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Michael Brodowski u.a. (Hrsg.): Informelles Lernen und Bildung [...] nachhaltige Entwicklung

Rezensiert von Dr. Sandra Schaffert, 10.08.2009

Cover Michael Brodowski u.a. (Hrsg.): Informelles Lernen und Bildung [...] nachhaltige Entwicklung ISBN 978-3-86649-233-2

Michael Brodowski u.a. (Hrsg.): Informelles Lernen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Beiträge aus Theorie und Praxis. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2009. 275 Seiten. ISBN 978-3-86649-233-2. D: 29,90 EUR, A: 34,00 EUR, CH: 56,50 sFr.
Schriftenreihe "Ökologie und Erziehungswissenschaft".

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Thema: Informelles Lernen und nachhaltige Entwicklung

Informelles Lernen und nachhaltige Entwicklung sind gleichermaßen Begriffe, die in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit, auch von Seiten der Wissenschaft erfahren:

Gelernt wird nicht nur in Form von Seminaren und Bildungsangeboten von Bildungseinrichtungen, sondern auch, in weit aus größerem Umfang „informell“, d.h. beiläufig, auch unbewusst, in der Arbeit, durch ehrenamtliches Engagement, beim Fernsehschauen, im Gespräch mit Freunden oder beim Surfen im Internet.

Nachhaltige Entwicklung verfolgt den Anspruch, unsere heutige Gesellschaft solchermaßen zu gestalten, dass sie auch den Bedürfnissen zukünftiger Gesellschaften entspricht.

Zum „informellen Lernen für nachhaltige Entwicklung“ gibt es zwar eine Vielzahl von Initiativen und Projekten aus dem Bereich der nachhaltigen Entwicklung, wie die Agenda-21-Arbeitkreise oder Aktivitäten der Umweltschutzverbände, die genau hier ansetzen bzw. tätig sind, d. h. durch ihre Aktivitäten auch Lernprozesse und Aktivitäten angestoßen werden sollen, die die Idee der nachhaltigen Entwicklung fördern. Tatsächlich gibt es jedoch nur wenige deutschsprachige Veröffentlichungen, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Entstehungshintergrund

Mit dem vorliegenden Sammelband haben es die Herausgeber sich die Aufgabe gestellt, Beiträge zum informellen Lernen und zur nachhaltigen Entwicklung zusammenzustellen, um damit erstmal einen Überblick zu dem Thema zu anzubieten. Die Veröffentlichung entstand dabei aus einer Arbeitsgemeinschaft zum informellen Lernen im Rahmen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Bildung“ heraus.

Aufbau und Inhalt

Das Band umfasst 24 Beiträge, dazu kommen ein Vorwort sowie eine Einführung sowie ein Schlusswort der Autoren. Die Beiträge werden dabei sieben Themen zugeordnet und stammen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen. Da die Beiträge zum Teil – mit zum Teil weniger als fünf Buchseiten – recht kurz sind, werde ich im Folgenden nicht auf jeden einzelnen eingehen.

Zum ersten Abschnitt „Informelles Lernen und nachhaltige Entwicklung“ gehören eher allgemeine Beiträge, die sich zum Teil vor allem auf den Aspekt des informellen Lernen allgemein beziehen, so führt Bernd Overwien in den Begriff und seine Bedeutung sowie aktuelle Forschungsaktivitäten ein. Manfred Walser macht deutlich, wie das Konzept der nachhaltigen Entwicklung mit dem informellen Lernen zusammenhängt und wie es sich darauf bezieht.

Im zweiten Abschnitt wird betrachtet, wie informelles Lernen im Rahmen der Agenda-21-Arbeitskreise und -Aktivitäten stattfindet bzw. auch gezielt gefördert wurde. Edgar Göll stellt dies eher zusammenfassend dar, Manfred Walser am Beispiel der Bodenseeregion und Ulrike Devers-Kanoglu anhand von Nord-Süd-Kooperationen.

Mit informellem Lernen im ökologischen Bereich beschäftigen sich fünf Beiträge: Hier diskutiert Norbert Jung u. a. die Frage der Naturerfahrung für Umweltbildung, Susanne Rodemann untersucht die Entwicklung von Gestaltungskompetenz durch freiwilliges Engagement bei Greenpeace und Susanne Salinger Naturschutz als Motor informellen Lernens.

Vier Beiträge gehören zum Abschnitt „Informelles Lernen in sozialen und gesellschaftlichen Kontexten“; hier werden u.a. Mehrgenerationenhäuser (Petra Bollweg und Thomas Coelen); freiwilliges Engagement von Jugendlichen (Wiebken Düx und Erich Sass) sowie Elternschaft (Alexandra Schmidt-Wenzel) genauer betrachtet.

Informelles Lernen und Nachhaltigkeit in wirtschaftlichen Zusammenhängen ist die Klammer um drei Beiträge, u. a. zur Nachhaltigkeit von informellen Lernen in der beruflich-betrieblichen Weiterbildung (Gabriele Molzberger und Matthias Rohs) und den Potenzialen von Biohöfen als informelle Wissensvermittler (Tina Boeckmann).

Zwei Beiträge betrachten Nachhaltigkeit und informelles Lernen im Bezug auf Medien; einer zu Massenmedien (Maike Tibus und Manuela Glaser), der zweite zur Enzyklopädie Wikipedia (Ingo Frost und Matthias Rohs).

Zwei Beiträge beschäftigen sich schließlich mit informellem Lernen für nachhaltige Entwicklung in Bildungsinstitutionen; die neben ihren gesteuerten Bildungsaktivitäten auch gleichzeitig Gelegenheiten für informelles Lernen bietet.

Im Schlusswort fassen die Herausgeber die Beiträge zusammen, indem sie das zugrunde liegende Verständnis von nachhaltiger Entwicklung sowie von informellem Lernen beschreiben und zusammenstellen, ob und wie aus Sicht der AutorInnen eine gezielte inhaltliche Beeinflussung oder Förderung informellen Lernens möglich ist.

Diskussion

Informelles Lernen und Nachhaltigkeit sind beides Begriffe die nicht ganz eindeutig definiert werden; ihre Kombination kann zudem unterschiedlich verstanden werden. Dies spiegelt sich auch in den Beiträgen dieses Bandes, die durch die Einleitung und das Schlusswort der HerausgeberInnen umklammert und zusammengebracht werden. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass die AutorInnen dezidierter bzw. gleichermaßen die Möglichkeiten informellen Lernens bzw. den Aspekt der Nachhaltigkeit diskutieren, sie sich also tendenziell nicht nur einem Thema des Bandes widmen. Allerdings ist dies auf wenigen Buchseiten auch kaum möglich; und die Fülle und Unterschiedlichkeit der Beiträge zeigt wiederum die Spanne und Vielfältigkeit des Themas.

Fazit

Insgesamt gelingt den AutorInnen und HerausgeberInnen mit dieser Veröffentlichung, was sie im Klappentext ankündigen: „Diese [Beispiele] sollen dazu beitragen, Anregungen für die produktive Verknüpfung der beiden Themenbereiche in Theorie und Praxis zu geben, aber sie sollen auch Widerspruch provozieren und Fragen aufwerfen, um eine kritisch-konstruktive Diskussion in Gang zu setzen bzw. weiterzuführen und damit die Potentiale dieser womöglich äußerst fruchtbaren Verbindung eloquent auszuleuchten“.

Rezension von
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung

Es gibt 23 Rezensionen von Sandra Schaffert.

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ISSN 2190-9245