Nordrhein-Westfalen wird dieser Personenkreis in die Werkstätten integriert.
In einem Exkurs zur Entwicklung in Europa stellt der Autor fest, dass die kontinentaleuropäischen Länder wie Frankreich und Polen einen ähnlichen Weg eingeschlagen haben wie Deutschland, während in Großbritannien und den skandinavischen Ländern stattdessen die unterstützte Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt im Mittelpunkt steht.
Der Verfasser verschweigt Probleme nicht wie z. B. die Kritik von Selbsthilfegruppen, die in Werkstätten Instrumente der Segregation von Menschen mit Behinderungen sehen oder den Konflikt zwischen Pädagogik und Produktion, versucht sie aber dadurch zu relativieren, dass er Werkstätten zu Alternativen des erwerbswirtschaftlichen Modells erklärt. Diese Argumentation ist insofern nicht stichhaltig, als er selbst feststellt, dass in anderen europäischen Ländern der Kreis der in den allgemeinen Arbeitsmarkt integrierten Personen wesentlich höher ist.

Der Widerspruch zwischen „Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt“ und „Förderung in besonderen Einrichtungen" wird auch von Matthias Grünke, Walter Ketzinger & Anna-Maria Hintz in ihrem Beitrag „Außerbetriebliche Einrichtungen: Berufsbildungswerke und Berufsförderungswerke“ ausführlich reflektiert. Sie verweisen am Beispiel USA darauf, dass international gesehen Maßnahmen zur effektiven Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt im Mittelpunkt stehen. Bedeutsam sind hier vor allem zwei Konzepte, die sich gegenseitig ergänzen:

  1. „Supported Employment" (Unterstützte Beschäftigung) bedeutet, dass Betroffene ein spezielles Training erhalten, um die benötigten Fähigkeiten zu erwerben.
  2. „Customized Employment" bedeutet dagegen, Arbeitsplätze an die geringere Qualifikation der Betroffenen anzupassen.
    Das bundesdeutsche Konzept der außerbetrieblichen Ausbildung sieht dagegen die Förderung des betroffenen Personenkreises in besonderen Einrichtungen wie Berufsbildungswerken für die berufliche Erstausbildung und Berufsförderungswerken für Erwachsene vor, die ihren Beruf z. B. wegen Krankheit nicht mehr ausüben können. Zurzeit gibt es in Deutschland 52 Berufsförderungswerke mit 13.000 Plätzen. Sie werden überwiegend von männlichen (65 %) Absolventen der Schulen für Lernbehinderte (55 - 60 %) besucht. In 28 Berufsförderungswerken stehen ca. 15.000 Plätze mit dem Ziel von Hilfen bei beruflicher Neuorientierung zur Verfügung.
    Beide Einrichtungstypen bieten sowohl Abschlüsse in anerkannten Ausbildungsberufen als auch Ausbildungen mit besonderen Regelungen für Menschen mit Behinderungen - häufig unter Reduktion des Theorieanteiles – an.
    In ihrer Gesamtbewertung kritisieren die Autoren, dass die Wirksamkeit außerbetrieblicher Ausbildung bisher nicht ausreichend nachgewiesen und der Anteil im internationalen Vergleich zu hoch sei.
    Besonders nützlich für den Leser ist die Auflistung aller außerbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen mit ihren jeweiligen Förderschwerpunkten.

Der Beitrag von Simone Schüller „Integrationsfachdienste und assistierende Hilfen"

wendet sich einem Bereich zu, der in Deutschland quantitativ gesehen bisher vernachlässigt wurde. Die Integrationsfachdienste (IFD) sind im September 2000 durch die Reform des Schwerbehindertenrechts entstanden. Sie führen zwei schon früher bestehende Dienste zusammen, deren Aufgabe in der Sicherung (Psychosoziale Dienste) und der Vermittlung (Berufsbegleitende Dienste) von Arbeitsplätzen bestanden. Hauptaufgaben der IFD sind die Erstellung von Fähigkeits- und Leistungsprofilen der Betroffenen, die Acquise von Arbeitsplätzen und die Begleitung am Arbeitsplatz, ggf. durch Training berufspraktischer Fähigkeiten.
Arbeitslose liegen bei den vermittelten Klienten mit weit über 90 Prozent an der Spitze. Der Anteil der Sonderschulabsolventen und Werkstattbeschäftigten ist dagegen sehr gering.
Trotz Problemen in der Finanzierung zieht die Verfasserin eine insgesamt positive Bilanz der bisherigen Arbeit, weil auch mehrere Jahre nach der Vermittlung noch 2/3 beschäftigt waren. Besonders wichtig ist der Hinweis, dass neben organisatorischen und finanziellen Verbesserungen vor allem die Einführung eines individuellen Rechtsanspruchs auf Leistungen der IFD erforderlich ist, um die Zahl der Vermittelten nennenswert zu erhöhen.

Christoph Winkler geht in seinem Beitrag „Aspekte schulischer Berufsvorbereitung" zunächst auf Veränderungen in der Berufs- und Arbeitswelt ein und vertieft Aspekte vorangegangener Beiträge. Automatisierung von Routinevorgängen durch den Einsatz IT-gestützter Arbeitssysteme und abnehmender Bedarf an Arbeitskräften ohne abgeschlossene Berufsausbildung engen die Möglichkeiten von Jugendlichen mit Behinderungen und Benachteiligungen erheblich ein. Der Mangel an Perspektiven für die eigene Lebensplanung beschädigt ihre Identität.
Für die schulische Berufsvorbereitung im Lernfeld „Arbeitslehre" ist deswegen wichtig, nicht nur die Arbeits-, Berufs- und Tätigkeitsfelder kennen zu lernen, sondern verstärkt auch emotionale und soziale Kompetenz zu entwickeln. Ausbildungsabbrüche sind meist nicht auf Scheitern an Leistungsanforderungen, sondern hauptsächlich auf psychosoziale Belastungen zurückzuführen. Dies gilt insbesondere für die Absolventen von Schulen mit den Förderschwerpunkten „Lernen" und „emotionale und soziale Entwicklung".
Besonders geeignet für die didaktische Umsetzung erscheint das Konzept der „Berufs- und Lebensorientierung" (BLO), das Lernen in der Schule mit der Erkundung von Berufsfeldern verbindet. Wachsende Bedeutung kommt der Förderung von Schlüsselqualifikationen (Sozialkompetenz, Methodenkompetenz, Selbstkompetenz) zu, die auch für eine selbstständige Lebensbewältigung notwendig sind. Problematisch ist jedoch auch hier, dass gewachsene Anforderungen z. B. an die Kommunikationskompetenzen für manche behinderte und benachteiligte Jugendliche ein weiteres Ausschlusskriterium sein können.
Schulisch vermittelte Qualifikationen müssen sich in der Bewältigung späterer Lebens- und Berufsprobleme bewähren. Deswegen ist es notwendig, die Schülerinnen und Schüler auch auf Krisen (z.B. Arbeitslosigkeit) sowie Ausgrenzung und Benachteiligungen vorzubereiten.
Hervorzuheben ist bei diesem Artikel, dass dem Verfasser sehr gut gelingt, schulische Handlungsmöglichkeiten im Spannungsfeld „Humanistisches Bildungsideal vs. Ausrichtung auf wirtschaftliche Sachzwänge" aufzuzeigen.

Mathilde Niehaus und in Daniela Julia Jaeger gehen in Ihrem Beitrag „Das Berufshinführungs- und Ausbildungssystem bei Behinderungen und Benachteiligungen" zunächst auf die Vor- und Nachteile des „dualen Systems" der Berufsausbildung ein. Für die Mehrheit der Jugendlichen vermittelt es eine gelungene Verbindung von Theorie und Praxis sowie einen bruchlosen Übergang zwischen Schule und Beruf. Für die Jugendlichen mit Behinderungen und Benachteiligungen gilt dies jedoch nur eingeschränkt, weil etwa die Hälfte von ihnen außerbetrieblich ausgebildet wird.
Für Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss und Abgänger von Förderschulen hat sich mit den „berufsvorbereitenden Maßnahmen" der Arbeitsagenturen ein Übergangssystem etabliert, dessen Leistungen in den meisten Fällen nicht auf vollqualifizierende Ausbildungsgänge angerechnet werden und von den Betroffenen deshalb als „Warteschleifen“ empfunden werden.
Ursachen für die Ausweitung nachschulischer Berufseinführung sind Mangel an Lehrstellen und mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger (9 % verlassen die Hauptschule ohne Abschluss).
Lösungen für diese Probleme bestehen zum einen in der Förderung von mehr Ausbildungsplätzen in Betrieben, wie dies im Job-Starter-Programm des BMBF durch finanzielle Zuschüsse für eine behindertengerechte Einrichtung geschieht, zum anderen in einer Durchlässigkeit zum dualen Systems durch Anerkennung vorher erworbener Kompetenzen im Rahmen einer Modularisierung der Ausbildung. Letzteres ist aber umstritten, weil Abschlüsse unterhalb von Facharbeitern zur Senkung des gesamten Niveaus führen könnten.
In Ihrem Resümee kritisieren die Verfasserinnen zu Recht die mangelnde Koordination im System nachschulischer Berufsbildung, die nur durch standardisierte Zertifikate und eine Öffnung des dualen Systems überwunden werden kann.

Ähnlich argumentiert Michael Stach in seinem Beitrag „Berufspädagogische Konzepte". Der institutionellen Segmentierung von Regelausbildung, Rehabilitation und Benachteiligtenforderung ordnet er in Anlehnung an andere Autoren eine „pädagogische Segmentierung" zu, die als „traditionelle Lernkonzepte", „Kompensationspädagogik“ und „Flexibilisierungskonzepte" bezeichnet werden.
Ansätze zur Flexibilisierung und Individualisierung, die sich weniger an der Sachstruktur des Stoffes, sondern an der Lernentwicklung der Auszubildenden orientieren, werden in der Erstausbildung noch zu wenig berücksichtigt. Individualisierung müsste Standard, nicht Gegenstand von Modellversuchen sein.
Eine flexiblere Gestaltung von Lernprozessen ermöglicht auch das E-Learning, das am konsequentesten im „Virtuellen Berufsbildungswerk" umgesetzt wird. Wenn am heimischen Arbeitsplatz gelernt wird, können Pflegemaßnahmen im häuslichen Umfeld leichter organisiert werden. Nachteil ist die soziale Isolierung der Auszubildenden, die bei handlungsorientierten Methoden wie Projekten, Planspielen, Rollenspielen oder Zukunftswerkstätten vermieden wird.
Am konsequentesten wird die Handlungsorientierung in „Produktionsschulen" umgesetzt, die nach reformpädagogischen Konzepten arbeiten und der Dominanz von kognitiven Lernprozessen durch produktive Tätigkeit entgegentreten. Prüfungen finden nicht statt, weil der Lernfortschritt sich in der Qualität der Arbeitsprodukte zeigt. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern ist dieser Schultyp in Deutschland rechtlich und finanziell nicht abgesichert.
Abschließend schlägt der Verfasser in seinem sehr lesenswerten Beitrag vor, den in Deutschland beschrittenen Weg der Separierung von Behinderten auch in der Berufsausbildung zu beenden und über einen Paradigmenwechsel nachzudenken, wie er im Inklusionskonzept vorgegeben ist.

Während die bisherigen Beiträge sich an der Systematik von Einrichtungen und ihren pädagogischen Konzepten orientiert haben, befasst sich Harald Ebert in seinem Artikel „Projekte, Trends und empirische Forschung - ein Fragment" bereichsübergreifend mit aktuellen Entwicklungen. Nach einer begrifflichen Klärung von Behinderung und Benachteiligung, in welcher er vor allem auf den Prozesscharakter von Behinderung (nicht: jemand ist behindert, sondern wird behindert) und die sozialen Bedingungen von Benachteiligungen (u.a. Herkunft und Nationalität) sowie ihre Folgen (Lernstörungen, Störungen des Sozialverhaltens, psychische Labilität) eingeht, wendet er sich aktuellen Trends in der „Szene" der benachteiligten jungen Menschen zu: Die demografische Entwicklung wird zwar das Problem des Lehrstellenmangels beseitigen bzw. lindern, Benachteiligte werden davon aber u.a. deswegen kaum profitieren können, weil ihnen das „Sozialkapital" im Sinne Bourdieus weitgehend fehlt. Sie verfügen nur in geringem Maße über ein soziales Netzwerk und werden deswegen besonders stark von „Prekarisierung" (unterdurchschnittlicher Lohn, befristete Beschäftigung, keine zuverlässige Zukunftsplanung) betroffen sein.
In der „Szene" der Werkstätten für behinderte Menschen werden trotz aktueller Zunahme der Beschäftigten verstärkt Alternativen wie „unterstützte Beschäftigung" (z. B. Hamburger Arbeitsassistenz) ausgebaut. Angesichts des Verlustes einfacher Arbeit weist der Verfasser auf die Notwendigkeit hin, auch für diesen Personenkreis durch Weiterbildung im Sinne lebenslangen Lernens gegenzusteuern.

Der abschließende Beitrag von Reinhard Lelgemann „Leben ohne Erwerbsarbeit - zur Situation von Menschen mit Beeinträchtigungen in einer Arbeitsgesellschaft" befasst sich mit der Bedeutung von Erwerbsarbeit für Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen. Seit der klassischen Studie von Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel im österreichischen Marienthal in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist bekannt, welchen Anteil Erwerbsarbeit an der Identitätsbildung hat. Trotz des von einigen Autoren prognostizierten „Endes der Erwerbsarbeit" hat sich hieran auch für Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen bisher wenig geändert, die häufig nicht über ausreichende personale und soziale Ressourcen verfügen, um bei Arbeitslosigkeit eine positive neue Identität entwickeln zu können.
Die materielle Situation vieler Arbeitsloser hat sich durch die als „Hartz IV" bezeichneten Reformen der Sozialgesetzgebung so verschlechtert, dass eine bewusste Entscheidung für ein Leben ohne Erwerbsarbeit nur sehr schwer möglich ist. Es gibt jedoch eine Gruppe von Menschen, die sich in dieser Situation eingerichtet hat. Der Anteil Schwerbehinderter unter ihnen ist nicht bekannt.
Für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf gibt es z. B. in Tagesförderstätten Angebote, ein Leben ohne Erwerbsarbeit zu gestalten. Die Qualität dieser Angebote ist aber sehr unterschiedlich.
Einigen Menschen mit schweren Körper- oder Sinnesbehinderungen gelingt es, eine Lebensperspektive außerhalb von Erwerbsarbeit z. B. durch ehrenamtliche Tätigkeiten zu entwickeln. Voraussetzung ist in der Regel ein Zusammenschluss in Peer-Groups, welche die sozialen Funktionen der Erwerbsarbeit erfüllen.
Ein Paradigmenwechsel in der Arbeits- und Sozialpolitik, der den Zwang zur Arbeit durch einen „Bürgergeld" oder „Grundeinkommen" in ausreichender Höhe für alle ersetzt, könnte die materielle Basis für eine Lebensperspektive ohne Erwerbsarbeit sein. Die hierzu entwickelten Modelle sehen einen hohen Anteil ehrenamtlicher Arbeit vor, die Menschen mit Behinderungen aber eher als Objekte dieser Bürgerarbeit denn als aktive Teilnehmer sehen.
Der Verfasser sieht den seinem sehr zum Nachdenken anregenden Beitrag die künftige Aufgabe der Heil- und Sonderpädagogik darin, für Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen diese Perspektiven einer aktiven Teilhabe jenseits der Erwerbsarbeit zu entwickeln.

Fazit

Ebenso wie Band 2 (Schulische Förderung bei Behinderungen und Benachteiligungen) macht auch der vorliegende Band deutlich, dass Deutschland mit der Schaffung von speziellen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen (Werkstätten, Berufsbildungs- und -förderwerken) im internationalen Vergleich einen Sonderweg eingeschlagen hat, während in den meisten anderen Ländern die Integration auf den allgemeinen Arbeitsmarkt angestrebt wird. Dies ist jedoch nicht den Verfasserinnen und Verfassern der lesenswerten Beiträge dieses Bandes anzulasten, die ein realistisches Bild der Ausbildungs- und Berufssituation von Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen vermitteln.

Wünschenswert wäre jedoch eine Ergänzung der Beiträge zur Berufsausbildung durch einen Artikel zu Möglichkeiten (und Einschränkungen) für ein Studium an Hochschulen gewesen.


Rezensent
Prof. i.R. Manfred Baberg
Hochschule Emden/Leer, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. Arbeitsgebiete u.a. Behindertenarbeit und Integrationspädagogik in den Studiengängen Soziale Arbeit/Sozialpädagogik und Integrative Frühpädagogik
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Zitiervorschlag
Manfred Baberg. Rezension vom 10.08.2009 zu: Roland Stein, Dagmar Bless (Hrsg.): Integration in Arbeit und Beruf bei Behinderungen und Benachteiligungen. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2009. ISBN 978-3-8340-0523-6. Reihe: Basiswissen Sonderpädagogik - Band 4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7606.php, Datum des Zugriffs 20.10.2018.


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