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Christine von Reibnitz (Hrsg.): Homecare

Cover Christine von Reibnitz (Hrsg.): Homecare. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2009. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. 208 Seiten. ISBN 978-3-456-84639-2. 34,95 EUR, CH: 59,90 sFr.

Reihe: Pflegemanagement, Fachpflege.
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Thema

Dieses von der Autorin Christine von Reibnitz in der zweiten Auflage herausgegebene Sammelbuch enthält Aufsätze verschiedener Autoren unterschiedlicher beruflicher und institutioneller Hintergründe zum Homecare-Ansatz und ist der Reihe Pflegemanagement / Fachpflege des Huber Verlags zugeordnet. Homecare als ein ursprünglich in den USA entstandener Ansatz begründet sich zunächst angesichts entsprechender Bedarfslagen auf Seiten der Patienten. Diese entstehen aus der demografischen Entwicklung, dem vorherrschenden Krankheitsspektrum mit der herausragenden Bedeutung chronischer Krankheiten in den Industrienationen, neueren Finanzierungsmodellen und Errungenschaften der Medizintechnik. Bekanntermaßen resultieren aus der DRG-Finanzierung in Krankenhäusern kürzere Verweildauern, so dass Patienten mit einem größeren therapeutischen Bedarf früher nach Hause, in eine Rehabilitationseinrichtung oder ins Pflegeheim entlassen werden. Auf Seiten der Krankenhäuser sind mit den DRGs Anreize zur Vermeidung kostspieliger und mitunter existenzbedrohender Wiedereinweisungen geschaffen, die die frühzeitige, interdisziplinär verschränkte und den gesamten prä-, intra- und poststationären Behandlungsprozess umfassende Vernetzung mit vor- und nachgeschalteten Versorgern unabdingbar werden lassen. Im Rahmen einer integrierten Versorgung und in Verbindung mit dem Ansatz des Case Managements verspricht Homecare gerade dort Versorgungslücken zu schließen, wo es um die Fortführung medizinischer Therapie aus dem Krankenhaus und der kontinuierlichen Anpassung und Begleitung von Patienten mit chronischen Krankheiten außerhalb des Klinikbereichs geht. Gerade chronische Krankheiten bringen häufig einen fortwährenden Behandlungs-, Überwachungs- Betreuungs- und Pflegebedarf mit sich. In Kombination mit Entwicklungen in der Medizintechnik, die zu neuen technischen Errungenschaften mit der Möglichkeit der Nutzung technikintensiver Therapien außerhalb der stationären Akutversorgung führen, ergibt sich für die Nutzer die Notwendigkeit, beispielsweise mit (par)enteraler Ernährung, Heim- und Peritonealdialyse oder einer an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichteten Wundversorgung verbundenen Hilfsmittel und Produkte handhaben zu müssen. Homecare ist allerdings nicht mit ambulanter Pflege gleichzusetzen, sondern ein neueres Angebot so genannter Homecare-Unternehmen, das sich – so der Tenor dieses Sammelbuchs – im bundesdeutschen Gesundheitswesen mit seinen von Schnittstellenbrüchen bedrohten Versorgungsstrukturen im Kanon anderer Anbieter etablieren wird, sollte es gelingen, Homecare auch in der einschlägigen Gesetzgebung mit entsprechender Finanzierung zu etablieren.

Entstehungshintergrund

Die Herausgeberin Frau Dr. sc. agr. Christine von Reibnitz, MPH, ist in diesem Fachgebiet durch zahlreiche Publikationen und durch die Erstauflage des vorliegenden Werkes einschlägig bekannt. Außerdem finden sich in diesem Sammelband zahlreiche weitere Mitautoren, die den Gegenstand Homecare als Experten aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven und Handlungsfeldern im Zusammenhang mit aktuellen gesellschaftlichen, gesundheitspolitischen Entwicklungen und im Verhältnis zu und mit anderen Versorgungskonzepten beleuchten.

Zielgruppen

Die vorliegende Publikation richtet sich in erster Linie an all diejenigen Personen, die sich für neue Versorgungskonzepte im Gesundheitswesen interessieren, wie Pflegemanager, Gesundheitspolitiker, Kostenträger aber auch Praktiker aus unterschiedlichen Gesundheitsfachberufen. Dies schließt auch Lehrende und Lernende in verschiedenen Gesundheitsfachberufen ein. Damit wird mit dieser Publikation ein interdisziplinäres Publikum angesprochen.

Aufbau …

Die vorliegende Publikation gliedert sich in die folgenden Kapitel:

  1. Einführung
  2. Rechtliche Grundlagen und Finanzierung von Homecare
  3. Patientensteuerung in der Homecare-Versorgung
  4. Integrierte Versorgung – eine Perspektive für Homecare
  5. Ernährung in der ambulanten häuslichen Versorgung
  6. Rechtliche Aspekte der künstlichen Ernährung in der häuslichen Versorgung
  7. Case Management in der spezialisierten ambulanten Versorgung Schwerstkranker und Sterbender
  8. Case Management optimiert Patientenüberleitung
  9. Homecare in der Palliativmedizin
  10. Homecare: Häusliche Versorgung schwer chronisch kranker Menschen
  11. Versorgungspfade unterstützen die Homecare-Versorgung
  12. Patientenrechte und Patientensouveränität in der Homecare-Versorgung
  13. Die Rolle der Angehörigen in der Homecare-Versorgung
  14. Homecare – eine Perspektive für die ambulante Pflege
  15. Spitex – Hilfe und Pflege zu Hause. Ambulante Grundversorgung in der Schweiz
  16. Homecare-Spezialisierung ambulanter Pflegedienste
  17. Interdisziplinäre Weiterbildungskonzepte für Homecare
  18. Rehabilitation braucht Homecare
  19. Weiterentwicklung der Homecare-Versorgung in Deutschland.

Am Ende jedes Kapitels findet sich ein Literaturverzeichnis. Der Text wird durch einige Abbildungen und Tabellen ergänzt. Abgerundet wird die Publikation mit einem Sachwort- und Autorenverzeichnis.

… und ausgewählte Inhalte

Zu Beginn der Publikation führt die Herausgeberin Christine von Reibnitz in den Begriff Homecare ein, grenzt diesen von ähnlichen Begriffen und anderen Versorgungsformen ab und bestimmt Homecare als „häusliche Therapie und damit ärztlich verordnete Leistungen, die von der Krankenversicherung und nicht der Pflegeversicherung finanziert werden“ (S. 11). Im Verlauf dieses Sammelbandes wird deutlich, dass sich die meisten der Mitautoren dieser Begriffsbestimmung anschließen und sich damit zumeist auch auf die genannte Definition der Herausgeberin beziehen, auch wenn deutlich wird, dass es unterschiedliche Auslegungen und Verständnisse gibt.

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen, die mit der Homecare-Versorgung, mit Hilfsmitteln und deren Finanzierung verbunden sind, widmen sich die Autoren der Patientensteuerung im Rahmen der DRG-Fallvergütung und den Vorteilen, diese an die Homecare-Versorgung zu koppeln, dem Case Management als in dieser Hinsicht effektivem Instrument, dem Verhältnis der integrierten Versorgung zu Homecare, bevor dann klinische Therapiebereiche am Beispiel der Ernährung in der ambulanten häuslichen Versorgung, in den damit verknüpften Therapieformen inhaltlich und in der klinischen und rechtlichen Bedeutung, erläutert werden. Weitere klinische Schwerpunkte und den damit zusammenhängenden Anforderungen an das Case Management sind den Therapiebereichen der spezialisierten ambulanten Versorgung Schwerkranker und Sterbender bzw. der Palliativmedizin gewidmet.

Dann werden die Optimierungsmöglichkeiten der Patientenüberleitung mittels des Case Managements und Homecare als integraler Bestandteil der Überleitungspflege untersucht.

Ein Kapitel ist den Besonderheiten chronisch kranker Menschen gewidmet, die ein wichtiges Klientel von Homecare bilden.

Dann werden Verbindungen zu Versorgungspfaden aufgezeigt und hierbei weitere klinische Bezüge, diesmal zur Wundversorgung, eingeflochten.

Der Darstellung der Patientenrechte und der Patientensouveränität ist ein weiteres Kapitel gewidmet. Da die Endnutzer von Homecare-Angeboten nicht allein die von den medizinischen Therapien unmittelbar Betroffenen sind, sondern auch deren Angehörige, nimmt ein weiteres Kapitel die Betrachtung deren Rollen aus verschiedenen Perspektiven in den Blick.

Das Verhältnis von Homecare und ambulanter Pflege wird dann beleuchtet, bevor die ambulanten Versorgungsstrukturen in der Schweiz anhand der spitalexternen Pflege (Spitex) als Praxisbeispiel veranschaulicht werden. Am Beispiel ausgewählter Krankheitsbilder werden die Vor- und die Nachteile der Spezialsierung ambulanter Pflegedienste erörtert.

Dann schließt sich eine Betrachtung neuerer Ansätze der Ausbildung zur Ausübung von Homecare erforderlicher Kompetenzen im Rahmen interdisziplinärer Lehr- und Lernmethoden in Form des E-Learnings, des problembasierten Lernens und des Skillslab an.

Außerdem werden Bezugslinien von Homecare zur Rehabilitation beleuchtet und die Publikation wird durch eine in die Zukunft gerichtete Betrachtung anstehender Entwicklungserfordernisse in der Etablierung von Homecare beschlossen, die nochmals zentrale Schwierigkeiten des deutschen Gesundheitswesens und Möglichkeiten deren Weiterentwicklung umreißt.

Diskussion und Fazit

Mit diesem Sammelband liegt eine fundierte, gut verständliche und gelungene Betrachtung des Ansatzes Homecare vor. Neben der ausführlichen, nachvollziehbaren und multiperspektivischen Begründung der Notwendigkeit des Ansatzes, tragen klinische Anwendungsbezüge auch im Rahmen von Fallbeispielen zur Veranschaulichung der Praxisrelevanz bei. Im Grunde kann dieses Werk auch als gute Einführung in einschlägige Gesetzgebungen, in neuere Versorgungskonzepte und auch in neue Lehrformen herangezogen werden. Sehr gut zum Verständnis des Ansatzes ist der multiperspektivische Ansatz dieser Publikation, der neben relevanten rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen verschiedene Akteure in den Blick nimmt. Ich wünsche dem Sammelband daher weite Verbreitung.


Rezension von
Prof. Dr. Michael Schilder
Professor für klinische Pflegewissenschaft an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt
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Zitiervorschlag
Michael Schilder. Rezension vom 23.10.2009 zu: Christine von Reibnitz (Hrsg.): Homecare. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2009. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. ISBN 978-3-456-84639-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7709.php, Datum des Zugriffs 19.09.2020.


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