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Roland Weber: Paare in Therapie

Cover Roland Weber: Paare in Therapie. Erlebnisintensive Methoden und Übungen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2008. 276 Seiten. ISBN 978-3-608-89028-0. 24,90 EUR.

Reihe: Leben lernen - 191.
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Thema

Gründermütter der Familientherapie, besonders Virginia Satir, haben viel mit konkreten Übungen gearbeitet, um Klientinnen bei der Veränderung zu unterstützen. Eine Zeit lang standen dann im systemischen Feld sprachliche Interventionen im Vordergrund – zirkuläre Fragen schienen ein Königsweg zu sein. Der Fokus lag auf kognitiven Prozessen. Körper und Emotionen waren tendenziell “unterbelichtet“. Die „Erfindung neuer Geschichten“, die Entwicklung neuer Zukünfte, die Veränderung erstarrter Wirklichkeitskonstruktionen, wurde hauptsächlich durch sprachliche Mittel angestrebt. Immer mehr setzt sich allerdings auch im systemischen Feld (wieder) die Einsicht durch, dass kognitive und emotionale Prozesse nicht zu trennen sind und dass Methoden hilfreich und notwendig sind, die Klientinnen und Klienten helfen, auf der Ebene von Gefühlen und Körperempfindungen Veränderungen zu erleben. Dabei erfahren alte Traditionen und Vorgehensweisen neue Beachtung und Wertschätzung.

Autor

Dr. Roland Weber ist als systemischer Paar- und Familientherapeut stark geprägt von der wachstumsorientierten Familientherapie von Virginia Satir und vom strukturellen Ansatz Salvador Minuchins. Weitere wichtige Impulse waren für ihn die Hypnotherapie, das NLP und die Gestalttherapie. Weber leitet eine psychologische Beratungsstelle in Stuttgart und arbeitet in freier Praxis als Paar- und Familientherapeut. Er hat eine mehr als 20jährige klinische Erfahrung in der Arbeit mit Paaren.

Zielsetzung und Aufbau

Besonders bei der Arbeit mit Paaren genügt es oft nicht, nur auf sprachlicher Ebene zu neuen Möglichkeiten oder Wirklichkeitskonstruktionen anzuregen. Verbale Auseinandersetzungen „verhaken“ sich leicht und es bedarf anderer Zugänge, um festgefahrene Muster zu verflüssigen oder in ritualisierte Paar-Tänze, die zu Schwierigkeiten geführt haben, neue Schrittfolgen einzuführen. In dem Band wird die Bedeutung des Erlebnisorientierten Vorgehens theoretisch begründet und anhand von zahlreichen Fallbeispielen demonstriert. Im Zentrum des Bandes steht die Vorstellung von konkreten Übungen. Es werden vor allem Körper-, Imaginations- und Gefühlsübungen vorgestellt, deren Anwendung anhand von Beispielen aus der Praxis des Autors erläutert wird.

Inhalt

Im 1. Kapitel wird einleitend anhand eines Fallbeispiels der theoretische Rahmen erläutert: ein mehrdimensionales zirkuläres Modell der Paarbeziehung, in dem auch Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften berücksichtigt werden.

Im 2. Kapitel begründet der Autor das Erlebnisintensive Vorgehen, erläutert die Anforderungen an den Therapeuten / die Therapeutin und führt in verschiedene Gestaltungselemente ein.

Das dritte Kapitel ist erlebnisorientierten Kurzinterventionen gewidmet. Es werden auf jeweils 3 – 5 Seiten 19 verschiedene Übungen vorgestellt, die sowohl auf interaktioneller als auch auf intrapsychischer Ebene wirken, z.B. Ressourcenübung, Bild der Beziehung, Der Partner-Landkartencheck, das Inselspiel, die 3-Felder-Beziehungsanalyse, Stressmanhattan, Faustübung, Aufeinander zugehen usw. Dabei handelt es sich um Übungen zu wesentlichen Themen in Paarbeziehungen wie Stress, Nähe und Distanz, Umgang mit Konflikten usw.

Im 4. Kapitel stellt der Autor drei weiterführende Interventionen vor: 1. die Arbeit mit Skulpturen, hier bezieht er sich auf Virginia Satir und Peggy Papp. 2. Die Time-Line-Arbeit aus dem NLP und 3. die Teilearbeit. Hier wird das Modell der inneren Familie von R.C. Schwartz kurz vorgestellt, ausführlicher bezieht sich der Autor auf das Modell des Inneren Teams von Schulz von Thun. Diese weiterführenden Interventionen werden auf jeweils 40 – 60 Seiten ausführlich erläutert, die Anwendung ist anhand von Fallvignetten beschrieben.

Der Text des Buches ist mit Zeichnungen illustriert, viele Abbildungen bzw. grau unterlegte Kästen, in denen Wichtiges zusammengefasst wird, lockern auf und erleichtern die Übersicht.

Fazit

Das Buch ist für den Kontext der Arbeit mit Paaren konzipiert, aus diesem Bereich stammen die Praxisbeispiele. Der Band enthält aber darüber hinaus wichtige und nützliche Anregungen für die systemische Praxis insgesamt, er kann also auch für die Arbeit mit Einzelnen, Familien oder Gruppen verwendet und empfohlen werden. Insgesamt ein praktisches „Rezeptbuch“ – aber auch weit mehr: ein Beispiel, wie der systemische Ansatz von anderen Ansätzen lernen und sich befruchten lassen kann und wie nützlich eine Rückbesinnung auf eigene „systemische Traditionen“ ist.


Rezension von
Prof. Dr. Ulrich Pfeifer-Schaupp
Dozent für Sozialarbeitswissenschaft an der Evangelischen Hochschule, Universitiy of Applied Science, Freiburg. Systemischer Therapeut und Supervisor (DGSF), Leiter des Freiburger Instituts für systemische Therapie und Beratung


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Zitiervorschlag
Ulrich Pfeifer-Schaupp. Rezension vom 03.07.2009 zu: Roland Weber: Paare in Therapie. Erlebnisintensive Methoden und Übungen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2008. ISBN 978-3-608-89028-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7725.php, Datum des Zugriffs 19.10.2021.


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