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Birgit Ertl-Wagner, Sabine Steinbrucker u.a.: Qualitätsmanagement & Zertifizierung

Cover Birgit Ertl-Wagner, Sabine Steinbrucker, Bernd Wagner: Qualitätsmanagement & Zertifizierung. Praktische Umsetzung in Krankenhäusern, Reha-Kliniken, stationären Pflegeeinrichtungen. Springer (Berlin) 2009. 204 Seiten. ISBN 978-3-540-89084-3. 39,95 EUR, CH: 62,00 sFr.

Reihe: Erfolgskonzepte Praxis- & Krankenhaus-Management.
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Autorinnen und Autor

Drei Fachautoren haben sich als interdisziplinäres Team aus ärztlichem, pflegerischem und wirtschaftswissenschaftlichem Bereich zusammengetan, um dieses Buch zu verfassen. Sie sind beruflich im Qualitätsmanagement tätig.

  • PD Dr. Birgit Ertl-Wagner ist Fachärztin für Radiologie und Neuroradiologie mit Zusatzbezeichnung Ärztliches Qualitätsmanagement und habilitierte Oberärztin am Institut für Klinische Radiologie der Universität München – Großhadern. Sie war bis 2008 Qualitätsmanagementbeauftragte des Instituts und hat in dieser Funktion die Erstzertifizierung der Abteilung nach DIN EN ISO 9001:2000 verantwortet.
  • Mag. Sabine Steinbrucker hat die Stabsstelle der Direktion für Qualitäts- und Risikomanagement des Klinikums der Universität München - Großhadern inne. Sie ist Mitglied des Lenkungsausschusses Qualitätsmanagement und stellvertretende oberste CIRS-Verantwortliche am Klinikum. Sie ist TQM-Auditorin und EFQM-Assessorin und leitet den interdisziplinären Lehrgang Qualitätsmanagement am Klinikum.
  • Dr. Bernd C. Wagner ist promovierter Historiker. Nach einer Tätigkeit als Consultant in einer Unternehmensberatungsgesellschaft wechselte er zu einem IT-Dienstleistungsunternehmen. Nach mehreren Jahren im Management Consulting und der Corporate Strategy ist er derzeit u.a. für das Competence Center Customer Relationship Management verantwortlich.

Zielgruppe

Ärzte, Pflegepersonal und Klinikmanager in allen stationären Einrichtungen, die für ihre Abteilung/ ihr Krankenhaus für das Qualitätsmanagement verantwortlich sind; Bildungseinrichtungen im Gesundheitswesen, z.B. Krankenpflegeschulen.

Thema

„Qualitätsmanagement ist nicht nur Kontroll-, sondern auch Ratgeberinstanz.“ (Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer). Die Begriffe Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement sind in der Wirtschaft seit vielen Jahrzehnten etabliert. Im Gesundheitswesen sind Qualitätssicherungsmaßnahmen und Qualitätsmanagement jedoch erst seit den 1980er Jahren bzw. durch aktuell neu geschaffene gesetzliche Forderungen zu einem Thema geworden. Die Forderung nach Qualitätsmanagement im Krankenhaus ist eng verbunden mit den Finanzierungsproblemen des deutschen Gesundheitswesens und der daraus entstandenen Gesundheits- und Sozialpolitik. Da die Qualitätssicherungsmaßnahmen Eingang in die Sozialgesetzgebung gefunden haben, ist speziell für den Krankenhausbereich die Verankerung der Qualitätssicherung und die Verpflichtung zur Einführung eines QM-Systems in den §§ 135 - 137 SGB V festgelegt.

Seit 2007 sind Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, ihre Daten zur Behandlungsqualität direkt auf ihr Krankenhaus bezogen zu veröffentlichen. Und gute Qualität rechnet sich: Gute Ergebnisse stellen einen Wettbewerbsvorteil bei Patienten und zuweisenden Ärzten dar; Schwachstellen werden aufgedeckt, sodass Verbesserungen und Effizienzsteigerungen möglich werden. Eine systematische (gerichtsfeste) Dokumentation gibt sowohl Patient als auch Arzt mehr Sicherheit. Die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems kostet zwar Geld, doch der Aufwand lohnt sich.

Hierfür sind maßgeblich leitende Ärzte verantwortlich. Sie sind mehr als nur medizinisches Leitungspersonal; die Anforderungen an ihre Tätigkeit umfassen Teamführung, Kodier- und Abrechnungsfragen, die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, die Sicherstellung eines patientengerechten Leistungsspektrums, die Schaffung effizienter Abläufe und einer leistungsgerechten Kostensteuerung und das Qualitätsmanagement.

Aufbau und Inhalt

Kapitel 1 beschäftigt sich mit den Hintergründen des Qualitätsmanagements. Es werden die wichtigsten Wegbereiter des Qualitätsbegriffs und des Qualitätsmanagements (QM) vom Altertum bis hin zu modernen QM-Ansätzen und ihre Ideen und Ansätze vorgestellt. Kurz erläutern die Autoren, warum ein QM wichtig ist.

Kapitel 2 geht auf die Grundlagen des QM im Gesundheitswesen ein. Warum braucht die Medizin ein Qualitätsmanagement? Es werden die Entwicklungsgeschichte des QM im Gesundheitswesen und die gesetzlichen Grundlagen und Anforderungen in Deutschland erörtert. Dazu gehören der seit 2005 verpflichtende strukturierte Qualitätsbericht nach § 137 SGB V und die seit 1989 durchgeführte externe vergleichende Qualitätssicherung nach dem sog. BQS-Verfahren (ein seit 10 Jahren etabliertes Verfahren der Bundesstelle für Qualitätssicherung).

Die Modelle des Qualitätsmanagements sind Gegenstand des dritten Kapitels und bilden das umfänglichste Kapitel. Verschiedene Normierungsstandards im allgemeinen und im QM im besonderen auf das Gesundheitswesen bezogen werden vorgestellt. Thematisiert werden die QM-Ansätze sowie dazugehörige Zertifizierungsverfahren und deren Standards. Am Schluss stellt und beantwortet das Kapitel die Frage, welches Modell wann geeignet ist und vergleicht die wichtigsten Verfahren übersichtlich in einer Tabelle.

Daran anschließend skizziert das vierte Kapitel Begleitkonzepten und Instrumente des QM wie der Failure Mode and Effects Analysis (FMEA), der Quality Function Deployment (QFD) und dem House of Quality, dem Statistical Process Control (SPC), der Balanced Scorecard und Six Sigma.

Kapitel 5 nennt die Voraussetzungen des QM: die Definition von Kunden, Lieferanten und interessierten Parteien, die Anforderungen an die Führungsebene, an die Personalführung und -entwicklung und die Prozessentwicklung.

Wie eine Prozesslandschaft entwickelt werden kann, welche Grundlage eines funktionierenden QM ist, wird im sechsten Kapitel dargestellt. Zuerst wird der Ist-Zustand erfasst, danach wird untersucht was Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse sind, wie diese gewichtet werden können mit Hilfe der Wertschöpfungsanalyse und wie die gewonnenen Erkenntnisse erfasst und dokumentiert werden. Wer welche Rolle inne hat im Prozessmanagement, wird am Ende des Kapitels beantwortet.

Wie wird nun ein QM eingeführt? Dies ist Gegenstand des siebten Kapitels. Die einzelnen Schritte bis zur Einführung werden kurz dargelegt; es wird ein Leitfaden erstellt anhand einzelner Fragen. Welche Dokumente sind vorhanden? Wie verwalte man diese Dokumente? Wie dokumentiert man ein Qualitätsmanagement? Wie kann man den Fortschritt bewerten? Wie sorgt man für eine breite Akzeptanz? Wie bildet man die Mitarbeiter dafür aus und weiter? Wie reagiert das Umfeld auf das Projekt? Wie geht man mit Widerständen gegen ein QM um? Nicht zu vergessen sind hier die gesetzlichen Anforderungen, welche den Schluss des Kapitels bilden.

Nützliche Werkzeuge zur Unterstützung des QM stellen die Autoren im achten Kapitel vor. Sie unterteilen diese nach ihrem Einsatzzweck in die Kategorien Ideenfindung, Priorisierung / Sortierung und Projektmanagement. Darüber hinaus finden sich Ausführungen zum Knowledge Management, d.h. wie man Wissen verwaltet. Wie kann man Qualität am besten verbreitet und wie sich das erreichte Niveau mittels Qualitätszirkeln und Netzwerken für QM halten lässt, erörtert der Schluss des Kapitels.

Der Umgang mit Fehlern und Beschwerden ist Inhalt des neunten Kapitels. Die Autoren gehen auf die Bedeutung von Fehlern für den Entwicklungsprozess ein und wie man offen mit diesen umgeht und ein effizientes Fehlermanagement installieren kann. Eng verknüpft mit dem Fehler- sind das Beschwerde- und Risikomanagement, welche ebenfalls angesprochen werden.

Kapitel 10 befasst sich mit Überprüfungsmethoden, d.h. ob das QM funktioniert und welche Rolle Audits dabei spielen und wie das QM wahrgenommen wird und wie dies durch Befragungen überprüft werden kann.

Das elfte und letzte Kapitel ist mit „Fragen und Fakten“ überschrieben. Wann sollte man seine Krankenhaus oder seine Abteilung zertifizieren lassen? Was kostet QM? Benötigt man externe Hilfe? Wie finde man den richtigen Berater? Was kommt bei der Implementierung eines QM-Systems und Zertifizierung auf die Verantwortlichen zu? Wie findet man die richtige Zertifizierungsgesellschaft? Was passiert zwischen Zertifizierung und Rezertifizierung? Wann und warum sollte man auf andere Systeme umsteigen?

Den Schluss des Buches bilden ein zehnseitiges Glossar mit den wichtigsten Begriffen, eine thematisch gegliederte achtseitige Liste mit hilfreichen Internetlinks, eine zweiseitige Liste mit weiterführender Literatur und ein Sachverzeichnis.

Diskussion

Das vorliegende Buch vermittelt kurz, knapp und in verständlicher Sprache die notwendigen Grundlagen für diejenigen, die sich für das Thema Qualitätsmanagement im Krankenhaus interessieren. Die Kapitel bauen logisch aufeinander auf und sind stimmig in ihrer Reihenfolge. Auf jeweils wenigen Seiten werden Modelle, Verfahren und anerkannte Werkzeuge vorgestellt und erläutert, wie diese zu verwenden sind. Von den Wurzeln des QM, über allgemeingültige Modelle, zur Anwendung dieser Modelle auf den Gesundheitssektor, weiter zu den Voraussetzungen, nützlichen Werkzeugen und Entwicklungsschritten bei der Einführung eines QM, zu notwendigen Instrumenten nach der Einführung, um die Qualität dauerhaft zu gewährleisten bis zu nützlichen Hinweise am Ende bietet dieses Buch einen sehr übersichtlichen Einblick. Es stellt eine konkrete, praxisnahe Anleitung zur Einführung und Umsetzung von QM im Krankenhaus dar.

Wichtige Erkenntnisse eines Abschnitts werden grau hinterlegt am Ende noch einmal zusammengefasst. Der sinnvolle Einsatz von Tabellen und Abbildungen unterstützt dabei die textliche Darstellung. Checklisten, die direkt für das eigene Krankenhaus kopiert/verwendet werden können, runden dieses Bild ab. Hervorzuheben ist das letzte Kapitel, welches als FAQ (frequently asked questions) verstanden werden kann. Hier finden sich konkrete Angriffspunkte für den Leser, der ein QM in seinem Verantwortungsbereich einführen möchte und die Antwort auf themenübergreifende Fragen, welche sich vielleicht beim Lesen des Buches ergeben haben. Ebenfalls nützlich ist der Anhang und hier besonders die Liste mit Internetadressen.

Kritisch anzumerken ist allenfalls, dass sich das Überblickswerk für eine tiefer gehende Analyse in das Themenfeld sicher nicht eignet. Für den Krankenhausmanager und Ärzte mit einem knapp bemessenem Zeitbudget stellt es jedoch eine ideale einleitende Lektüre dar. Das Buch richtet sich an eine Leserschaft aus der Praxis und kann dessen Informationsbedürfnis sicher auch befriedigen. Auch für „Einsteiger" ohne Vorwissen, z.B. für Studierende bzw. Schüler einer Fachschule, ist es geeignet.

Fazit

Zusammenfassend kann man zu diesem Buch konstatieren, dass es eine lohnenswerte Lektüre zur praktischen Anwendung des QM im Krankenhaus ist.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 28.11.2009 zu: Birgit Ertl-Wagner, Sabine Steinbrucker, Bernd Wagner: Qualitätsmanagement & Zertifizierung. Praktische Umsetzung in Krankenhäusern, Reha-Kliniken, stationären Pflegeeinrichtungen. Springer (Berlin) 2009. ISBN 978-3-540-89084-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7683.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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