Mitja Krajncan: Phantasievolle Erziehung
Rezensiert von Prof. i. R. Dr. Werner Michl, 30.05.2009
Mitja Krajncan:Phantasievolle Erziehung. Methoden erlebnis- und handlungsorientierter Pädagogik. Shaker Verlag (Aachen) 2008. 123 Seiten. ISBN 978-3-8322-7645-4. 26,80 EUR.
Reihe: Schriften zur Bildungs- und Freizeitwissenschaft - Band 3.
Praxiseindrücke aus Slowenien
Mitja Krajnčan ist durch mehrere deutschsprachige Publikationen bekannt. Nun liegt seine Habilitationsschrift vor, die der Shaker Verlag im Rahmen der „Schriften zur Bildungs- und Freizeitwissenschaft“ herausgegeben hat. Da es wenige Autoren aus Südosteuropa und Osteuropa gibt, die sich mit Erlebnis- und Freizeitpädagogik auseinandersetzen, ist man zunächst sehr erfreut über diese Publikation. Zudem gab es ein Peer-Review-Verfahren, das eine grundlegende Qualität garantieren soll.
Themenlager
Ein genauerer Blick jedoch relativiert den Wert dieser Publikation. Zunächst muss man das Thema deutlich einschränken. Es handelt sich um so genannte Themenlager, die vom Ansatz her dem Live-Rollenspiel ähneln. Eigentlich kein großes Problem, aber das muss man im Titel, wenigstens im Untertitel, erwähnen. Es bleibt auch die Frage offen, wer diese Habilitationsschrift ins Deutsche übersetzt hat. Jedenfalls ist diese Fassung sprachlich ungelenk, mit zu vielen Fehlern behaftet und manchmal einfach unverständlich. Themenlager und Phantasie kann man nicht, jedenfalls nicht in der deutschen Übersetzung, als Synonym verwenden. Auf Seite 7 gibt es zweimal den gleichen Absatz; das kann man, wie auch weitere Wiederholungen, vermeiden.
Märchen, Filme und Romane in die Realität umgesetzt
Ohne Zweifel sind die hier beschriebenen Themenlager wertvolle praktische Beispiele. Im dritten Kapitel versucht Krajncin, die Grundbegriffe zu definieren. Krajnčan hat sich intensiv mir der deutschsprachigen Erlebnispädagogik auseinander gesetzt. Trotzdem klingt seine Definition (S. 13) sehr einseitig, zugeschnitten auf Jugendliche, deren Defizite auszugleichen sind. Auch die oft beschworene partnerschaftliche Beziehung ist romantisch und gilt nur bis zu dem Augenblick, bis zu dem alles im Sinne des Pädagogen funktioniert. Die Assoziationen zu „Themenlager“ (S. 16) sollten geordnet werden; insgesamt schmälert das aber nicht den Stellenwert dieser Methode. Die Beispiele und Geschichten regen zum Nachmachen an. Das 2002 veranstaltete Indianerlager wird, wie viele weitere Themenlager, in Struktur und Aufbau detailliert beschrieben (S. 43) und wird sicherlich viele Pädagogen inspirieren. Die Ideen zu den Themenlagern stammen aus Filmen, Märchen, Romanen, Fabeln, Legenden, Sagen etc. Sie prägen das Lagerleben oft bis ins kleinste Detail, und man kann sich gut vorstellen, dass irgendwann ein großer Zauber alle Beteiligten erfasst. Das Buch ist voll mit anregenden Beispielen und Praxistipps.
Einblicke und Ausblicke
Krajnčan beendet seine Ausführungen mit dem vierten Kapitel „Phantasievolle Erziehung – Einblicke und Ausblicke“. Die zahlreichen Fotos verdeutlichen eigentlich vieles, sind andererseits leider oft zu unscharf. Und leider fehlt eine schriftliche Zusammenfassung, die das Buch abrundet.
Fazit
Man ist bei der Lektüre hin und her gerissen. Einerseits freut man sich über einen anregenden Praxisbericht aus Slowenien, andererseits gibt es doch viele handwerkliche Fehler, die das Lesevergnügen etwas schmälern.
Rezension von
Prof. i. R. Dr. Werner Michl
TH Nürnberg Georg Simon Ohm und Universität Luxemburg
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