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Worldwatch Institute (Hrsg.): Zur Lage der Welt 2009 (Erderwärmung)

Cover Worldwatch Institute (Hrsg.): Zur Lage der Welt 2009. Ein Planet vor der Überhitzung. Verlag Westfälisches Dampfboot 2009. 318 Seiten. ISBN 978-3-89691-765-2. 19,90 EUR.
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Globale Entwicklung mit ungedeckten Wechseln

Wir wissen es alle und ahnen, ignorant, zögerlich oder überzeugt, dass der notwendige Perspektivenwechsel für eine lokal und global orientierte, ökonomische und ökologische Entwicklung noch nicht vollzogen ist. Der so genannte „Green New Deal“, der ein neues, politisches Denken und Handeln als eine positive Wende prognostiziert – als „Zukunftsinvestitionen in erneuerbare Energien, in Energieeffizienz und den Ausbau innovativer Stromnetze sowie in neue Formen der Mobilität“ – steht uns noch bevor. Zwar werden mittlerweile die Vorteile eines solchen Paradigmenwechsels benannt, und die Befürworter einer nur auf wirtschaftliches Wachstum hin bezogenen Politik werden kleinlauter; aber ernsthafte und wirksame Strategien gegen die durch den Klimawandel bereits in vollem Gange befindliche, bedrohliche Erwärmung der Erdatmosphäre werden nach wie vor egoistisch und ethnozentrisch bei Seite geschoben. Dass sich die globale Durchschnittstemperatur bis Ende des Jahrhunderts um rund 6 Grad Celsius erhöht, wenn wir so weiter leben wie bisher, ist Fakt. Wir werden froh sein müssen, gelingt es, die Erwärmung auf nicht mehr als 2 Grad zu drücken.

Thema des diesjährigen Bandes

Das ambitionierte, seit 1974 als „Weltbeobachter“ agierende und anerkannte Worldwatch Institute, Washington, D.C., legt den diesjährigen Bericht „Zur Lage der Welt 2009“ als Mahnung und hoffnungsvollen Aufruf vor. Mit dem Schlagwort „Überhitzung“ wird die ernste, die Menschheit bedrohende Entwicklung des überwiegend von Menschen gemachten Klimawandels in den Mittelpunkt des Szenarios gestellt; gewissermaßen rund 100 Jahre vorausschauend und prognostizierend, dass „irgendwie ( ) die Menschheit die schlimmsten Folgen der Erderwärmung überlebt … und es geschafft (hat), das Klima auf der Erde zu stabilisieren“. An diesem „Erfolgsszenario“ orientieren sich die sechs Kapitel des Buches. Damit wird in der Berichterstattung über die Lage der Welt von den Herausgebern – neben dem Worldwatch Institute sind das die Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin und die seit 1991 tätige, unabhängige Entwicklungs- und Umweltorganisation „Germanwatch“, Bonn – ein Plazet ausgesprochen, dass „in unserer sich aufheizenden Welt ( ) noch Hoffnung (bleibt) trotz der düsteren Gewissheit, dass wir am Beginn einer gewaltigen und unkontrollierbaren Veränderung unseres Planeten leben“. Es ist noch nicht zu spät für eine „intelligente Politik gegen ein destabilisiertes Klima“.

Aufbau und Inhalt

Die 38 internationalen Autoren gehen mit dem Signal „Zeit der Entscheidungen“ in sechs Kapiteln an die Aufgabe heran, die „Weichen Richtung Zukunft zu stellen“. Dabei sind die Kapitelüberschriften gleichzeitig programmatische Wegweiser:

  • Eine Politik gegen den Klimawandel.
  • Eine sichere Landung für das Klima.
  • Mit Biochar und Bäumen gegen den Klimawandel.
  • Die Energie der Zukunft.
  • Wie können wir dem Klimawandel widerstehen?
  • Ein Abkommen zur Rettung des Klimas.

Dabei weisen die Expertinnen und Experten mit durchaus drastischen Worten und Argumentationslinien auf den Ernst der Lage hin und sparen nicht mit egriffen wie „Weltenbrand“, „Bedrohung der Biodiversität“, „Treibhauseffekt“, u.a. Sie zeigen in zahlreichen konkreten Beispielen aus den urbanen und ländlichen Gebieten der Erde, wie misslingende und gelingende Entwicklung „vor Ort“ aussieht; aber auch, wie lokales Klimahandeln globale Auswirkungen hat. Dabei handelt es sich nicht um „Erzählungen“, sondern überwiegend um Bestandsaufnahmen und Prognosen, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen beruhen.

Diskussion

So lässt sich sagen, dass die Berichte „Zur Lage der Welt 2009“ sich entscheidend abheben von den bekannten Vorläufern zur Weltanalyse, etwa denen des „Club of Rome“, deren politische Wirkungen sich eben dadurch reduzierten, dass sie viel zu leichtfertig als nicht beweisbare Szenarien abgetan wurden. Mit dem Untertitel „Ein Planet vor der Überhitzung“ weisen die Herausgeber und das Autorenteam sehr deutlich darauf hin, dass JETZT weltweit und kooperativ auf den Klimawandel reagiert werden muss; in den UN-Verhandlungen genau so wie in den regionalen und lokalen Aktivitäten und Initiativen. Mit Blick auf die aktuelle, weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, an deren Überwindung überall auf der Welt fieberhaft gearbeitet wird, kann als ein warnender Fingerzeig aufgefasst werden: „Der Klimawandel könnte …zum Auslöser der nächsten großen Finanz- und Wirtschaftskrise werden“. Der aktuelle Weltzustandsbericht ist keine beschönigende Bestandsaufnahme; aber auch kein Kassandraruf.

Fazit

Das Buch des Worldwatch Institute „Zur Lage der Welt 2009“ kann als Handreicher verstanden werden, für alle Menschen auf der Erde, die direkt und indirekt vom Klimawandel betroffen werden, und als Nachschlagewerk für „Fakten und Begriffe zum Klimawandel“, einschließlich des Glossars, das die wichtigen Begriffe zur Thematik zur Verfügung stellt. Damit gehört der Report in die Hände von Politikern und Wissenschaftlern, von Lehrenden und Lernern, also in die Bücherregale von uns allen!


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 20.06.2009 zu: Worldwatch Institute (Hrsg.): Zur Lage der Welt 2009. Ein Planet vor der Überhitzung. Verlag Westfälisches Dampfboot 2009. ISBN 978-3-89691-765-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7730.php, Datum des Zugriffs 21.11.2019.


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