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Ursula Reck-Hog: Qualitätsmanagement in ambulanten Pflegediensten [...]

Rezensiert von Christoph Langewitz, 29.04.2003

Cover Ursula Reck-Hog: Qualitätsmanagement in ambulanten Pflegediensten [...] ISBN 978-3-7841-1418-7

Ursula Reck-Hog: Qualitätsmanagement in ambulanten Pflegediensten und Tagespflegeeinrichtungen. Ein Handbuch für die Praxis. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2002. 98 Seiten. ISBN 978-3-7841-1418-7. 15,00 EUR.
Mit Diskette
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Zum Thema des Buches

Ambulante Pflegedienste und Tagespflegeeinrichtungen sind verpflichtet, ein internes Qualitätsmanagement einzuführen (vgl. §80 SGB XI). Das vorliegende Buch zielt darauf ab, ambulante Pflegedienste und Tagespflegeeinrichtungen beim Aufbau eines internen Qualitätsmanagementsystems und der Vorbereitung auf externe Qualitätsforderungen (z.B. MDK-Prüfung, Zertifizierungsverfahren des TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg) zu unterstützen.

Damit soll ein Beitrag zur Umsetzung des Gesetzes zur Qualitätssicherung und zur Stärkung des Verbraucherschutzes in der Pflege (Pflege-Qualitätssicherungsgesetz) geleistet werden.

Die Autorin

Dr. Ursula Reck-Hog ist Inhaberein des Institut für Sozialforschung und Organisationsberatung in Freiburg. Die Arbeitsschwerpunkte liegen in der Entwicklung von Prüfverfahren für Ambulante Pflegedienste, Tagespflegeeinrichtungen und Stationäre Pflegeeinrichtungen für den TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg, in der Beratung und Prüfung von Pflegeeinrichtungen. Sie führt Workshops zum Thema Qualitätsmanagement durch und ist tätig in der Fort- und Weiterbildung von Qualitätsbeauftragten, Gutachtern und Assesoren nach dem EFQM Excellence Modell.

Desweiteren war ein Arbeitsgruppe des Caritasverbandes Baden-Baden e.V. im Bereich der Tagespflegeeinrichtungen an der Erstellung des Buches beteiligt. Die Arbeitsgruppe stellte Materialien zur Verfügung und diskutierte das Manuskript.

Zielgruppe

Die Zielgruppen sind Leitungen und Qualitätsbeauftragte von Ambulanten Pflegediensten und Tagespflegeeinrichtungen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 10 Kapitel unterteilt. Nach einer allgemeinen Einführung zum Aufbau und der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems, wird das EFQM Excellence Modell als Bezugsrahmen für die Selbstbewertung sehr knapp vorgestellt. Es folgt eine Erklärung zu den Zielsetzungen und Funktionen der Selbstbewertung. Anschließend wird das Selbstbewertungsverfahren in den Einzelschritten erläutert.

Dann folgen zwei Checklisten zur Durchführung der Selbstbewertung, eine bezogen auf ambulante Pflegeeinrichtungen und eine für Tagespflegeeinrichtungen. Diese Checklisten stehen auch als PDF-Datei auf Diskette zur Verfügung. Im Anhang werden einige Materialien aus einer Tagespflegeeinrichtung vorgestellt. Dazu gehören diverse Standards zum Qualitätsmanagement, die Konzeption der Tagespflegeeinrichtung, Stellenbeschreibungen, Brandschutzordnung, Kundenfragebögen usw. Einige dieser Standards stehen als Word-Datei zur Verfügung, die im Nachhinein auch an die individuelle Situation angepasst werden können.

Zum Wert des Buches

Um nicht lange drum herum zu reden: Aus meiner Sicht kann das vorliegende Buch lediglich als Grundlage für die weitere Beschäftigung mit dem Thema Qualitätsmanagement und die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems genutzt werden. Die Kapitel, die sich mit der Erklärung von Qualitätsmanagement und dem Vorstellen des EFQM Excellence Modell beschäftigen kratzen die Thematik lediglich an der Oberfläche an. Auf ganzen 17 Seiten wird die Einführung eines QM-Systems beschrieben, das EFQM Excellence Modell erklärt und die Durchführung des Selbstbewertungsprozesses sowie die Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen vorgestellt. Viel zu wenig wird auf den Sinn von Qualitätsmanagement und die Möglichkeiten der Prozessverbesserung und damit einhergehend eine Verbesserung der Wertschöpfung eingegangen. Dies ist aus meiner Sicht aufgrund der Fehler, die im Gesundheitswesen mit der Einführung von Qualitätsmanagement gemacht wurden, jedoch zwingend erforderlich. Qualität kann eben nicht von Außen in die Einrichtungen "hineingeprüft" werden, sondern Qualität ist eine Einstellung, die sich dann in bestimmten Handlungsweisen widerspiegelt.

Die nachfolgenden Checklisten erinnern sehr stark an die MDK-Anleitung zur Prüfung der Qualität nach § 80 SGB XI. Dies birgt die Gefahr, dass Qualität mal wieder "als das Abhaken von Forderungen" gesehen wird. Wenn das der Fall ist, wäre der Bezugsrahmen des EFQM Excellence Modells jedoch völlig verfehlt, da dieser von einer umfassenden Sicht von Qualität ausgeht und eben nicht nur die Erfüllung von Forderungen beachtet. Wer EFQM ernst nimmt, der betreibt nicht nur Qualitäts-, sondern geradezu Unternehmensmanagement. Die Checklisten enthalten, neben den Fragen aus dem EFQM Excellence Modell, Forderungen, die sich aus den Grundsätzen und Maßstäben zur Qualitätssicherung und den Forderungen aus dem Prüfkatalog nach dem Pflegequalitätssicherungsgesetz ergeben. Allerdings ist dieser Prüfkatalog noch nicht verabschiedet worden und es ist fraglich, ob dieser jemals in der vorliegenden Form verabschiedet wird!

Der Umgang mit den Checklisten ist aus meiner Sicht auch nicht ausreichend erklärt worden. Zwei Parameter werden in der Bewertung abgefragt: Erfüllungsgrad einer Frage und die Wichtigkeit für die Umsetzung. Die Mitarbeiter sollen diese Fragen dann entsprechend auf einer Skala bewerten. Doch wie gehen Einrichtungen dann mit den Bewertungen um? Haben Sie die Möglichkeiten der Auswertung? Sind die Fragen zielgerichtet? Die Fragen zielen auch nicht auf die Überprüfung der Vorgehensweise ab. Nach dem EFQM Modell müsste auch noch abgefragt werden, ob das Vorgehen fundiert, integriert und angemessen ist - und dies müsste auch in der Checkliste (evtl. mit Nachweisen versehen) Berücksichtigung finden. Die Genauigkeit der Bewertung mittels der Checklisten darf als Mittel eingestuft werden. Die Verwendbarkeit der Ergebnisse für die Erarbeitung eines Aktionsplans hängt stark von der Formulierung der Fragen ab.

Die Materialen im Kapitel 10 sind nett als Anschauungsmaterial und als Ideenanregung. Nicht mehr und nicht weniger.

Fazit

Das Buch birgt die Gefahr Qualität wieder mit dem Abhaken von Forderungen gleichzusetzen. Wenn dieser Aspekt bei der Lektüre nicht so verstanden wird, ist das Buch durchaus als eine Orientierungshilfe für die Umsetzung des EFQM Excellence Modells zu sehen. Voraussetzung ist dann allerdings, sich mehr mit der Thematik Qualität und EFQM auseinander zu setzen. Wenn eine Einrichtung das EFQM Modell umsetzen will, bedarf es sicherlich der Ausbildung zum internen EFQM Assesors, um den Prozess in Gang zu bringen und am Laufen zu halten.

Für jeden, der sich Grundlagen des Qualitätsmanagements aneignen will ist das Buch durchaus geeignet. Für den Praktiker birgt das Buch allerdings nicht viel Neues.

Rezension von
Christoph Langewitz
selbständiger Organisationsberater für Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens. Beratungsschwerpunkte: Qualitätsmanagement, Strategieentwicklung und im Marketing

Es gibt 6 Rezensionen von Christoph Langewitz.

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Zitiervorschlag
Christoph Langewitz. Rezension vom 29.04.2003 zu: Ursula Reck-Hog: Qualitätsmanagement in ambulanten Pflegediensten und Tagespflegeeinrichtungen. Ein Handbuch für die Praxis. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2002. ISBN 978-3-7841-1418-7. Mit Diskette. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/773.php, Datum des Zugriffs 24.05.2022.


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